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Jürgen Becker
"Weihnachten ist klasse"

Jürgen Becker: "Weihnachten ist klasse"
Jürgen Becker mag Weihnachten, sehr sogar. Gäbe es Weihnachten nicht, müsste es noch erfunden werden, findet der Kabarettist. FOTO: Simin Kianmehr
Viersen. Kabarettist Jürgen Becker und die Talking Horns wollen wissen, was ein Weihnachtslied ausmacht. Ein Gespräch über Glöckchen und Rummel. Von Birgitta Ronge

Ihr Programm heißt "Why Nachten? - Ist das noch Musik oder schon ein Weihnachtslied?" Wie kommt man auf so einen Titel?

Jürgen Becker Eigentlich kam mein Freund Martin Stankowski darauf, wir haben das ausprobiert und dann weiterentwickelt. Er ist Historiker, und gemeinsam mit den Talking Horns, vier Blechbläsern, erkunden wir den Ursprung der rituellen Heiterkeit zum Jahresende.

Mögen Sie denn Weihnachten?

Becker Absolut, Weihnachten ist klasse. Das ist ein wunderbares Fest. Wenn es Weihnachten nicht gäbe, müsste es noch erfunden werden.

Was konkret mögen Sie an Weihnachten?

Becker Die Lichter. Ein Lichterfest hatten die Germanen und die Römer schon, um die dunkle Jahreszeit zu erhellen. Die Christen haben es dann übernommen, als sie feststellten, dass sie da ein Event-Vakuum haben. Und die Leute lieben das: Ostern sollte ja eigentlich das große Fest sein, mit Auferstehung und allem Drum und Dran. Aber das ist eine blutige Geschichte, und das Leiden wollen die Leute nicht. Das lachende Kind, Jesus, das kommt viel besser an. Das sieht man auch an den Klicks im Internet.

Wie meinen Sie das?

Becker Wenn Sie ,Ostern' googeln und dann ,Weihnachten', werden Sie feststellen, dass ,Weihnachten' viel mehr Klicks bekommt. Das sieht man auch an der Musik: Der Song "Last Christmas" von Wham sollte eigentlich "Last Easter" heißen, aber das war ein Flop. Erst als man es auf Weihnachten umgetextet hatte, wurde es ein Erfolg.

Wie viel Musik erwartet die Zuhörer denn in Ihrem Programm?

Becker Sehr viel, wir gehen ja mit den Talking Horns der Frage nach, was ein Weihnachtslied ausmacht. Wir wollen testen, ob es bestimmte Harmonien gibt, die ein Weihnachtsgefühl auslösen. Schließlich gibt es viele Stücke, die wir heute als Weihnachtslieder kennen, die ursprünglich gar keine waren. Zum Beispiel "Hark, the herald angels sing". Die Melodie schrieb Friedrich Mendelssohn Bartholdy zum Gutenbergfest, das ist eine Hommage an die Buchdruckerkunst.

Und welches Weihnachtslied hören Sie am liebsten?

Becker Auch dieses Lied, "Hark, the herald angels sing". Ich bin immer ganz gerührt, wenn die Talking Horns das spielen. Sie haben die ideale Instrumentierung dafür. Ich mag aber auch diese Pop-Sachen, etwa "Driving home for christmas" von Chris Rea. Da sind auch Glöckchen zu hören. In der Popmusik müssen in ein Weihnachtslied immer diese Glöckchen rein.

Welche Erinnerung haben Sie an die Weihnachten Ihrer Kindheit?

Becker Weihnachten bei uns zu Hause war immer toll. Meine Eltern haben die Geschichte vom Christkind erzählt, und die habe ich auch ziemlich lange geglaubt. Wir haben dann durchs Schlüsselloch geguckt in der Hoffnung, das Christkind zu sehen.

Ist der Zauber jetzt verflogen?

Becker Nein, gar nicht. Meine Tochter ist zwar inzwischen erwachsen, aber in der Verwandtschaft gibt es ja immer wieder kleine Kinder, durch deren Augen man Weihnachten erleben kann.

An wen richtet sich Ihr Programm?

Becker An alle, an Christen, Muslime, Juden, Ungläubige - "Why Nachten" ist ein kulturgeschichtliches Programm, das die Gefühle bedient, die Weihnachten hervorruft. Und Weihnachten ist ein Fest für alle, mit den Lichtern, den Geschenken, den Gefühlen. Ich würde sogar sagen, dass eine Religion ohne Weihnachten in Zukunft keine Chance hat.

An der Schenkerei zu Weihnachten scheiden sich ja auch die Geister.

Becker Ach, wissen Sie, ich kann die Tradition, einander Geschenke zu machen, nicht pauschal verurteilen. Wenn man jemandem ein Geschenk macht, dann bedeutet das ja auch, dass man ihn gern hat, dass man sich mit ihm auseinander gesetzt hat und überlegt hat, wie man ihm eine Freude machen kann.

Und der Rummel in der Vorweihnachtszeit? Nervt der?

Becker Wenn ich Verkäufer in einem Kaufhaus wäre, würde ich wahrscheinlich einen Flash kriegen. Aber da ich einen anderen Beruf habe, kann ich selbst entscheiden, ob ich mich dem aussetzen möchte. Und man kann ja sagen: ,Ich gehe heute nicht auf den Weihnachtsmarkt.' Man kann den Rummel auch ignorieren, wenn man will.

Quelle: RP
 
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