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Philipp Wesemann
"Reise in die Partnerstadt lohnt immer"

Philipp Wesemann: "Reise in die Partnerstadt lohnt immer"
Beim Festwochenende zu "750 Jahre Forst" bekam Bürgermeister Philipp Wesemann eine Schultheiss-Kette als Zeichen seiner Würde "verpasst". Immer an seiner Seite: Forsts Repräsentantin, Rosenkönigin Stefanie I. (l) und Chris Ruhbach als Anna von Römer, Freifrau von Wizintal. FOTO: stephan Singer
Wermelskirchen. Das Stadtoberhaupt der Partnerstadt Forst gehört zu den drei jüngsten Bürgermeistern in Deutschland. Im Interview spricht er über die Forster Stadtentwicklung, die Flüchtlingsproblematik und Gemeinsamkeiten zu Wermelskirchen.

Herr Wesemann, welches Fazit ziehen Sie nach dem Festwochenende zum Stadtjubiläum für die Stadt Forst und für sich persönlich?

Wesemann Mit gut 70 000 Besuchern, darunter ja auch viele Gäste aus Wermelskirchen, kann man nur ein positives Resumée ziehen. Dazu kommen noch viele positive Rückmeldungen der Bürger, aber auch der vielen Gäste. Das macht mich sehr stolz.

Mit der Planung des Festwochenendes hat Forst groß gedacht und nicht zuletzt dank guten Wetters auch groß gewonnen - sehen Sie das auch so?

Wesemann Ich habe von vielen Gästen erfahren, dass sie so ein Festwochenende der Stadt Forst nie zugetraut hätten. Dies habe ich als Bürgermeister natürlich einem guten Team im Eigenbetrieb Kultur, Tourismus, Marketing und der Verwaltung zu verdanken.

Ein solches Fest verursacht eine Menge Kosten - worin sehen Sie den künftigen Mehr- und Nährwert einer solchen Feier für die Stadt?

Wesemann Wir haben uns gut präsentiert und gezeigt, dass wir eine lebendige Stadt sind. Ich bin mir sicher, dass viele Gäste von diesem Wochenende so begeistert waren, dass sie in den nächsten Jahren Forst noch mal besuchen werden.

Begeisterte Forster äußerten den Wunsch nach einer ähnlichen Veranstaltung einmal im Jahr - vielleicht vergleichbar mit der großen Kirmes inklusive Krammarkt in Wermelskirchen, wo sich die Wermelskirchener sich und ihre Stadt quasi selbst feiern. Wäre so etwas denkbar?

Wesemann Klar wäre ein solches Fest - natürlich im kleineren Rahmen - für die Zukunft wünschenswert. Jetzt kommt das große Aber: Es muss finanziert werden. Nichtsdestotrotz werden wir uns hinsetzen und uns diese Frage stellen.

Nach der Sommerpause folgt für Sie wieder das Alltagsgeschäft. Welche konkreten Aufgaben stehen auf Ihrer To-do-Liste?

Wesemann Moment! Zwar ist das Festwochenende vorbei, aber wir begehen weiterhin das Stadtjubiläum - und zwar mit Themenmonaten. Aber Sie haben Recht, natürlich geht es innerhalb der Verwaltung nun wieder weiter mit dem Alltagsgeschäft. In den nächsten Stadtverordnetenversammlungen werden wir das Thema Präventionsrat, die Möglichkeiten der Beteiligung der Kinder und Jugendlichen prüfen, und wir arbeiten intern an der Prüfung eines Ehrenamtspasses.

Was sind die Schwächen der Stadt Forst?

Wesemann Eine der größten Schwächen liegt in der Historie unserer Stadt. Wir haben im Prinzip immer noch mit den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges zu kämpfen und den darauf folgenden sozialistischen Wohnungsbau und dem damit einhergehenden Rückbau eines großen Teils der Altbausubstanz in der Innenstadt. Die Plattenbauten, die damals errichtet wurden, stehen heute zum großen Teil leer - wir kämpfen mit dem demografischen Wandel. Die Wohnungen, die wir zu viel haben, müssen wir rückbauen und uns dann über eine sinnvolle, angemessene und tragbare Nachnutzung der Flächen bemühen. Ein Konzept steht - allerdings ist es plötzlich umstritten. Dabei sehe ich diesen Stadtumbau auch als Chance für unsere Stadt. Wir haben damit neue Perspektiven und Alleinstellungsmerkmale.

Forst hat aber auch Stärken, oder?

Wesemann Definitiv. Die Stärke unserer Stadt spiegelt sich in der wunderschönen Landschaft wieder. Forst ist eine fabelhafte Stadt zum Wohnen - und zwar für jede Generation. Wir haben eine gute Kita- und Schullandschaft, wir haben herrliche Parkanlagen. Aber auch unsere Anbindung an die Autobahn 15, der Bahnanschluss und die Lage am Wachstumsmarkt Osteuropa ist eine Stärke, die wir für den Wettbewerb der Regionen um Investoren gut nutzen können.

Wie wollen Sie neue Einwohner nach Forst locken?

Wesemann Gerade in kleinen Städten wie Forst spürt man den demografischen Wandel. Durch den Verlust von vielen Arbeitsplätzen Anfang der 1990er Jahre waren viele Forster und gerade junge Menschen gezwungen, ihre Heimatstadt zu verlassen. Allerdings können wir in den vergangenen Jahren einen "Rückkehrer-Trend" erkennen. Das ist ein gutes Zeichen. Junge Familien wollen wieder zurück in ihre Heimat, um wieder näher bei den Eltern und Großeltern zu leben. Gleichwohl müssen wir natürlich dafür werben, dass Forst eine ideale Wohnstadt ist. Nicht jeder Jugendliche muss zu Ausbildungszwecken die Stadt verlassen. Unsere Unternehmen suchen händeringend nach Auszubildenden. Ein weiterer Aspekt, der leider viel zu kritisch betrachtet wird, ist die aktuelle Situation mit der Vielzahl an Flüchtlingen. Hier kommen hochqualifizierte Menschen in Forst an, die sich eine neue Existenz aufbauen möchten. Wir sollten diesen Menschen bei der Integration helfen.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie den Tourismus forcieren, was rufen Sie den Menschen in Wermelskirchen zu, um sie von einem Besuch in Forst zu überzeugen?

Wesemann Mit unserem Rosengarten und der wundervollen Landschaft ziehen wir bereits viele Touristen nach Forst. Gerade für Radtouristen ist die Lausitz ideal. Wir verfügen über ein gut ausgebautes Radwege-Netz. Wer also Landschaftskultur und Sport verbinden kann, ist hier genau richtig. Und ein Besuch in der Partnerstadt ist immer eine Reise wert.

STEPHAN SINGER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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