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Serie Tag Des Offenen Denkmals (1)
Wohnen mitten in der Natur

Serie Tag Des Offenen Denkmals (1): Wohnen mitten in der Natur
Die Wohnhäuser in der Wolfskull sind lichtdurchflutet - dank vieler Fenster und der Plexiglasdecken. FOTO: franz-heinrich busch
Viersen. Architektonisch außergewöhnliche Viersener Gebäude sind bald wieder für Besucher geöffnet: Am Sonntag, 13. September, ist "Tag des Denkmals". In unserer Serie stellen wir einige der Bauwerke vor. Los geht es mit der Wohngruppe in der Wolfskull. Von Ingrid Flocken

VIERSEN Wer dieses Haus besichtigt, ist sicher überwältigt - von der alles beherrschenden Farbe Weiß des Mauerwerks aus Kalksandstein, von der Form der verschwenkten Gänge und dem Spiel von Licht und Schatten. Das Haus hat eine bewegte Geschichte hinter sich - obwohl es für ein Gebäude noch recht jung ist.

Architekt Dr. Ing. Horst Schmitges hat die fünf Häuser Wolfskull 8 bis 16 als "Wohngruppe Wolfskull" in den Jahren 1972 bis 1978 in den Außenbereich der Stadt Viersen gesetzt. Das Haus Nr. 10 ist das Herzstück der Wohngruppe, Schmitges wohnte dort zunächst selbst; zusammen mit seiner Frau. Als die jedoch starb, lebte er dort alleine weiter, doch ihm fehlte die Motivation, das Haus entsprechend zu pflegen. Er zog in die Stadt, das Haus in der Wolfskull stand zwei Jahre leer - bis sich Designer Thomas Leuschen in das Objekt und die Umgebung verliebte. Gemeinsam mit seiner Frau Julia und seinem dreijährigen Sohn Len möchte er bald dort wohnen. Aber vorher muss das Haus umfassend saniert und renoviert werden. Bauliche Veränderungen darf Thomas Leuschner aus urheberrechtlichen Gründen nicht vornehmen. Aber das hat der neue Besitzer auch gar nicht vor: "Diesem Haus muss man sich einfach unterordnen", sagt er.

Das Haus ist nach der sogenannten "Split-Level-Architektur" konzipiert. Das heißt: Es gibt verschiedenen Ebenen. Mit einem halbgeschossigen Etagenvorsprung passte der Architekt seinen Entwurf an die Hanglage an. Der hintere Gebäudeteil ist als Untergeschoss um eine halbe Etage versetzt. "Ich brauche beim Umzug nur die Inhalte unserer Schränke mitzunehmen, denn die Schränke können wir nicht aufstellen", bemerkt Julia Leuschen.

Eine weitere Besonderheit des Hauses: Fast überall sind die Wände abgerundet und nicht eckig, so wie in konventionellen Wohnhäusern. Wer in dem Haus leben will, muss sich wohl Einbauschränke anschaffen - oder weitere Besonderheiten des Hauses für sich zu nutzen wissen. Für Bücher etwa gibt es auf den Wänden entlang der Laufflächen viele gemauerte Borde. Julia Leuschen denkt dafür schon über entsprechende Deko nach.

Eigentlich ist das Haus riesengroß. Die Wohnfläche aber ist mit dem nur 25 Quadratmeter großen Wohnraum, weiteren vier Zimmern, der Küche und dem Bad überschaubar. Die langen, gewundenen Flure dagegen weniger. Noch etwas fällt auf: Kein Dach wie man es kennt überspannt die Flure: Als Dach dienen gewölbte, vollkommen lichtdurchlässige Plexiglasscheiben.

Dem Ehepaar Leuschen gefällt außerdem die Umgebung: der Wald, der bis ans Haus reicht, die Rehe, die schon mal ins Schlafzimmerfenster gucken. Und auch das Fischbecken zwischen Garage und Terrasse, in dem nach der Sanierung wieder Koi-Karpfen schwimmen sollen, die für den Umbau umgesiedelt wurden. Der Garten geht nahtlos in den Wald über.

Quelle: RP
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