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Wermelskirchen
Humorvoll und politisch - Reuters überzeugender Auftritt

Wermelskirchen. Wortgewandt und energiegeladen: So präsentierte sich Matthias Reuter am Freitagabend vor rund 100 sichtlich begeisterten Zuschauern in der Katt. "Auswärts denken mit Getränken" lautete das Motto des Bühnenprogramms, das der Kabarettist aus dem Ruhrgebiet den Wermelskirchenern präsentierte. Und das Programm hielt, was der Name versprach: Sowohl zum Feiern als auch zum Nachdenken gab es reichlich Gelegenheit. Reuters Vortrag war humorvoll und ausgelassen, aber immer wieder auch politisch. Bei zahlreichen Einlagen am Klavier und an der Gitarre zeigte der Oberhausener zudem sein musikalisches Können.

Im Wechsel nahm Reuter Alltagserlebnisse und gegenwärtige Politik aufs Korn, er verband dadurch "kleine" und "große" Themen geschickt miteinander. So beschrieb er etwa zankende Kindergartenkinder in einem Lied mit dem passenden Titel "Die Kinder in der Kita spielen EU": "So lernen hier die Blagen durch frühkindliches Schlagen, dass in allen großen Fragen sich auch Staaten nicht vertragen."

Ein Kabarettist der ruhigen Sorte ist Matthias Reuter dabei nicht: Stets unterstützte er den Vortrag durch ausdrucksvolle Gestik und Mimik und scheute sich auch nicht davor, zwischendurch mal etwas lauter zu werden. Subtil ist Reuters Humor zwar nicht immer, aber die zahlreichen Wortspiele des studierten Germanisten sind meist sehr wirkungsvoll. Das Publikum zeigte dem Künstler immer wieder durch ausgelassenes Lachen und viel Applaus seine Dankbarkeit.

Zu den Höhepunkten des Abends zählte eine Art Mini-Musical, das Reuter in seinen Vortrag eingebaut hatte. In der Hauptrolle: ein paranoides älteres Ehepaar, das sich aus Angst vor ankommenden Flüchtlingen im eigenen Haus verschanzt. Als Ehemann Rolf durch einen unglücklichen Zufall das Haus doch verlassen muss, bieten Flüchtlinge ihm jedoch sogleich frisch gekochte Maultaschen zur Stärkung an.

Immer wieder erzählte Reuter auch vom Leben im Ruhrgebiet: Ob es nun um den für Städte wie Essen oder Oberhausen typischen Dialekt oder um die "Oktoberfeste" ging, die es mittlerweile im Revier gibt - man merkte dem Künstler die enge Verbundenheit zu seiner Heimatregion an. Am Ende der mehr als zwei Stunden langen Vorstellung, bei der von Rentnern im Schwimmbad bis hin zur EU fast alles aufs Korn genommen wurde, was die Menschen zurzeit bewegt, waren viele fröhliche Gesichter im Publikum zu sehen. Der Applaus war lang und kräftig - und wurde auch prompt mit einer ausführlichen Zugabe belohnt.

(fre)
 
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