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Serie Traditionsberufe
Optiker sind Multitalente

Serie Traditionsberufe: Optiker sind Multitalente
Der Optiker muss handwerklich auch geschickt sein. FOTO: Moll
Wermelskirchen. Früher waren sie Brillenmacher, heute steht eine fundierte Sehberatung und eine sorgfältige Anpassung der Brillen für Optiker im Vordergrund. Von Andrea Könemund

Wermelskirchen Die Augen gehören zu unseren wichtigsten Sinnesorganen. Über die Hälfte aller Menschen sind fehlsichtig und tragen eine Brille oder Kontaktlinsen. Um die passgenaue Sehhilfe zu finden, ist der Beruf des Optikers aus unserer heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. "Die primäre Aufgabe des Optikers liegt darin, dem Kunden zur maximalen Sehfähigkeit zu verhelfen", sagt Andreas Madel, der als Meister seines Fachs seit über 30 Jahren in dieser Branche tätig ist.

Die Ansprüche an eine Brille seien in den letzten Jahrzehnten extrem gestiegen. Den Straßenverkehr bei Tempo 200 optimal im Auge behalten, Laptop, PC und Handy ohne Kopfschmerzen und brennende Augen bedienen können. "Heutzutage benötigt man für die verschiedensten Bereiche hoch spezialisierte Brillen."

Andreas Madel iast seit über 30 Jahrten in der Optikerbranche tätig. FOTO: Moll Jürgen

Dadurch habe sich auch das Aufgabenfeld des Optikers gewandelt. Während die Arbeit der früheren Brillenmacher fast ausschließlich handwerklich geprägt war, stehe heute eine fundierte Sehberatung und sorgfältige Anpassung der Brille im Vordergrund. "Mein Opa war noch ein richtiger Handwerker", erinnert sich Andreas Madel. Für die Herstellung seiner Goldbrillen sei er damals in Remscheid bekannt gewesen. Heute wären diese Brillen den meisten Kunden viel zu teuer. Deshalb liegt die Fertigung der Gestelle nicht mehr in den Händen des Optikers. Industriell hergestellte Fassungen werden über den Großhandel eingekauft. "Vieles hat sich in unserem Beruf verändert - auch die Brillengläser werden schon lange nicht mehr von Hand geschliffen."

Seit Anfang der 90er Jahre findet das "Programmierte Schleifen" per CNC-Technologie in den Werkstätten der Augenoptiker statt. "Ein Optiker muss Techniker, Physiker, Mathematiker und Kaufmann sein", weiß Madel aufgrund seiner langjährigen Erfahrung. In der dritten Generation führt der 47-Jährige das Familienunternehmen. Gemeinsam mit seinem 75-jährigen Vater, Rüdiger Madel, steht er sechs Tage in der Woche in seinem Ladenlokal. "Mir ist das Unternehmerleben in die Wiege gelegt worden", sagt der gebürtige Kölner, der seit 1973 in Wermelskirchen lebt. Damals kaufte sein Vater ein Haus in der Kölner Straße und eröffnete im unteren Bereich sein Brillengeschäft. Die Familie wohnte direkt über der Filiale. "Mein Laufstall stand praktisch im Ladenlokal." Als Kind interessierte sich Madel zwar für die Werkstatt, die Entscheidung in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, reifte jedoch erst nach seinem Fachabitur. Im Anschluss an seine dreijährige Ausbildung in Remscheid und der Gesellenzeit besuchte er eine private Meisterschule in Karlsruhe. Nach bestandener Prüfung arbeitete er viele Jahre als leitender Optikermeister in einer großen Filiale in Köln. "Ich habe während dieser Zeit über 20 junge Menschen ausgebildet, das reicht für drei Leben", sagt Madel und lacht.

Die Arbeit in einem großen Unternehmen koste oftmals sehr viel Nerven, sei aber auch vielseitig und lehrreich. "Ein guter Optiker sollte mehrere Jahre in der Werkstatt gearbeitet haben", rät der Experte für Brillenglastechnologie. Mit zwei linken Händen käme man auch heute in dem Beruf nicht weiter. Das Schleifen, Feilen, Nieten, Bohren und Schrauben müssten alle Lehrlinge erlernen. Bei der Anfertigung von rahmenlosen, sogenannten "Bohrbrillen", sei die präzise Handarbeit des Optikers noch gefragt. "Dafür ist ein hohes Maß an handwerklichem Geschick und viel Erfahrung notwendig."

Die Arbeit des Optikers sei zudem i immer beratungsintensiver geworden und setze heute mehr Wissen über die Anatomie des Auges voraus als früher. "Am Anfang einer Beratung steht immer die Anamnese", versichert Madel. Manche Kunden kämen mit Kopfschmerzen oder anderen Beschwerden, die von der Fehlsichtigkeit hervorgerufen werden können. Der Optiker muss dann entscheiden, ob er dem Betroffenen helfen kann oder ob zuerst ein Arzt aufgesucht werden sollte. Neben dem medizinischen Know-how gehöre auch sehr viel Einfühlungsvermögen dazu. "Auf jeden Fall sollte man ein Menschenfreund sein, wenn man sich für die Branche interessiert." Eine Vorliebe für die Naturwissenschaften sei ebenfalls unerlässlich, da der Optiker in erster Linie ein mathematisch-technischer Beruf ist, der das weite Feld der Physik mit einschließt.

Quelle: RP
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