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Wermelskirchen
Telegrafenstraße im Wandel der Zeit

Wermelskirchen: Telegrafenstraße im Wandel der Zeit
Claus Füllhase bereitet in diesen Tagen seine Ausstellung über die Telegrafenstraße vor. Sie ist ab Samstag geöffnet. FOTO: Hertgen, Nico (hn-)
Wermelskirchen. Hobbyhistoriker Claus Füllhase zeigt eine sehenswerte Ausstellung mit alten Fotos und Dokumenten. Er erinnert an Gebäude, die längst Neubauten gewichen sind. Er setzt sich für den Erhalt der ehemaligen Obdachlosenunterkunft ein. Von Walter Schubert

Claus Füllhase (70), Hobbyhistoriker aus Wermelskirchen, war wieder fleißig. Viele Fotos und Dokumente hat er zusammengetragen für seine aktuellen Ausstellung mit dem Schwerpunkt "Telegrafenstraße im Wandel der Zeit - von 1958 bis heute". "Natürlich ist es schade, wenn bergische Häuser abgerissen werden", sagt Füllhase, "aber man muss auch mit dem Vorurteil aufräumen, dass alles unter Denkmalschutz steht."

Direkt gegenüber dem Rathaus, im ehemaligen Imbiss ("bei Ali"), baut er seine Ausstellung auf. Und damit befindet er sich in einem historischen Gebäude. "Hier in diesem Haus begann Adolf Flöring 1889 mit seiner ersten Schuhfabrik", erklärt Füllhase. Auch dieses Haus wird einem Neubau weichen wie viel andere zuvor.

So wurde die ehemalige Ultramarinfabrik (Ecke Brückenweg/Telegrafenstraße) einige Zeit vom Kaufhaus Nickel als Verkaufsraum genutzt. Und bevor der Denkmalschutz reagierte, wurde dieses Haus in einer Nacht- und Nebelaktion 1970 abgerissen. Der ehemalige Park (heute Rathaus und Commerzbank) ist genauso verschwunden wie das Evangelische Gemeindehaus (heute Ärztehaus, Blumengeschäft und Imbiss). Das alte Amtsgericht und Rathaus gibt es nicht mehr, und viele kleine bergische Gebäude mit Geschäften mussten Neubauten weichen. Ein Zeitungsausschnitt belegt einen wunderbaren Nebeneffekt in dieser Zeit: In der Baugrube des Rathauses wurde im Winter Schlittschuh gelaufen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch alte Dokumente, Fotos und Postkarten, die bis 1894 zurückreichen. Zeitungsausschnitte aus den 1940er bis zu den 1970er Jahren zeigen, wie damals Weihnachten gefeiert wurde.

"Wo war was?" nennt Füllhase ein kleines Spiel. An einem Stadtplan von Wermelskirchen sollen 20 Fotos mit alten Gebäuden richtig zugeordnet werden.

Historisches liegt dem 70-Jährigen am Herzen. Es ärgert ihn heute noch, dass das kleine Büdchen vom Markt verschwunden ist. "Gott sei Dank hat es ja im Freilichtmuseum in Lindlar ein neues Zuhause bekommen", sagt Füllhase. Er berichtet, dass das Museum auch Interesse an dem kleinen Fachwerkhaus (ehemalige Obdachlosenunterkunft) an der Taubengasse hat. "Abzureißen, um vier Parkplätze zu schaffen, ist doch wohl ein schlechter Scherz", meint Füllhase. Er könnte sich dieses Gebäude - dann durchsaniert und restauriert als kleines bergisches Museumshaus - vorstellen, um dort verschiedene Ausstellungen zur Historie der Stadt und zur Rollen- und Schuhindustrie zu präsentieren. "Investoren wären da", sagt Füllhase. "Die Grünen haben einen Antrag zum Erhalt eingebracht, aber vonseiten der Stadt passiert ja nichts."

Claus Füllhase hat Bürgermeister Rainer Bleek zu seiner Ausstellung eingeladen. "Vielleicht kann ich ihn ja überzeugen, dass nicht alles abgerissen wird und Wermelskirchen nicht komplett seinen ursprünglichen bergischen Charakter verliert."

Ein Abstecher vom Weihnachtsmarkt zu dieser Ausstellung, die Füllhase ganz privat, ohne jegliche Unterstützung, zusammengestellt hat, lohnt sich auf jeden Fall.

Quelle: RP
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