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Kreis Viersen
Sechs Spuren, zwei Gleise, keine Kurve

Kreis Viersen: Sechs Spuren, zwei Gleise, keine Kurve
Bauprojekte auf Autobahnen und im Schienenverkehr - Landrat Andreas Coenen sieht den Kreis Viersen in beiden Angelegenheiten benachteiligt. FOTO: Busch
Kreis Viersen. Landrat Andreas Coenen (CDU) fordert Nachbesserungen beim Bundesverkehrswegeplan. Der Kreis Viersen werde in den Planungen vernachlässigt. Sowohl in den Bereichen "Straße" als auch "Schiene" bestehe noch Gesprächsbedarf Von Markus Plüm

Der Bundesverkehrswegeplan von Minister Alexander Dobrindt (CSU) ruft im Kreis Viersen einige Verstimmung hervor. Wie Landrat Andreas Coenen gestern mitteilte, sei man mit den in Berlin vorgenommenen Priorisierungen einzelner Bauprojekte nicht einverstanden und habe dies auch in einer Stellungnahme deutlich gemacht. "Der Kreis Viersen ist ein aufstrebender Wirtschaftsraum. Die Zuzüge und Pendlerströme nehmen zu. Aber all das hat der Bundesverkehrswegeplan nicht berücksichtigt. Im Gegenteil: Die Region wird vernachlässigt."

Coenen stößt sich insbesondere an der "nicht sachgerechten Bewertung" der Abschnitte von A 61 (deutsch-niederländische Grenze bis Mönchengladbach), A 52 (Kreuz Mönchengladbach bis Kreuz Neersen) und A 44 (Kreuz Neersen bis Kreuz Meerbusch). "Konkret geht es um den Ausbau der Teilbereiche auf sechs Fahrstreifen. Während die A 52 und die A 44 die Dringlichkeitsstufe ,Weiterer Bedarf' erhielten, taucht der Bereich der A 61 gar nicht auf."

Vor dem Hintergrund, dass die Verkehrsbelastungen auf diesen Abschnitten bereits jetzt höher seien als prognostiziert, müsse hier eine Neubewertung unter Berücksichtigung realistischer Belastungen erfolgen. "Die kontinuierliche Zunahme des Verkehrs auf den genannten Autobahnen wird durch die Straßenverkehrszählung NRW aus dem Jahr 2014 ersichtlich. In Neersen wurden damals bereits 64.000 Fahrzeuge pro Tag verzeichnet. Der Bund geht in seiner Prognose für 2030 von 63.000 Fahrzeugen aus", ergänzte Planungsdezernent Andreas Budde. Daher müsse vor allem die A 44 die Einstufung "Vordringlicher Bedarf" erhalten - was einer Umsetzung der Baumaßnahme bis spätestens zum Jahr 2030 entspräche.

Gesprächsbedarf besteht für Coenen auch im Bereich "Schiene". "Eines ist klar, die sogenannte Viersener Kurve lehnen wir ausdrücklich ab, sie ist in keiner Weise erforderlich. Das wäre ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Stadt Viersen." Außerdem bezweifle man die Notwendigkeit der Baumaßnahme, da bereits jetzt 75 Prozent aller Züge von Venlo kommend ein Ziel südlich von Viersen anfahren würden. Entsprechend befürwortet man im Kreishaus den zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Dülken und Kaldenkirchen. "Wir wissen, dass es dort mehr Güterverkehr und damit auch Lärm bedeuten würde. Aber mehr Wohlstand und gleichzeitig weniger Lärm geht zusammen nicht." Der Kreis geht davon aus, dass bei Zweigleisigkeitauf diesem Streckenabschnitt ungefähr 35 Güterzüge mehr pro Tag dort verkehren könnten.

Daher lege man bei der Befürwortung des zweigleisigen Ausbaus auch drei Bedingungen zu Grunde: "Der Haltepunkt Viersen muss erhalten bleiben, der Regionalexpress 13 darf nicht gekappt werden und der Lärmschutz muss auf dem gesamten Streckenabschnitt sichergestellt werden."

Coenen betonte am Dienstag, dass bei den vorhergehenden Beratungen, wie man sich zu den geplanten Verkehrsplanungen positionieren wolle, große Einigkeit bei allen beteiligten Akteuren geherrscht habe. "Wir haben uns bei unserer Stellungnahme auch mit unseren niederländischen Nachbarn abgestimmt. Die Provinz Limburg unterstützt unsere Forderungen und ist bereit, sich beispielsweise beim zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecken finanziell zu beteiligen." Nun werde man zeitnah das Gespräch mit dem Bund suchen um die gewünschten Änderungen zu erreichen.

Quelle: RP
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