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Wermelskirchen
Zeitzeugen erinnern sich an das Dhünntal

Wermelskirchen: Zeitzeugen erinnern sich an das Dhünntal
Die Autorin zeigte etliche interessante Bilder aus den früheren Hofschaften - hier Familie Robert am "Eulen Eck". FOTO: Sammlung Jendrischewski
Wermelskirchen. Es war einmal ein Tal, in dem gelebt und geliebt, gelitten und getrauert, gearbeitet und gesungen, gespielt und erzählt wurde. In diesem Prolog ihres Buches "Das Dhünntal - Menschen und Geschichten einer versunkenen Landschaft" beschreibt die Autorin Marita Jendrischewski prägnant treffend das Leben. Dieses Leben spielte sich in einer Landschaft ab, die die meisten von uns heute nicht mehr kennen: im Dhünntal, "versunken in den Wassermassen der Großen Dhünn-Talsperre" (Jendrischewski). Doch es gibt einige Zeitzeugen. Sie können (noch) von diesem Leben berichten. Von Bernd Geisler

Kein Wunder also, dass bei ihrer dritten Bilder- und Lesereise über die Menschen dieser versunkenen Gegend in der Gaststätte "Markt 57" in Dabringhausen auch diese Zeitzeugen zu Wort kamen. Der Raum platzte aus allen Nähten, als die Autorin mit Hilfe vieler einzigartiger Fotos die Besucher mitnahm auf eine Zeitreise über die Dhünntalstraße von Plätzmühle über Schirpen- und Kesselsdhünn, Königsspitze und Eiberg nach Doktorsdhünn und Eulen. Das sind die Bezeichnungen von Hofschaften, die kaum einer noch kennt.

Vorweg räumte die Autorin kurz mit einem Missverständnis auf: "Dhün" (mit einem "n") ist die offizielle Schreibweise und kein Schreibfehler der Hofschaft, die rund 300 Meter flussabwärts von Plätzmühle lag. "Eulen? Eiberg? Wo war das denn?" Solche und ähnliche Fragen stellten viele Besucher. Einige lächelten. Das waren etwa diejenigen, die ihre Hände hoben, als Jendrischewski anhand eines Fotos die Besucher im Saal fragte, wer schon einmal in der "Campinggaststätte Müller in Schirpendhünn" Gast gewesen war.

Da wurden Erinnerungen wach! Zum Beispiel an das in der Nähe gelegene Haus "Auf der Weide" bei Schaffeld. In einigen Geburtsurkunden ist dieses Haus als Geburtsort genannt. Das erweckt bei einem unbedarften Leser den Eindruck, diese Person sei mitten auf der Weide geboren worden. Diese Erläuterung trug erheblich zur ausgezeichneten Stimmung im Saal bei. Auch der Zuruf aus dem Saal "Da gab ett drei nette Weever" (Weiber)" führte zu großer Heiterkeit, als die Zeitreise mittlerweile in Eulen angekommen war. Höchst interessant, um so mehr, als diese Hofschaft bereits Ende der 1950er Jahre von der Landkarte verschwand - in der Kleinen Dhünn-Talsperre.

Auch der Postbus nach Eisenkaul weckte Erinnerungen. Er diente einigen in Königsspitze als Wecker: Jedes Mal, wenn er morgens um die Kurve bog, hupte der Fahrer: "Datt ich aus dem Bett ging, um ihn noch zu erwischen", sagte eine ehemalige Bewohnerin. Nach zwei Stunden äußerten sich viele der Zeitzeugen dankbar und bewundernd über die Fülle der Details aus dem Leben im Dhünntal, die die Autorin ans Licht brachte.

Nähere Informationen "Das Dhünntal - Menschen und Geschichten einer versunkenen Landschaft" von Marita Jendrischewski.

Quelle: RP
 
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