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Wermelskirchen
Zwei "Goldstücke" gehen in Pension

Wermelskirchen: Zwei "Goldstücke" gehen in Pension
Jürgen und Ursula Kamm haben mehr als drei Jahrzehnte das Leben vieler Schüler der Realschule mitgeprägt. Ihr letzter Arbeitstag ist am kommenden Freitag. FOTO: Peter Meuter
Wermelskirchen. Das Lehrerehepaar Ursula und Jürgen Kamm geht in den Ruhestand. Beide Pädagogen lernten sich an der Realschule kennen und lieben. Sie haben die Geschicke der Einrichtung mehr als die Hälfte der Zeit ihres Bestehens geprägt. Von Stephan Singer

Sie haben sich bei der Arbeit an der Städtischen Realschule in Wermelskirchen kennen und lieben gelernt. Nun blicken Ursula und Jürgen Kamm auf ein erfülltes Berufsleben mit mehr als 30 Jahren als Lehrer zurück. Ab dem 1. August sind die Eheleute offiziell im verdienten Ruhestand, ihr letzter Arbeitstag ist mit dem Beginn der Schulferien am kommenden Freitag. Dann wird der Abschied von der Schule und aus dem Berufsleben im Kreise der Kollegen und ehemaligen Kollegen gefeiert. Schulleiterin Birgit Sköries bezeichnet die Eheleute Kamm als "ihre Goldstücke".

Jürgen Kamm war zuletzt zweiter Konrektor der Realschule. Er und seine Frau begleiteten die auslaufende Realschule, die im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feierte, mehr als die Hälfte der Zeit ihres Bestehens - so viel steht heute bereits fest. "Wir waren uns in den ganzen Jahren immer eine gegenseitige Stütze. Uns hat es nie gestört, dass wir als Ehepaar an derselben Wirkungsstätte tätig", blickt Ursula Kamm im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Man habe viel gemeinsam gemacht. Der Gesprächspartner, der immer genau wusste, worum es geht, sei Bereicherung und Ausgleich zugleich gewesen, sagt Jürgen Kamm.

Der 63-Jährige kennt das Datum des Kennenlernens seiner Ehefrau (64 Jahre) genau: Als er 1980 seinen Dienst an der Realschule antrat, trafen sich die beiden Junglehrer am 1. September bei einer Konferenz: "Ursula quasselte unentwegt mit einer Kollegin und saß mir zufällig gegenüber. Da ist sie mir direkt aufgefallen, und dann hat sich unsere Liebe entwickelt."

Damals unterrichtete Ursula Kamm, die aus Leverkusen stammt, bereits seit zwei Jahren an der Wermelskirchener Realschule. Jürgen Kamm, der aus Pattscheid kam, lebte 1980 in Burscheid. Für beide Pädagogen war direkt klar: Wir heiraten, leben in Wermelskirchen und bleiben an der Realschule. Das Ja-Wort folgte im Dezember 1981, inzwischen hat das Ehepaar Kamm zwei erwachsene Söhne (einer davon übrigens ebenfalls Lehrer) und einen Enkel. "Wir haben genug zu tun", lacht Jürgen Kamm mit Blick auf die frei verfügbare Zeit im Ruhestand. Er und seine Frau teilen sich die Hobbys Lesen, Wandern, Fahrradfahren, Reisen, Tanzen sowie die Gartenarbeit. Die Vorfreude auf den Ruhestand sei groß, wenn sicherlich auch Wehmut spürbar gewesen sei, als er seinen Schrank in der Schule ausgeräumt habe. Ehefrau Ursula Kamm erzählt: "Als ich die letzte Unterschrift unter die letzten Korrekturen der arbeitsintensiven Englisch- und Französisch-Arbeiten gesetzt habe, freute ich mich, weil ich nie mehr korrigieren muss."

Die Arbeit mit den Schülern wird das Lehrer-Duo vermissen, da sind sich die Eheleute sicher, auch wenn es Schock-Ereignisse gegeben habe: So können sich die beiden Lehrer an den Suizid einer Schülerin genauso erinnern, wie an einen Schwelbrand auf der Schultoilette, der die Evakuierung der gesamten Schule nach sich zog. "Die Entscheidung, dass die Realschule auslaufen soll, war bedrohlich. Inzwischen sind wir froh, dass alle Kollegen adäquate Stellen gefunden haben", beschreibt Ursula Kamm.

Prägend für die Jahre ihrer Arbeit sei unter anderem der Schüleraustausch mit England gewesen, aus dem noch heute Kontakte geblieben seien, berichten die Eheleute, die die Spitzenjahre mit mehr als 1000 Schülern an der Realschule erlebt haben. Jürgen Kamm, der sich selbst als "strengen Lehrer" bezeichnet und Sozialwissenschaft, Erdkunde, Politik und Geschichte unterrichtete, engagierte sich stets für die Arbeit zur Berufswahlorientierung der Schüler: "Ich freue mich über Rückmeldungen. Zum Beispiel wenn plötzlich ein vermeintlich unscheinbarer Junge als Doktor der Chemie vor einem steht."

Ehemalige Schüler trifft das Ehepaar Kamm regelmäßig in der Stadt: "Wir bleiben hier und dem Geschehen in der Realschule sowie in Wermelskirchen verbunden."

Quelle: RP
 
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