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Brüggen
"Satin de chine" aus Brachter Produktion

Ein Volksschullehrer betrieb im Dorf eine Seidenraupen- und Maulbeerbaumzucht

Der verdiente Volksschullehrer Josef Wassen betrieb über 20 Jahre in Bracht Seidenbau und eine Seidenraupen- und Maulbeerbaumzucht. Spätestens seit 1837 widmete er sich dem Seidenbau und das mit solchem Erfolg, dass er sogar vom Gewerbeverein Düsseldorf ausgezeichnet wurde.

Wassen züchtete nicht nur die Seidenraupen, sondern haspelte die Kokons nach Abtöten der Raupe ab, so dass er Rohseide zur Weiterverarbeitung gewann. Allerdings betrug seine Jahresproduktion nur geringe acht Kilogramm Rohseide. Doch der Lehrer ließ sich nicht beirren. Er ließ seine Seide zwirnen und weben und erntete für seinen blauschwarzen »Satin de chine« viel Lob eines Krefelder Fabrikanten.

Stolz reichte Wassen dem Bürgermeister Maximilian Delhees ein Musterstück von dem Satin mit einem langen Bericht ein, den dieser an Regierungsstellen weitergab, so dass Wassens Verdienste in der Seidenzucht bekannt wurden. 1851 konnte er aus selbstgezogener Seide 28 Ellen, 1852 über 90 Ellen (circa 60 Meter) verschiedener Seidengewebe anfertigen lassen.

1853 wünschte die Düsseldorfer Regierung wegen der zunehmenden Wichtigkeit der Seidenzucht einen Erfahrungsbericht von Wassen, der unter anderem vorschlug, Maulbeerbäume statt Obstbäume an die Chausseen zu pflanzen, um genügend Nahrung für die Seidenraupen zu haben. In der Folge wurden zur Unterstützung von Wassens Seidenbau mehrfach hunderte Maulbeer-Stämmchen aus der Landesbaumschule in Bracht angepflanzt.

Trotz der unbestrittenen Erfolge Wassens begünstigten die klimatischen Bedingungen Krankheiten bei Raupen und, was noch schlimmer war, bei den Maulbeersträuchern, so dass kein Futter für die Raupen vorhanden war. Wassens Bemühungen fanden in Bracht keine Nachfolger. So blieb der Seidenbau in Bracht eine Episode. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurden jedoch noch aus der von Wassen produzierten Seide zwei schwarze Messgewänder für St. Mariä Himmelfahrt gefertigt.

(igd)
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