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Hajo Mans
"Schauspieler und Zuschauer leiden richtig mit"

Wermelskirchen. Hajo Mans zeigt am Donnerstag, 20. Oktober, 20 Uhr, im Film-Eck das Solostück "Der Kontrabass". Dabei wird das Publikum in die Handlung integriert.

Herr Mans, Patrick Süskind hat das Buch "Der Kontrabass" geschrieben. Entspricht das gleichnamige Theaterstück diesem Buch?

Mans Weitgehend ja. Das Buch ist nur 90 Seiten dick und enthält bereits einige Bühnenanweisungen. Das Buch ist 1981 veröffentlicht worden. Meine Regisseurin Rena Zieger und ich haben lediglich Zeitbezüge wie VW Polo statt VW Käfer und Namen von Politikern an die Gegenwart angepasst. Ansonsten ist der Orchesterbetrieb, wie ich ihn als Bühnenfigur beschreibe, noch genau so wie vor 35 Jahren.

Spielen Sie das Stück gerne?

Mans Oh ja, es ist ein Super-Stück mit so vielen Facetten. Es ist für einen Schauspieler das Beste, was er sich wünschen kann. Es geht ständig auf und ab. Man ist stark emotional eingebunden. Man leidet richtig mit - und die Zuschauer natürlich auch.

Sind 90 Minuten alleine auf der Bühne für Sie eine Herausforderung?

Mans Auf jeden Fall. Ein Riesenvolumen an Text ist zu bewältigen. Es gibt wenig textlose Zeit. Ich spiele zwar insgesamt sieben Minuten Musikstücke von CD an oder live auf dem Kontrabass, aber der Rest ist Monolog.

Wann haben Sie damit begonnen, sich das Stück anzueignen?

Mans Im November 2014. Es hat rund zwei Wochen gedauert, dann war ich mit dem Stück infiziert. Es hat mich nicht mehr losgelassen. Seit Frühjahr 2015 habe ich das Stück rund 20 Mal gespielt.

Und wie steht's mit Handlung aus?

Mans Ich sitze nicht nur auf dem Hocker und erzähle. Wir haben eine abwechslungsreiche Choreographie entwickelt, damit etwas auf der Bühne passiert. Ich ziehe mich auch komplett um. Ich komme zuerst rein mit Badeschlappen, Jogginghose und Unterhemd und wundere mich über das Publikum.

Das klingt spannend ...

Mans Ist es auch. Das ist ein interaktives Stück. Die Leute werden zu Besuchern in meinem Akustikzimmer, und ich spreche sie auch an. Ein Beispiel: Ich spiele ein Musikstück an und rufe dann ins Publikum: "War das schön?" Und manchmal antwortet sogar einer. Im Laufe des Auftritts erzähle ich, dass ich heute Abend einen Auftritt mit Orchester habe. Während ich das erzähle, ziehe ich mich allmählich für diesen Auftritt um. Und bügele dabei auch mein Hemd. Das ist ein schöner, lustiger Teil. Am Ende stehe ich mit schwarzem Anzug und Fliege dar.

Können Sie nicht nur bügeln, sondern auch Kontrabass spielen?

Mans Nicht viel. Ich habe mir einen Kontrabass gekauft und mir etwas angeeignet. Ich kann zum Beispiel den Anfang des Forellenquintetts spielen.

Was für ein Typ ist dieser Kontrabassspieler?

Mans Er hat sich in seinem Akustikzimmer eine Parallelwelt aufgebaut, trinkt permanent Bier, redet das aber klein. Eigentlich ist er ein Riesen-Verlierer, zu Anfang aber ein richtiger Großkotz. Er glaubt, er sei der wichtigste Mann im Orchester. Aber das kippt. Und dann lässt er sich darüber aus, was der Kontrabass eigentlich für ein Scheißinstrument ist. Er ist verliebt in Sarah, die Mezzosopranistin. Aber die beachtet ihn nicht.

Wie kommt das Stück an?

Mans Mit der Zeit fiebern die Leute richtig mit und wollen wissen, wie es ausgeht. Sie leiden mit mir und lachen auch. Ich lache nicht, aber die Leute lachen darüber, was ich so von mir gebe. Sie gehen feixend nach Hause. Ein Stück für Herz und Sinn.

Wie lange spielen Sie schon Theater?

Mans Ich bin 49 Jahre alt, arbeite seit etwa zehn Jahren für Film und Fernsehen und spiele seit fünf Jahren Theater. Meine Grundausbildung habe ich in der Theaterschule Aachen absolviert. Nebenbei engagiere ich mich ehrenamtlich in einer inklusiven Theatergruppe, in der Menschen mit und ohne Behinderung zusammen auf der Bühne stehen.

BERND GEISLER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Tickets Peter Scheben: Tel. 02193 2694, E-Mail: pscheben@web.de

Quelle: RP
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