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Wermelskirchen
Schmackhafte Kräuter wachsen am Weg

Wermelskirchen. Mit der Kräuterpädagogin Sandra Blaschke unterwegs im Eifgental. Viele genießbare Gewächse werden als Unkraut empfunden. Sie können aber sehr wohl in der heimischen Küche für so manchen schmackhaften Akzent sorgen. Von Stephan Singer

Aus der Perspektive der Natur gibt es kein Unkraut, sondern bestenfalls Pflanzen, die sich als Kraut bezeichnen lassen. Dass Löwenzahn oder Brennnessel bei eifrigen Gärtnern eher ungeliebte Vertreter dieser Gewächse sind, sich aber nichtsdestotrotz hervorragend zum Verzehr eignen, ist inzwischen landläufig bekannt.

In unserer bergischen Region wächst jedoch in Wald und Flur noch viel mehr, was sich in der heimischen Küche schmackhaft nutzen lässt - wild gewachsene Kräuter sowie Pflanzen sind aromatisch und gesund. Die BM-Redaktion hat sich mit der Kräuterpädagogin Sandra Blaschke auf eine dreistündige Wanderung durch das Eifgental begeben und einige Beispiele von den genießbaren Gewächsen zusammengestellt, die beim sonntäglichen Spaziergang oft achtungslos am Wegesrand passiert werden.

Eberesche Weiße Blüten, leuchtend rote Beeren ab September. Ist nicht giftig, aber wegen vieler Gerbstoffe auch nicht wohlschmeckend. Die Beeren enthalten viel Vitamin C. Ein Verzehr ist möglich, nachdem die Beeren drei Monate eingefroren waren. "Sie lassen sich mit Äpfeln und Zwetschgen zu einem Mus kochen, der gut mit Wild oder Camembert schmeckt. Oder man gießt die Beeren mit Wodka auf und erhält dann einen Vogelbeeren-Likör", berichtet Sandra Blaschke.

Sauerklee schmeckt wegen des hohen Gehalts an Oxalsäure säuerlich. Ähnlich ist Sauerampfer. Die Blüten geben jedem Salat ein außergewöhnliches Aroma.

Buche Frischgewachsene, hellgrüne Buchenblätter haben einen leicht säuerlichen Geschmack. Sie schmecken im Salat oder in einem gefülltem Brie-Käse.

Fichte Die frischen Triebe (Maiwuchs) der Fichte eignen sich zur Verfeinerung eines Salats oder zum Einrühren in einen selbst gemachten Kräuterquark. Sie schmecken erfrischend säuerlich. "Man kann sie zum Verzehr auch in heiße Schokolade dippen", sagt Blaschke.

Gundermann Auch hier empfiehlt die Kräuterpädagogin eine Kombination mit Schokolade, dazu die Blätter mit Zartbitterschokolade bepinseln - "aufwendig, aber lecker und gesund."

Knoblauchrauke Wächst zurzeit an "allen Ecken und Enden" (Sandra Blaschke). Die anfangs abgerundeten und später spitzen Blätter haben einen scharf-bitteren Geschmack, der an Schnittlauch, Knoblauch und Zwiebel erinnert. Das passt in einen Salat oder zu einem Brotaufstrich wie Knoblauchrauken-Butter. "Ab etwa Ende August trägt die Knoblauchrauke kleine Schoten mit Samen darin. Vermengt man die gemörserten Samen mit Salz erhält man ein tolles Gewürz."

Scharbockskraut Ist eine reichhaltige "Bombe an Vitamin C und Mineralstoffen" (Blaschke). Nicht mehr ab der Blüte verzehren. Scharbockskraut wächst sehr früh im Jahr, meist schon im Februar und ist dann auch am besten zum Verzehr geeignet. Damit lässt sich ein Salat verfeinern.

Holunder Die Beeren nicht roh verzehren, lecker sind sie eingekocht als Marmelade. Aus den Blüten lässt sich ein effektives Lippenbalsam herstellen: Die Blüten in ein ausrangiertes Kirschgläser mit Öl begießen. Das Glas täglich schütteln und darauf achten, dass die Blüten stets vollständig mit Öl bedeckt sind.

Mädesüß Ist ein alt-bergisches Gewächs mit typisch rötlichen Stengeln und weißer Blütenpracht im Hochsommer (Juli). Mit den Mädesüßblüten lässt sich ausgezeichnet eine selbst gemachte Sahne aromatisieren. Früher haben sich Imker mit Mädesüßblüten eingerieben, um wandernde Bienenstöcke anzulocken. Ein Mädesüßtee hilft lindernd bei Kopfschmerzen.

Giersch wurde früher Podagrakraut genannt. Ist im Garten wegen hartnäckiger und dramatischer Vermehrung lästig. Lässt sich in der Küche vielseitig verwenden, der Geschmack erinnert an Möhren, während der Geschmack von Wiesenlabkraut mit Erbsenschoten vergleichbar ist.

Brennnessel "Mit Brennnesselblättern lässt sich eine schmackhafte Quiche zubereiten. Zudem passen sie in jeden Smoothie", weiß Sandra Blaschke. Dazu immer nur die oberen Triebe der Pflanze zupfen. Die Brennnesselsamen passen zum Beispiel hervorragend in einen Frischkäse.

Löwenzahn Wird gerne "Ginseng des Westens" genannt, enthält reichlich Vitamin C und Mineralstoffe. Beispielsweise lassen sich getrocknete Löwenzahnwurzeln sehr gut mit Meersalz verreiben. Die Mixtur ergibt dann eine aromatische Würze für Tomate-Mozzarella-Basilikum.

Bärenklau Ist "vielseitig nutzbar und auch als ,bergischer Spargel' bekannt", erzählt Sandra Blaschke. Die Blätter passen gut in einen Salat oder ein Smoothie-Getränk. Mit einem Kupfertuch die Bärenklaustängel abreiben und dann andünsten - fertig ist der "Spargel". Nicht zu verwechseln mit dem giftigen Schierling. Kräuterpädagogin Sandra Blaschke nennt ein Sprichwort als Hilfestellung: "Ist der Stängel kantig-rau, handelt's sich um Bärenklau!" Und weiter: "Sind die Stängel fleckig und rund heißt es 'Finger weg'!"

Quelle: RP
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