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Wermelskirchen
Saunagäste kämpfen um ihre Aufgüsse

Wermelskirchen: Saunagäste kämpfen um ihre Aufgüsse
Kübel und Schöpfkelle - das sind die beiden wichtigen Utensilien für einen Aufguss, der meist der krönende Abschluss der Saunagänge ist. Doch genau dieses Element wird in der Sauna im Quellenbad nicht mehr geboten - wegen eines personellen Engpasses. Die Saunagäste beklagen dies. FOTO: istockphoto
Wermelskirchen. Drei Sauna-Gruppen appellieren vereint an die Stadtverwaltung, die Qualität im Quellenbad zu erhalten. Sie würden dafür auch höhere Eintrittspreise bezahlen. Doch eine Lösung scheint aus Kostengründen nicht in Sicht. Von Theresa Demski

Die Empörung ist groß: Seit den Sommerferien verzichtet die Stadt in der Sauna des Quellenbades auf die Aufgüsse - weil das Personal dafür fehle. "Aber eine Sauna ohne Aufgüsse ergibt keinen Sinn", hatte Charlotte Jörgens von den "Dienstagsfrauen" in einem Brief an diese Zeitung bereits bekundet (wir berichteten). Nun appellieren auch Vertreter anderer Gruppen an die Stadt, die Aufgüsse wieder zu ermöglichen und der Sauna so noch eine Chance zu geben. Der Ton wird dabei rauer, die Vorwürfe gegenüber der Stadt deutlicher und Lösungsvorschläge werden in den Raum gestellt.

"Diese Sauna ist wichtig für uns", betont Margit Stolze, die bisher jeden Freitag den Tag mit ihrer Gruppe in der Sauna verbrachte. Auch für viele Menschen mit Behinderung sei die Gruppe ein wertvoller Anlaufpunkt gewesen, sagt sie. Inzwischen sei von den rund 30 Teilnehmern kaum noch jemand übrig geblieben, sagt sie. Auch die Besucher, die traditionell am Freitagabend in die Sauna kommen, werden weniger, erklärt Wilfried Manthei. Weil die Aufgüsse fehlen. Eine ähnliche Entwicklung haben auch Ralf Gogolin und Janine Bauditz von der Mittwochsgruppe beobachtet: Die Besucher bleiben weg. Und das schade am Ende auch der Gastronomie der Lebenshilfe. Dafür werde es in der Hückeswagener Sauna immer voller, berichtet Margit Stolze. Da heiße es inzwischen schon: Die Wermelskirchener kommen.

"Warum bekommen andere Städte das viel besser hin als unsere Stadt?" fragen die Saunagäste und loben den Service in den Nachbarstädten, der weit über Aufgüsse hinausgehe. Da entstehe doch der Eindruck, die Stadt Wermelskirchen habe gar kein Interesse am Erhalt ihrer Sauna.

"Alle Schwimmmeister wurden geschult, dafür wurde richtig investiert", erinnert auch Helmut Hackländer, "und jetzt will es keiner mehr machen." Dazu kämen "unmögliche" Öffnungszeiten von Bad und Sauna.

Den Vorwurf allerdings will Andreas Voß vom Amt für Jugend, Bildung und Sport so nicht auf der Stadt sitzen lassen: "Natürlich liegt uns etwas an unserem Quellenbad und der Sauna. Das ist uns wichtig", sagt er auf Nachfrage unserer Redaktion. Aber die Rahmenbedingungen ließen nichts anderes zu. Und damit meint er das Haushaltssicherungskonzept, das freiwillige Leistungen stark einschränkt. Und weil in erster Linie die Aufsicht in der Schwimmhalle gewährleistet werden müsse, bleibe nun keine Zeit für Aufgüsse. "Aber es ist uns wichtig, die Sauna offen zu halten", sagt er.

Allerdings würden Quellenbad und Sauna auf lange Sicht zugunsten eines Hallenbad-Neubaus (im Eifgen) geschlossen. "Also können wir jetzt natürlich nicht groß in eine neue Saunalandschaft investieren", sagt Voß. Dafür gebe es auch gar keine finanziellen Möglichkeiten.

Die Saunagruppen bringen indes zwei Lösungs-Vorschläge ins Spiel. "Wir haben der Stadt schon angeboten, die Aufgüsse selber zu machen", berichtet Janine Bauditz. "Wir wollen kein Schicki-Micki und keinen Schnick-Schnack. Unsere Sauna hat alles, was wir brauchen", sagt sie, "und wir scheuen uns nicht vor Eigenleistung."

Diese Möglichkeit habe die Stadt auch geprüft, sagt Voß. Es habe sich aber herausgestellt: Aus versicherungstechnischen Gründen sei es nicht möglich, dass Besucher selbst für die Aufgüsse sorgen. "Wir würden das gerne machen", sagt Voß, "aber am Ende haftet die Stadt für alle Verletzungen oder Verbrennungen."

Das haben die Saunagäste inzwischen akzeptiert und schlagen die Erhöhung des Eintrittspreises vor: "Von diesem Geld könnte die Stadt dann jemanden einstellen, der sich um die Aufgüsse kümmert", sagt Margit Stolze. Dieser Vorschlag sei ihm neu, erklärt Andreas Voß und müsse durchkalkuliert werden. "Am Ende müssen wir aber jede Neueinstellung gegenüber der Kommunalaufsicht rechtfertigen", erklärt er, "das muss sich also wirtschaftlich darstellen lassen." Und dafür sieht er aktuell wenig Raum.

Quelle: RP
 
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