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Anka Zink
In vollen Zügen das Leben genießen

Wermelskirchen. Frau Zink, Sie treten am Freitag, 18. September, in der Kattwinkelschen Fabrik in Wermelskirchen auf. Ihr Programm heißt: "Leben in vollen Zügen". Sie telefonieren aber im Moment über ihre Freisprecheinrichtung im Auto. Sie reisen also in der Regel nicht "in vollen Zügen"?

Zink Eine schöne Frage. Wenn Sie es genau wissen wollen: Ich reise zu 60 Prozent im Auto, 30 Prozent in der Bahn und zu zehn Prozent anders, etwa mit der Fähre zu den Inseln wie Norderney oder Borkum.

"In vollen Zügen" ist ja doppeldeutig. Genießen Sie denn ihr Leben in vollen Zügen?

Zink Das ist das eigentliche Thema meines Programms: Was man dafür tun muss, um etwas in vollen Zügen genießen zu können.

Das klingt sehr positiv.

Zink Nur, weil es Kabarett ist, muss es nicht negativ sein. Obwohl ich das Negative dieses Themas nicht ausspare. Das Subthema des Programms ist Terrorismus und die Auseinandersetzung mit Freizügigkeit.

Sie sehen die Aufgabe des Kabaretts dann darin, ernste Themen so aufzubereiten, dass man darüber lachen kann?

Zink Das ist richtig. Ich sage immer: "Im Kabarett möchtest du hören, was du schon weißt, nur schöner ausgedrückt."

Worauf kann sich das Publikum in Wermelskirchen freuen, wenn Sie auf der Bühne stehen?

Zink Es geht oberflächlich natürlich um Reisethemen, aber darunter steckt ernsthaft mehr: Wie organisieren wir uns neu in einer digitalen Welt, was verlangen wir überhaupt und warum wollen wir überhaupt woanders hin und nicht dort sein, wo wir gerade sind. Auch das Thema Flucht wird ja immer wieder erwähnt. Es hat sich von einem Scherz wie die Flucht vor der Schwiegermutter zu einer Kernfrage entwickelt.

Sie sind mit diesem Programm seit 2013 auf Tour, ist das richtig?

Zink Ja, aber das muss auch so sein. Betrachten Sie das mal vom Arbeitsaufwand her. Natürlich steckt in einem abendfüllenden Kabarettprogramm eine immense Arbeit. Dann muss es auch zwei Jahre halten.

Aber Sie aktualisieren es?

Zink Ja sicher. Man kann ja nicht an der Wirklichkeit vorbeischauen. Ich bin eine Unterhalterin, die in der Gegenwart lebt und mit Menschen in der Gegenwart spielt. Und dann bleibt es natürlich nicht aus, dass auch die Komödiantin, die ich bin, sich den Dingen zu stellen hat, die gerade dran sind.

Ich glaube, so kennt Sie auch das Publikum in Wermelskirchen?

Zink Das sollte es, ich bin schätzungsweise nächste Woche das vierte Mal in Wermelskirchen. Das Publikum in Wermelskirchen ist übrigens ein tolles Publikum.

Denken Sie eigentlich, dass Sie als Kabarettistin genau so gut wie ein Kabarettist ankommen?

Zink Manchmal wundere ich mich. Nach dem Programm bekomme ich manchmal von Besuchern das zweifelhafte Kompliment zu hören: "Ich wusste gar nicht, dass Frauen so gut Kabarett machen können." Natürlich gehen Frauen anders ran an Themen als Männer. Aber es ist nach wie vor so: Frauen müssen das Thema stets ein bisschen mehr aufpeppen, und als Frau darfst du zwar nicht blöd sein, aber wenn du was richtig Schlaues sagst, bringst du die Leute durcheinander.

Irgendjemand nannte sie mal "Die Grande Dame des Kabaretts". Steht Ihnen dieser Titel?

Zink Ich weiß nicht, ob mir damit ein Gefallen getan wird. Es gibt Leute, die ins Bildungsbürgerliche verliebt sind, die finden das toll. Alle anderen denken dabei an Oma. Ich bin jemand, der in der unterhaltenden komödiantischen Tradition steht. Ich habe immer die moderne, selbstständig handelnde Frau verkörpert, die sich um ihr eigenes Geld kümmert und die auch selbstbestimmt ist, was ihr Liebesleben angeht. Und ich mache mir einen Spaß daraus, eine sexuell offensivere Rolle zu spielen. Das gefällt vielen Männern, und manche Frauen grinsen heimlich, weil sie genau merken, was ich da mache. Ob das eine Grande Dame ist, weiß ich nicht.

BERND GEISLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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