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Sommer-Interview Stefan Janosi (grüne)
"Zukunftsfähiges Verkehrskonzept fehlt"

Sommer-Interview Stefan Janosi (grüne): "Zukunftsfähiges Verkehrskonzept fehlt"
Als größten Flop sehen die Grünen den Abbruch des Verkehrsversuches auf der Telegrafenstraße. Auf dem Foto bauen geraden Dietmar Heider (links) und Hans-Gerd Schenk die Schilder ab. FOTO: Jürgen Moll (archiv)
Wermelskirchen. Die Hälfte der Wahlperiode ist vorbei, 2020 wird ein neuer Stadtrat gewählt. Anlass für uns, mit den Fraktionsvorsitzenden über die "erste Halbzeit" und die künftigen Herausforderungen in Wermelskirchen zu sprechen. Heute: Stefan Janosi (Grüne).

Nennen Sie die wichtigsten Projekte, die die Politik in den vergangenen knapp drei Jahren angestoßen hat.

Janosi Zwei Projekte ragen aktuell sicherlich heraus. Den Loches-Platz mit einem Lebensmittelvollsortimenter zu bebauen, und einen Jugendfreizeitpark an einem zentralen Platz im Stadtgebiet zu erstellen. Außerdem zu nennen ist hier der weitere Ausbau des ÖPNV, etwa mit dem Schnellbus nach Köln.

Warum diese Projekte?

Janosi Im Zentrum von Wermelskirchen fehlt eine umfangreiche Nahversorgung. Gerade mit Blick auf den demografischen Wandel ist dies für die zunehmende Anzahl älterer Menschen in der Innenstadt wichtig. Die nicht in Vereinen organisierten Jugendlichen wurden lange Jahre bei Investitionen vernachlässigt. Es fehlt ein Bereich, der sowohl sportliche Aktivitäten (Rollsport etc.) zulässt, und darüber hinaus auch als ungezwungener Treffpunkt dienen kann. Die Fläche bei Zenshäuschen liegt zentral, weist in der Nähe die notwendige Infrastruktur auf und ist für die Nutzer schnell zu erreichen.

Was sind die Ihrer Ansicht nach größten Flops seit der Wahl im September 2014?

Janosi Für mich steht an erster Stelle ganz klar der ohne Not abgebrochene Verkehrsversuch zur Verkehrsberuhigung in der Telegrafenstraße und damit die Verhinderung eines gegenläufigen Radverkehrs.

Warum?

Janosi Eine zukunftsfähige Verkehrspolitik für Wermelskirchen heißt, verschiedene Interessen zu berücksichtigen. Dazu gehören neben allen Verkehrsteilnehmern - Autofahrern, Radfahrern, Fußgängern - auch Anlieger und Unternehmer in der Innenstadt. Die Anlieger sowie die Passanten leiden unter der zunehmenden Verkehrsverdichtung in der Innenstadt. Die Einzelhändler könnten bei vermehrtem Radverkehr auch von einer erhöhten Frequenz an potenziellen Kunden profitieren. Der von Fachleuten vorgeschlagene Verkehrsversuch hätte allen Beteiligten gezeigt, ob eine spürbare Verbesserung mit den Maßnahmen zu erreichen gewesen wäre. Einen solchen, auf Monate angelegten Versuch, nach nur 14 Tagen ohne Not abzubrechen, hat den Steuerzahlern nicht nur unnötig Geld gekostet, sondern auch die Chance auf eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität zunichte gemacht.

Was läuft zurzeit gut in der Stadt?

Janosi Der Bau des Kunstrasenplatzes in Dabringhausen, auch durch die gute Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Dabringhauser Turnvereins. Außerdem die sehr gute Integration von Flüchtlingen in Wermelskirchen und der engagierte Einsatz von ehrenamtlichen Helfern, etwa von der Initiative "Willkommen in Wermelskirchen". Ebenfalls erwähnenswert ist der in diesem Zusammenhang notwendige Bau von neuen Wohnungen für Flüchtlinge und die Schaffung preiswerten Wohnraums für junge Familien, bei der die Verwaltung bis jetzt hervorragende Arbeit geleistet hat.

Und was läuft schlecht? Woran muss Ihrer Meinung nach noch gearbeitet werden?

Janosi Ein zukunftsfähiges Verkehrs- und Parkraumkonzept für die Innenstadt fehlt bisher völlig. Eine gleichmäßigere Belegung aller, auch bewirtschafteter Parkplätze muss optimiert werden. Zudem brauchen wir eine bessere Infrastruktur für Radfahrer durch mehr Radwege. Die neue Gestaltungssatzung für die Innenstadt muss nun zügig endgültig fertiggestellt und umgesetzt werden.

Was sind die größten Herausforderungen für Wermelskirchen in den kommenden Jahren?

Janosi Der notwendige Neubau der Sekundarschule und des Hallenbads. Diese Projekte werden in Kombination mit allen anderen geplanten und notwendigen Maßnahmen die Stadt an ihre finanzielle Belastungsgrenze treiben.

Wie beurteilen Sie die Arbeit von Bürgermeister Rainer Bleek?

Janosi Herrn Bleek kenne ich als offenen und kommunikativen Menschen. In diesem Sinne hat sich die Wahrnehmung gegenüber seinem Vorgänger verbessert. Rainer Bleek hat sich auch endlich dem Personalmangel in einigen Bereichen der Verwaltung angenommen. Auch wenn nicht alle Themen zu realisieren sind, bewegt sich Wermelskirchen unter Rainer Bleek als Bürgermeister in die richtige Richtung.

Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit im Stadtrat?

Janosi Bis auf wenige Ausnahmen kann ich bisher ein positives Fazit ziehen. Die Diskussionen in den Gremien verlaufen in der Regel konstruktiv. Trotz teilweise gravierender unterschiedlicher Positionen sehen die meisten im Stadtrat vertretenen Parteien das übergeordnete Ziel, sich gemeinsam für das Wohl der Bürger einzusetzen. Ausnehmen möchte ich davon die AfD, die es bisher nicht geschafft hat, konstruktive Impulse in die Kommunalpolitik hineinzutragen.

Ein Ausblick auf den Wahlabend im Herbst 2020: Wo sehen Sie dann Ihre Partei in Wermelskirchen?

Janosi Durch von uns ausgehende Projekte und Impulse, zum Beispiel Jugendfreizeitpark, moderne Verkehrskonzepte, klares Bekenntnis zur Sekundarschule und umweltpolitische Initiativen, hoffen wir auf eine rege Wahlbeteiligung und auf ein für die Grünen in Wermelskirchen gutes Ergebnis.

Zum Abschluss eine persönliche Frage: Haben Sie jetzt politische Sommerferien oder lassen die lokalen Themen Sie einfach nicht los?

Janosi Man muss auch mal vom politischen Tagesgeschäft Abstand gewinnen. Auch, um vielleicht neue Ideen zulassen zu können. Mit meiner Familie mache ich deshalb zwei Wochen Urlaub in Holland und freue mich auf die notwendige Ruhe und viele Kilometer mit dem Fahrrad.

SEBASTIAN RADERMACHER STELLTE DIE FRAGEN.

Quelle: RP
 
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