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Viersen
Mit dem Rad zu den Wegekreuzen pilgern

Viersen. Reinhold Hörkens hat sie nicht nur gezählt, sondern auch erforscht. Seine Radtour führt zu 34 Wegekreuzen und Kapellen in Alt-Viersen. Im Sommer kommenden Jahres erscheint eine Broschüre zu den heiligen Orten Von Sabine Janssen

Die älteste Gedenkstätte erinnert an den 1. Oktober 1620. Damals starb in Alt-Viersen der letzte Kranke an einer Pest-Epidemie. Vor seinem Haus am heutigen Gereonsplatz errichtete man ein hohes Kreuz, das bis heute die Erinnerung an die Opfer der verheerenden Seuche im 17. Jahrhundert lebendig hält.

Einer der jüngsten heiligen Orte liegt an der Freiheitsstraße. Auch er gedenkt der Toten - allerdings aus einer anderen Zeit. "Der Gedenkstein ist für die Verkehrstoten", erklärt Reinhold Hörkens.

Insgesamt 34 heilige Ort hat er in Alt-Viersen gezählt und ihre Geschichte gesammelt. Im Sommer kommenden Jahres möchte er die Ergebnisse zu den heiligen Orten von Alt-Viersen als Broschüre herausgeben.

Der Rentner ist Mitglied im Verein "Geschichte für alle". Ein Buch über Wegekreuze und Heiligenhäuschen aus Mönchengladbach hat ihn zu den Nachforschungen inspiriert. "Es wäre doch schön, wenn wir so etwas auch für Viersen hätten", findet Hörkens.

Die Ergebnisse seiner Forschungen stellt er am kommenden Sonntag bei einer Radtour zu den heiligen Orten in Alt-Viersen vor. Die Tour ist längst ausgebucht - obwohl sie viel länger geworden ist, als der rüstige Rentner anfangs einkalkuliert hat. "Man fährt 22 Kilometer in etwa fünf Stunden, wenn man alle Gedenkstätten ansteuert."

"Hinter jedem Wegekreuz und jeder Kapelle steht eine Geschichte", sagt der 68-Jährige. Das Hagelkreuz am Gereonsplatz beispielsweise erinnert an ein großes Unwetter am 18. Juli 1662. Eines der Gedenkkreuze am Omperter Weg wurde nach dem Unfall eines Fuhrmanns errichtet, der am 22. September 1785 von seinem eigenen Karren erschlagen wurde.

Eine der mysteriöseren Geschichten erzählt das Portenkreuz am Pittenberg. Am Ort des Kreuzes soll 1730 ein Junker tot aufgefunden worden sein. "Angeblich wurde er ermordet. Während der Franzosenzeit wurde das Kreuz im Wald versteckt und anschließend wieder aufgestellt", erzählt Hörkens.

Für das gesamte Stadtgebiet Viersen - inklusive Boisheim, Dülken und Süchteln - hat er 93 Wegekreuze, Bildstöcke und Heiligenhäuschen gezählt. "Das waren aber so viele, dass ich mich erst einmal auf Alt-Viersen konzentriert habe", erzählt Hörkens. Nicht ausgeschlossen aber, dass er sie im kommenden Jahr dann genauer unter die Lupe nimmt und dorthin ebenfalls Radtouren unternimmt.

Quelle: RP
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