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Frank Gellen
"Potenzial derer, die ausgehen wollen, ist da"

Frank Gellen: "Potenzial derer, die ausgehen wollen, ist da"
Viele Ideen der Kinder und Jugendlichen hat Bürgermeister Frank Gellen notiert. Es sei wichtig, die jungen Leute immer wieder zu fragen, "und nicht zu glauben, dass wir wissen, was sie wollen", hat er festgestellt. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Die Ergebnisse aus der ersten Bürgermeister-Sprechstunde für Kinder und Jugendliche fließen in die To-do-Liste der Gemeinde Brüggen ein. Von Birgit Eickenberg

Sprechstunden des Bürgermeisters gibt es regelmäßig. Bürger können dann ohne Anmeldung Frank Gellen besuchen und mit ihm über ihre Anliegen sprechen. Solch eine Sprechstunde des Bürgermeisters will Gellen nun auch fest für Kinder und Jugendliche in den Ortsteilen anbieten. Die erste fand im Jugendzentrum "Second Home" in Brüggen statt. Ein Gespräch über die Anliegen der Kinder, ihre Wünsche und die Frage, was nun aus den Ideen der jungen Besucher wird.

Warum wurde diese Bürgermeistersprechstunde abgehalten?

Frank Gellen Auf Antrag der Grünen wurde entschieden, die bestehenden Kommunikationsangebote der Gemeinde zu erweitern. Es gibt die Bürgermeistersprechstunde und auch die gelben Karten an die Gemeinde. Wilfried Bouscheljong, Leiter des Amtes für Schule, Sport, Kultur, Jugend und Fremdenverkehr, kam auf die Idee, eine Sprechstunde für Jugendliche anzubieten. Einen Testballon haben wir dann im "Second Home" gestartet.

Hatten Sie mit einer großen Beteiligung gerechnet?

Gellen Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht gedacht, dass da jemand kommen würde. Ich war unglaublich überrascht, dass rund 30 Kinder und Jugendliche gekommen waren, die nicht nur dort spielen wollten, sondern tatsächlich etwas von mir wollten. Die Fragen und Anregungen, die dann kamen, waren so präzise und auf die Lebenssituation der Kinder gemünzt. Ich habe völlig unterschätzt, dass Kinder und Jugendliche eine eigene Wahrnehmung der Politik haben.

Welche Wünsche äußerten die Jugendlichen?

Gellen Es kamen ganz konkrete Wünsche wie eine neue Toilette in der Gesamtschule Brüggen, mehr Ruhe im Bereich der Obdachlosenunterkunft in Brüggen, verbesserte Busverbindungen, ein Lokal in Brüggen wie das frühere "Brösel", öffentliches WLAN in der Fußgängerzone oder ein neuer Kunstrasenplatz für Brüggen. Der Wunsch wurde von einem Brachter TSF-Mitglied geäußert, weil die Brüggener auch einen bekommen sollen. Dann ging es weiter: bessere Umkleidekabinen auf dem Fußballplatz in Brüggen, verbesserte Angebote für Jugendliche in Bracht, weniger achtlos weggeworfenen Müll in unserer Gemeinde, Putztage zur Verschönerung unserer Gemeinde, keine Zigarettenkippen im Umfeld der Gesamtschule, mehr Gruppen, in denen sich Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen treffen können, weniger Gedränge in den Schulbussen, der Erhalt der Skaterrampe, möglicherweise Erneuerung auf dem Bolzplatz Eichenweg, Möglichkeiten des nicht vereinsangebundenen Sports in einer unserer Turnhallen, der Erhalt des Bolzplatzes auf dem Eichenweg, ein Indoorspielplatz, neue Spielzeuge an der Schulausleihe der Grund- und Gesamtschule, ein Fitnesspfad wie in Dülken am Borner See, die Spielzeuge im Hallenbad Brüggen sollten öfter zur Verfügung gestellt werden. Und mehr Spielmöglichkeiten im Hallenbad Brüggen.

Eine lange Liste. Hatten Sie den Eindruck, dass die Fragen vorab von Erwachsenen gesteuert waren?

Gellen Dafür kam das zu spontan und aus dem Bauch heraus. Als diese ganzen Punkte genannt wurden, war mir klar, dass die Sicht der Kinder wichtig ist. Sie sind die Zukunft unserer Gesellschaft.

Welche Altersgruppe hat sich dabei besonders hervorgetan?

Gellen Das war gut verteilt. Jede Altersgruppe hat sich gut beteiligt. Ich habe nachgefragt, ob der Wunsch besteht, diese Sprechstunden regelmäßig abzuhalten. Da kam von den Jugendlichen ein klares Ja. Nach den Ferien wollen wir regelmäßig alle vier Monate diese Sprechstunden anbieten, mal im "Second Home", mal im "Kolibri" oder auch im Jugendtreff Born, so dass jeder Ortsteil erreicht wird.

Was passiert jetzt mit den Ideen und Wünschen?

Gellen Ich nehme diese Anregungen gerne mit in die Politik. Beispielsweise nehmen wir die Diskussion um den Skaterplatz mit. Der jetzige Platz, wird durch Baumaßnahmen wegfallen, aber er ist für die Jugendlichen ganz wichtig, und da werden wir versuchen, adäquaten Ersatz zu schaffen. Außerdem unterstützen wir den Inhaber der ehemaligen Diskothek "Brösel" bei der Suche nach einem Konzessionär. Für die Jugendlichen und auch die Erwachsenen ist das wichtig, hier ein Angebot im Ort zu haben. Das fehlt hier einfach. Das Potenzial derer, die freitags oder samstags ausgehen wollen, ist da. Diejenigen, die keinen Führerschein haben, kommen zwar aus dem Ort raus, aber nicht wieder zurück. Da sind wir dann wieder im Bereich des ÖPNV. Da muss ganz dringend was passieren. Und da sprechen wir auch für Schwalmtal und Niederkrüchten.

Haben Sie sich in Ihrer Jugend Gedanken um die Gemeinde gemacht?

Gellen Ich habe damals das große Glück gehabt, dass ich in der Jugendgruppe der Frico-Boys war. Wir haben nach der Schule alle Bolzplätze Brachts unsicher gemacht. Es kam mir nicht so vor, als würde mir etwas fehlen. Ich sehe aber, dass die Jugendlichen sich heute in einer anderen Situation befinden. Damals hatten wir um 13.15 Uhr die Schule aus, haben Hausaufgaben gemacht und hatten Freizeit. Heute kommen die Jugendlichen teilweise erst im Dunkeln wieder aus der Schule. Wenn man ständig unter dem Schuldruck steht, muss man auch raus und irgendwie den Abschaltknopf drücken. Da bin ich sehr dankbar für das Jugendangebot in den Vereinen. Dort findet auch eine Form der Sozialisierung statt. Aber es muss auch ein Angebot für diejenigen da sein, die sich nicht in den Vereinen verpflichten wollen.

Können Sie Ihre Eindrücke aus der Sprechstunde zusammenfassen?

Gellen Es ist eine Riesenchance, wenn wir diejenigen heranholen können, die uns eins zu eins sagen können, welche Wünsche es gibt. Ich kann den Kindern und Jugendlichen nur danken, dass sie mir als Erwachsenem vermittelt haben, wie wichtig es ist, immer wieder zu fragen, und nicht zu glauben, dass wir wissen, was sie wollen. Und wir müssen die Jugendlichen stärken, dass sie sich in die politische Arbeit mit einbringen.

Quelle: RP
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