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Leben & Lernen
Klassiker von Erich Kästner neu interpretiert

Wermelskirchen. Die Geschichten des großen Erich Kästner funktionieren auch viele Jahrzehnte, nachdem sie geschrieben wurden, noch ganz wunderbar. Das konnten die rund 60 Zuschauer am Freitagnachmittag in der Evangelischen Freikirchlichen Gemeinde in Dhünn nachprüfen, als die Theater-AG der Dhünntalschule den Kästner-Klassiker "Emil und die Detektive", der weiblichen Hauptdarstellerin Emma Benedix geschuldet, gegendert als "Emilia und die Detektive", auf die Bühne brachten. Das Besondere daran: Die Kinder hatten mit der Theaterpädagogin Susanne Heck ein Jahr lang die eigene Improvisation des Kinderbuchs in Text und Bühnenbild einstudiert. Möglich war das durch eine Förderung der NRW-Stiftung Kultur und Schule.

Die Geschichte um die kleine Emilia blieb dabei im großen und ganzen die gleiche, auch wenn sie in der Überarbeitung durch die Theater-AG einen modernen Schliff bekommen hatte: Emilia Tischbein, ein braves Mädchen, dessen Mutter viel Liebe, aber nur wenig Geld hat, fährt mit 150 Euro in der Tasche nach Berlin, um dort ihre Großmutter zu besuchen. Das Geld hatte sie der Mutter entwendet - aber nur, um dieser davon ein Geschenk zu kaufen. Prompt wird Emilia das Geld geklaut, als sie im Zug einschläft. Der Bösewicht ist indes schnell ausgemacht: Es war der fiese Max Grundeis, den Emilia fortan mit ihren neuen Freunden rund um die kecke Pony Hütchen quer durch Berlin verfolgt. Natürlich können die Kinder es dem Gauner am Ende wieder abnehmen und diesen der Polizei übergeben.

Man merkte der Inszenierung die Handschrift der erfahrenen Theaterlehrerin Heck an. Nicht nur hatten die Nachwuchsschauspieler ganz offensichtlich großen Spaß am Spiel, auch die Dramaturgie war hervorragend getaktet und fesselte die Zuschauer. So war etwa die Szene, als Emilia im Zugabteil einschlief und von Grundeis bestohlen wurde, großartig gelöst: Viel in Schwarz gekleidete Kinder spielten die Traumelemente nach. Etwa als Kühe die drei 50-Euro-Scheine verspeisten, oder "Lautsprecher" repetitiv die Haltestellen "Bahnhof Zoo" und "Friedrichstraße" ausriefen. Auch die immer wieder eingestreuten Musikstücke passten wunderbar dazu und ließen keine Langeweile aufkommen.

Dazu kam der pädagogische Effekt des Stückinhalts. Denn neben der Sensibilität für Geldsorgen, die sich in der Lebenssituation der Familie Tischbein zeigte, war das Schauspiel doch auch ein Lehrstück für Hilfsbereitschaft. Das zeigte sich besonders an Pony Hütchens Bande, die Emilia vorbehaltlos unterstützte. Am Ende war der Applaus laut und die Kinder strahlten vor Stolz um die Wette.

Wolfgang Weitzdörfer

Quelle: RP
 
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