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Wermelskirchen
Front gegen die Straßensperrung wächst

Wermelskirchen. Der Durchgangsverkehr soll weiter durch die Telegrafenstraße rollen. Händler, Investor und CDU befürchten sonst Umsatzeinbrüche. Kritik gibt es vom WiW-Vorsitzenden Dankmar Stolz: "Die politische Kultur ist gruselig geworden." Von Udo Teifel

Die CDU Wermelskirchen erhöht den Druck auf die Stadtverwaltung, die Sperrung der Telegrafenstraße nicht umzusetzen. "Unsere Unterschriftenliste läuft gut an", verkündete gestern CDU-Ortsvorsitzender Randolf Schmidt. Viele Anwohner, Bürger und Geschäftsinhaber hätten unterschrieben und damit signalisiert, dass sie gegen die Umleitung seien. "Das ist ein eindeutiges Feedback. Wir werden Unterschriften gegen dieses Verkehrsexperiment sammeln. Wir möchten die Sperrung verhindern."

Antrieb der CDU sei der Bürgerwille. "Wir wollen das Thema erneut in den Stadtrat bringen, um weitere Parteien zu überzeugen. Deshalb kommt es auf jede einzelne Unterschrift an." Wer garantiere denn, dass ausschließlich der Durchgangsverkehr verdrängt werde und nicht auch die Kundenfrequenz leide? Schmidt: "Wir sollten uns Gedanken machen, wie wir die Aufenthaltsqualität steigern, Einkaufen und Bummeln in unserer schönen Stadt attraktiver gestalten."

Unterstützung bekommt die CDU jetzt von Stadt-Karree-Investor Gerhard Uhle. "Weniger Fahrzeuge auf der Telegrafenstraße bedeuten auch weniger Verkehr durch Käufer. Und das führt zu einem Umsatzrückgang im Einzelhandel", prophezeite er im Gespräch mit unserer Redaktion.

In Wermelskirchen hatte der Rückbau des Brückenweges Anfang Oktober begonnen. Dort wurden einige Mittelinseln entfernt, um die Umfahrung attraktiver zu machen. Inzwischen hat die Stadtverwaltung, nach über einem halben Jahr Planung, auch im Einmündungsbereich Telegrafenstraße/Brückenweg eine Mittelfahrbahnschwelle auf die Fahrbahn aufgebracht, um die Autofahrer zu bewegen, den Brückenweg zu nutzen, statt einfach geradeaus durch die Telegrafenstraße zu fahren. Ab 4. November, so die Information der CDU, soll das Durchfahrtsverbot gelten. Dann wolle die Stadt die Schilder aufhängen. Und dann wird die Durchfahrt durch den Engpass Höhe Volksbank unterbunden werden - der Verkehr fließt fortan durch die Straße "An der Feuerwache" Richtung Brückenweg.

Der Bochumer Uhle kennt nach seiner Aussage viele Beispiele, in denen solche Verkehrsregelungen zu größeren Problemen für den Einzelhandel geführt haben. "Der Umsatz geht zurück. Es fehlen einfach die Kunden, die vorfahren und einkaufen." Er kritisiert auch das Blockparken vor dem Stadt-Karree und der Stadtsparkasse. "Das läuft doch ganz schlecht. Bei einer Schrägaufstellung wäre ein viel höherer Umschlag möglich", meint der erfahrene Autofahrer und Kaufmann. Die Telegrafenstraße dürfe nicht abgebunden werden. Hier müsse man warten, bis das Verkehrskonzept für den Loches-Platz vorliegt.

Der Stadtmarketingverein WiW hat keine einheitliche Meinung zu diesem Thema. Wer mit dem Vorsitzenden Dankmar Stolz spricht, spürt dennoch schnell dessen Wut zu diesem Thema. "Hier geht es ausschließlich nur noch um Politik. Nicht mehr um Sachlichkeit." Ziel des Innenstadtumbaus sei gewesen, den Durchgangsverkehr von der Telegrafenstraße auf den Brückenweg zu verlagern, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. "Dann muss auch der Brückenweg attraktiver werden. Die Mittelinseln müssen weg, das Tempo von 30 auf 50 hochgesetzt werden", meint Stolz. Er kritisiert, dass mit Steuergeld der Bürger Verkehrsgutachten erstellt würden, und trotz dieser Aussagen nun ein Probelauf gestartet werde. "Wenn ich als Ingenieur das in meiner Branche machen würde, würde man mich auslachen."

Die politische Kultur sei inzwischen in dieser Stadt "gruselig". Der Bürgerwille werde mit Füßen getreten: "Hier darf kein Versuch gestartet werden, hier muss eine vernünftige Lösung gefunden werden."

Quelle: RP
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