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Wermelskirchen
Hoch zu Ross war gestern

Wermelskirchen: Hoch zu Ross war gestern
Michael Glabisch (l.), Kapitän des Segwaypolo Bergisches Land, im Duell mit dem Wermelskirchener Teamkollegen Sascha Kratz. Die Weltmeisterschaften laufen noch bis morgen, Sonntag, 19. Juli, in Köln. FOTO: Stephan Köhlen
Wermelskirchen. Der Verein Segwaypolo Bergisches Land geht dem Sport nicht auf Pferden, sondern auf elektrischen Gefährten nach. Von Georg Amend

Wer das erste Mal auf einem Segway steht, kann sich nicht vorstellen, warum das Gefährt mit den beiden großen Rädern nicht einfach nach vorne umkippt. Tut es aber nicht, ein elektronischer Mechanismus verhindert das. "Jetzt einfach beide Hände an die Lenkstange", erklärt Bärbel Krahforst, "und dann kann's losgehen." Das Gewicht nach vorne verlagern sorgt für die Fahrt nach vorne, analog wird gebremst, indem man sich nach hinten neigt. "Nur nicht an dem Lenker ziehen", warnt Krahforst - dann kann es mit dem Gleichgewicht schnell vorbei sein. Kurven fahren mit einer Verlagerung nach rechts oder links klappt dann wieder ganz gut - als Ungeübter aber heruntersteigen, ist dann doch etwas tricky. Krahforst hilft.

Sie ist erfahren im Umgang mit einem Segway, denn immerhin ist sie Segwaypolo-Spielerin - Nationalspielerin sogar. Wie ihre Teamkollegen vom Verein Segwaypolo Bergisches Land, der 2013 als Zusammenschluss aus den Mannschaften Blade Pirates und Blade Dragons in Solingen gegründet wurde. Die meisten sind über Internetvideos mit dem in den USA entwickelten Sport in Berührung gekommen, die Solinger, unter ihnen inzwischen auch begeisterte Wermelskirchener, nehmen ihn sehr ernst und trainieren inzwischen zwei Mal pro Woche auf dem ehemaligen Fußballplatz in Oberburg neben den Tennisverein. Den Platz hat der Verein gepachtet und für seine Zwecke hergerichtet.

Die Grundzüge des Spiels selber sind schnell erklärt: Zwei Teams treten gegeneinander an und versuchen, auf den bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Segways mit ihren Schlägern (Mallets) den zehn Zentimeter großen weichen Ball ins Tor des Gegners zu schlagen. "Die Regeln sind angelehnt ans Pferdepolo, wurden und werden aber weiterentwickelt", sagt Jens Krahforst, Spieler und Vorstand des Segwaypolo Bergisches Land sowie Vorstand der Internationalen Segwaypolo Association (ISPA). "Früher haben wir wie beim Pferdepolo auf zwei Stangen geschossen, und dann war immer die Frage, ob der Ball drin war oder nicht. Im Laufe der Zeit hat man dann eine Latte oben auf den Stangen und ein Netz dazwischen angebracht."

Nun gibt es auch einen Torwart, der das Gehäuse, das von der Größe zwischen einem Eishockey- und einem Handballtor liegt, hütet. "Das ist eine ganz andere Art von Polo", sagt Jens Krahforst und ergänzt: "Pferdepolo wird es niemals ersetzen, und wir haben auch beileibe nicht die Position von Pferdepolo. Aber wir sind immer noch bekannter als Elefantenpolo."

Letzteres dürfte auch ein wenig teurer sein, gerade was die Unterhaltung des Fortbewegungsmittels angeht. Doch auch Segwaypolo ist nicht ganz günstig, auch wenn das Sportgerät nur Strom benötigt: Zwischen 6000 Euro für einen gebrauchten und rund 10 000 Euro für einen neuen muss man erst mal haben. "Es ist aber nur die Anschaffung, die so teuer ist. Das habe ich auch, wenn ich golfe oder Ski fahre", meint Jens Krahforst. "Die Kosten im Verein sind gering. Wir nehmen 30 Euro pro Monat, davon zahlen wir zum Beispiel die Pacht für die Trainingsplätze. Auch, wenn wir Segways transportieren oder neue Bälle kaufen müssen, rechnen wir das über den Verein ab." Aktuell hat der Klub 16 Mitglieder, Interessierte können den Vorstand über die Homepage kontaktieren.

Die Anschaffungskosten für den Segway sind das eine, doch auch für die großen Turniere muss man eventuell das nötige Kleingeld haben. Immerhin sieht man mit diesem Sport auch die Welt - die Solinger haben schon in den USA oder auf Barbados gespielt.

"Das ist natürlich eigenes Geld, das man da investiert", bestätigt Jens Krahforst. "Wir haben ein, zwei Sponsoren, aber weil es wirklich eine Randsportart ist, müssen wir das Meiste selber zahlen. Das kann man aber gut mit einem Urlaub verbinden." Der fiele für die nächste WM ganz in die Nähe: Sie findet in Köln statt.

Quelle: RP
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