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Viersen
Startverbot für Modellflieger

Viersen. Wie viel gilt ein Ratsbeschluss? Diese Frage stellen sich die Modellflieger in Viersen. Die Politik gab 2009 "grünes Licht" für einen Flugplatz. Der soll jetzt in einer einsamen Entscheidung der Verwaltung einkassiert worden sein. Von Joachim Niessen

Viersens Modellflieger führen einen schweren Kampf. Nicht nur, das sie seit Jahren gegen das Vorurteil ankämpfen, lärmende Maschinen zu allen Tages- und Nachtzeiten in den Himmel und über die Gärten Ruhe suchender Anwohner zu jagen. Jetzt hat sich still und leise die Verwaltung der "Herren der Lüfte" angenommen und ihnen durch die Hintertür auf ihrem künftigen Flugplatz Startverbot erteilt.

Kleine Segler und Elektroflieger

Dabei schien die Angelegenheit für die Viersener Politik in allseitigem Einverständnis geklärt. Denn Viersens Modellflieger sind in Wahrheit ein sehr ruhiges Völkchen. Für ihr Hobby brauchen sie recht wenig: einen kleinen Klappstuhl, ihr Modell – und eine freie Fläche. Sitzgelegenheit und Flieger waren für die rund 250 bis 300 passionierten – aber vereinsungebundenen – Piloten in der Kreisstadt kein Problem. Doch der geeignete Startplatz bereitete immer wieder Sorgen. Vom Hohen Busch waren die fast lautlosen kleinen Segler und Elektroflieger, die ein Maximalgewicht bis fünf Kilogramm haben, im Laufe der Zeit verdrängt worden. Vergeblich suchten die Vertriebenen immer wieder eine neue Heimat für ihr Hobby.

Im vergangenen Jahr sagte die Politik Unterstützung zu, ein geeignetes Plätzchen wurde gefunden. Es handelt sich um ein knapp zwei Hektar großes städtisches Gelände "Hinter der Burg" zwischen Dülken und Boisheim. "Der Platz ist hierfür hervorragend geeignet", bestätigen sogar die Vorstandsmitglieder des Deutschen Modellflugverbandes, die eigens zur Ortsbesichtigung nach Viersen angereist waren. Die Fläche hat eine Größe von knapp 20 000 Quadratmetern, wovon die Hälfte für den Flugplatz ausreicht. Der Pachtvertrag mit dem Bauern wurde gekündigt, sodass das Gelände zum 1. Oktober 2009 zur Verfügung stehen sollte.

Auch die Ratsvertreter stimmten dem neuen Standort zu, eine Änderung des Flächennutzungsplans wurde Mitte 2009 vom Bau- und Planungsausschuss eingeleitet. Mehr noch: Wie von der Politik gefordert, gründete sich ein Verein, dessen Mitglieder auch finanziell in Vorleistung traten, die Sparkassenstiftung sagte eine kleine Unterstützung zu. Begeisterung über die neue Situation herrschte parallel an den Schulen. Die Ostschule in Dülken beschäftigt sich im Fach "Technik" mit dem Bau von Modellfliegern. Auch an der Viersener Gesamtschule wird ein entsprechender Kurs angeboten. Beide Schulen wollten den neuen Start- und Landeplatz nutzen. Doch jetzt droht dort das frühzeitige Aus. Nach Informationen aus der Stadtverwaltung soll eine "einsame Entscheidung" aus dem Rathaus das Projekt gekippt haben. "Da muss es einen bösen Menschen in der Verwaltung geben", bemerkte CDU-Ratsherr Fritz Meies. Und der ist nun sauer: Meies will wissen, wieso Beschlüsse von Ratsausschüssen ohne eine Mitteilung von Verwaltungsmitarbeitern stillschweigend wieder gekippt werden. Sportdezernent Dr. Paul Schrömbges zeigte sich irritiert: "Ich höre von dieser Sache zum ersten Mal."

Doch damit ist das Thema nicht beendet: Die Verwaltung will heute im Ausschuss für Stadtentwicklung und -planung zu den Vorfällen eine ausführliche Stellungnahme abgeben.

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Quelle: RP
 
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