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Wassenberg
In der neuen Sommerakademie: Gegensätze zu Texten machen

Wassenberg: In der neuen Sommerakademie: Gegensätze zu Texten machen
In der Wassenbeger Begegnungsstätte am Pontorsonplatz wurden die Ergebnisse der Sommerakademie vorgetragen. FOTO: Knappe, Jörg (jkn)
Wassenberg. Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten die elf Autoren, die an der ersten Wassenberger Sommerakademie teilnahmen, bei einer Lesung. Von Laura Dohmen

"Zum Glück die Krise" - wer die aktuelle Nachrichtenlage im Auge hat, dem dürfte es schwer fallen, diesen Ausruf nachzuvollziehen. Glück und Krise passen nicht zusammen. "Wir wollten uns mit Gegensätzen und ambivalenten Sachen beschäftigen", erklärte Ulrich Land, der als Leiter der Wassenberger Sommerakademie "Kreatives Schreiben" diesen Titel gewählt hatte. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung mit solchen Kontrasten präsentierten die elf Teilnehmer bei einer abschließenden Lesung am Samstag, die von Eckart Krause am Klavier begleitet wurde.

Initiatoren des Projekts, das in dieser Form erstmals in Wassenberg angeboten wurde, waren die Wassenberger Bürgerbücherei Bücherkiste und die Volkshochschule im Kreis Heinsberg. Fünf Tage lang konnten die Teilnehmer unter Anleitung ihres Dozenten lernen, "Texte zu schreiben, umzuschreiben und nachzubessern", wie Ulrich Land beschrieb. Nicht nur die Texte, sondern auch die Methoden waren dabei kreativ. So bekamen die Teilnehmer etwa Brechts Gedicht "Vom Sprengen des Gartens" als Lückentext und machten ohne Blick auf das Original ganz eigene Texte daraus. Das Lied "You Crazy Diamond" von Pink Floyd nutzen sie ebenfalls als Inspiration und hatten nicht mehr als die 13 Minuten Zeit, die das Lied dauert.

Auch an Übersetzungen versuchten sich die Autoren - allerdings ohne die Originaltexte, aus dem 13. Jahrhundert oder auf Isländisch, zu verstehen. Ins Neudeutsch übertrugen sie Goethes "Zauberlehrling" und ergänzten Sätze wie "Das ganze Haus säuft ab".

Neben poetischen Werken weckten auch weniger literarische Texte wie Lexikoneinträge und Staumeldungen die Kreativität der Teilnehmer. So erfuhren die Zuhörer bei der Lesung auf amüsante Weise, welche Begegnungen sich im Stau ergeben können und dass die neu erfundene "Curioniskraft" verhindere, dass Pferde ihre Hufeisen verlieren.

Ganz ohne Vorlage trugen die Autoren Texte über private Erlebnisse vor. Die amüsanten Erzählungen über eine Heimfahrt aus dem Spanienurlaub, die Notwendigkeit, endlich Schwimmen zu lernen, und eine unliebsame Begegnung mit der syrischen Polizei bewiesen sprachlich, was die Autoren im Laufe der Woche gelernt hatten. Dabei hätten sie zwar meistens, aber nicht nur mit Zettel und Stift gearbeitet, schilderte Land.

Der Saal der Wassenberger Begegnungsstätte, wo die Ergebnisse des Kurses vorgestellt wurden, war gefüllt mit merkwürdigen Konstruktionen aus Spaghetti und Marshmallows, die aussahen wie Molekülmodelle aus dem Chemieunterricht. Daran hingen kleine Zettel mit Worten wie "Sollbruchstelle", "Courage" oder "Geistesblitz". "Die Teilnehmer sollten verstehen, dass auch Literatur so ein Konstrukt ist", erklärte Land.

Quelle: RP
 
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