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Viersen
Stadt Venlo plant ein "Deutsches Haus"

Viersen: Stadt Venlo plant ein "Deutsches Haus"
Lebhaftes Interesse zeigte Frans Aerts in Viersen am Kreishaus, dem Stadthaus und dem verbindenden Forum mit der Großplastik "New Star". In Venlo lotet er das Interesse der Kollegen an einem Besuch der Kreisstadt aus. FOTO: Busch
Viersen. Nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr bildete Nettetals Nachbarstadt einen Ratsausschuss für grenzüberschreitende Angelegenheiten. Ihr Vorsitzender Frans Aerts berichtet über Hintergründe und Planungen. Von Ludger Peters

In absehbarer Zeit wird es in Venlo ein "Deutsches Haus" geben. In dem Gebäude sollen Institutionen angesiedelt werden, die grenzüberschreitende Interessen haben - politisch, administrativ, aus der Wirtschaft, Bildung und Kultur. "Wir möchten dort regelmäßige Treffen organisieren und Berater für die genannten Aufgaben installieren", sagt Frans Aerts. Der Politiker kündigt an, dass die Stadt Venlo eine vorhandene Immobilie dafür anbieten wird.

Aerts ist Vorsitzender des Ausschusses für grenzüberschreitende Angelegenheiten. Im Gremium sitzt jeweils ein Vertreter der insgesamt acht Fraktionen im Stadtrat. Frans Aerts kennt den Raum jenseits der Grenze nicht nur als Politiker, er war beispielsweise selbst einige Jahre in Kaldenkirchen bei der einstigen Spedition Gerlach beschäftigt.

Das ist lange her, aber die Erinnerung ist nicht verblasst. Eher verwundert hat ihn, wie die Kollegen im Stadtrat von Venlo auch, wie gering die Kontakte zwischen deutschen und niederländischen Politikern sind. "Nach der Kommunalwahl im März 2014 wurde uns klar, dass wir etwas anders machen müssen im Verhältnis zu unseren Nachbarn", berichtet Aerts. Als die Rathaus-Koalition und der Themenkatalog für die Wahlperiode festgelegt waren, stand oben auf der Agenda auch die Annäherung an die deutschen Nachbarn.

Das College aus Bürgermeister und Wethoudern - den politischen Beigeordneten - habe "begeistert" auf die Initiative reagiert. Zwar hat der Ausschuss kein eigenes Budget, aber den Politikern geht es in ihrer Arbeit um etwas anderes. Sie wollen "die andere Seite" kennenlernen. Parallel erteilte der Stadtrat Bürgermeister Antoin Scholten, seine schon begonnene Initiative im Umgang mit den Deutschen fortzusetzen und zu verstärken.

Jeden Monat (!) trifft sich der Ausschuss, der alle zwei Monate konkret etwas unternimmt. Das kann mitunter ganz schön anstrengend werden. In einer regelrechten Parforce-Tour klapperte der Ausschuss innerhalb von sechs (!) Stunden unlängst den halben Niederrhein ab: Die Venloer bestaunten das Braunkohleloch südlich von Mönchengladbach, besuchten das Aluminiumwerk in Grevenbroich, besichtigten den Hafen in Neuss und sahen sich Bayer sowie Thyssen in Krefeld an. Weiter ging es nach Duisburg zum Hafen und auch nach Marxloh. Der Erfolg war durchschlagend, schmunzelt Aerts. Denn viele Stationen waren den Kollegen bisher überhaupt nicht bekannt.

Die Idee für das "Deutsche Haus" spukt schon länger in einem Köpfen in Venlo herum. Die Stadt will ihre herausragende Position als wirtschaftlich bedeutender Vorposten direkt an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, dem wichtigsten Wirtschaftspartner der Niederlande, ausbauen und festigen. Die Konstruktion eines allumfassenden Dienstleistungskomplexes für Niederländer und Deutsche wäre da ein ganz gewichtiger Beitrag.

Mit Krefeld und Mönchengladbach bahnen sich bereits Verbindungen an. Aerts und seine Kollegen haben aber auch Interesse daran, den Kreis Viersen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. "Bei uns ist diese Konstruktion unbekannt. Von der Stadt aus geht es gleich zur Provinz nach Maastricht. Die Zwischenebene von Gemeinde zum Kreis und womöglich über die Bezirksregierung zum Land, sind uns nicht geläufig", bekennt Aerts. Das Kreisgebiet ist für viele Venloer ohnehin ein gesichtsloser Raum. Sie kennen Nettetal vom Einkaufen und Essen her, vielleicht noch Brüggen. Die Kreisstadt Viersen nehmen die meisten nur von Hinweisschildern auf der Autobahn her wahr. Andererseits besuchen jährlich mehr als drei Millionen Deutsche Venlo, und Aerts vermutete, das "einige tausend Deutsche" im Großraum Venlo auf niederländischer Seite arbeiten.

Kurioserweise hat die Beseitigung der EU-Binnengrenze zum 1. Januar 1993 in gewisser Weise viele Menschen voneinander entfernt, die bis dahin zusammenarbeiteten. Speditionen, Bahn- und Zollbeamte, die jahrzehntelang zum Teil in den selben Büros oder zumindest in benachbarten Gebäuden saßen, verloren den Kontakt. "Der Fall der Grenze hat irgendwie neue Barrieren geschaffen. Es gab sehr viel mehr an Bürokratie, und das haben wir lange Zeit nicht wahrgenommen", meint Aerts. Er beobachtet erst seit etwa fünf Jahren wieder das Bemühen, sich einander anzunähern.

Quelle: RP
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