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Viersen
Vital-Region entwickelt sich langsam

Viersen. Die Gemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal erhalten als Vital-Region Schwalm-Mittlerer Niederrhein in vier Jahren rund 1,15 Millionen Euro. Bürger sammeln derzeit Ideen. Noch ist kein Projekt bewilligt Von Birgitta Ronge

Viele Ideen haben Bürger in Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal schon gesammelt, die helfen sollen, das Leben in den drei Schwalmgemeinden attraktiver zu machen. In Arbeitskreisen haben sie in Gruppen diskutiert, was man machen könnte - beispielsweise eine Einkaufshilfe für ältere Menschen einrichten, Freiwillige finden, die anderen bei Behördengängen helfen, wieder Leben in Leerstände bringen. Alexandra Lenz (30), Regionalmanagerin für die Vital-Region Schwalm-Mittlerer Niederrhein, wird den Bürgern nicht die Entscheidung abnehmen, welche Ideen umgesetzt werden sollen und welche nicht. Das müssen sie selbst tun, das gehört zum Konzept, um am Landesförderprogramm Vital NRW teilzunehmen: Gefördert werden Projekte, die die Bürgerschaft vor Ort entwickelt.

Seit Mai ist Lenz Regionalmanagerin für die Schwalmregion. Sie vermittelt zwischen den Bürgern und der Bezirksregierung in Düsseldorf, die für eine Projektförderung grünes Licht geben muss. Haben Bürger eine Idee, reicht Lenz zunächst eine Projektskizze bei der Bezirksregierung ein. Ist das Feedback positiv, wird es konkreter. Lenz fertigt einen Beschlussvorschlag für das Entscheidungsgremium der lokalen Arbeitsgruppe (LAG). Stimmt das Gremium zu, kann die Projektförderung bei der Bezirksregierung beantragt werden.

Bürger, die Ideen haben, können die Regionalmanagerin anrufen oder ihr eine E-Mail schicken, um mit ihr zu besprechen, ob aus der Idee ein Projekt werden könnte. Lenz prüft dann, ob es durch Vital NRW förderfähig sein könnte, durch ein anderes Förderprogramm oder gar nicht. Jeder Bürger kann sich auch in einer der drei Arbeitskreise engagieren, die bislang zu den Themenbereichen Wohnen und Versorgen, Integration sowie Naherholung und Tourismus gebildet wurden. Auch die Ideen, die Bürger für die Bewerbung als Leader-Region hatten, werden von Lenz auf Umsetzbarkeit geprüft. Die Arbeit soll nicht umsonst gewesen sein.

Insgesamt hat das Land der Region 1,15 Millionen Euro für vier Jahre in Aussicht gestellt. Hinzu kommen 250.000 Euro, die die drei Schwalmgemeinden beisteuern. Seit dem Start ist noch kein Projekt so weit gediehen, dass dafür Fördermittel nötig gewesen wären. "Für das erste Jahr haben wir jetzt etwas mehr als 100.000 Euro zurückgegeben", sagt Lenz. "Wir hoffen nach Gesprächen mit der Bezirksregierung, dass uns aber in den nächsten Jahren mehr Mittel zugesprochen werden." Sie fügt hinzu: "Ich bin mir bewusst, dass das Zeit braucht. Gut Ding will Weile haben." Zunächst hätten sich die Arbeitskreise finden müssen, "und man sieht, dass die Zusammenarbeit immer enger wird. Das ist spannend zu sehen. Die Leute kennen sich nicht, aber bringen ihre Ideen mit, diskutieren miteinander und sind sehr engagiert".

Das Konzept für das erste Projekt, das umgesetzt werden könnte, liegt der Bezirksregierung vor. Lenz zufolge handelt es sich um ein Projekt zum Übergang Schule-Beruf, das ein Verein initiiert hat. Sie hofft, dass es klappt: "Ich bin nicht ungeduldig, habe aber Angst, dass die Bevölkerung ungeduldig wird. Ich wünsche mir, dass jetzt ein Projekt bewilligt wird, damit man ein Beispiel hat."

Die Initiative durch einen Verein ist eine Möglichkeit, ein Projekt für die Schwalmregion ins Leben zu rufen. Denn jedes Projekt braucht einen Träger aus der Region, der 35 Prozent der Kosten aufbringt - durch Spenden, ehrenamtliche Arbeit oder Stiftungsgelder zum Beispiel. 65 Prozent der Projektkosten kommen aus dem Vital-Fördertopf. Das Projekt soll kein Strohfeuer sein, sondern langfristig wirksam sein - und auch dann noch finanziert werden können, wenn es die Vital-Gelder nicht mehr gibt.

Probleme, auf die Bürger immer wieder hinwiesen, seien die Gesundheitsversorgung auf dem Land, fehlende Treffpunkte für Menschen verschiedenen Alters, Leerstände und mangelnde Mobilität, insbesondere für Ältere, sagt Lenz: "Die klassischen Themen im ländlichen Raum." Aber: "Die Lage ist hier nicht so brisant wie in anderen Regionen. Wir sind gut angebunden, haben eine schöne Grenzlange und aktive, vitale Gemeinden."

Quelle: RP
 
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