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Wesel
Alte Schulordnung als Taktgeber

Wesel. Das Ensemble Convivium musicale Wesel aus engagierten Laienmusikern und Professionellen spielt Sonntag unter der Leitung von Dr. Guido Sold Stücke aus der Renaissance- und Reformationszeit. Von Hanne Buschmann

Dr. Guido Sold ist extra nach London gereist, um in der British Library ein unversehrt erhaltenes Exemplar der Schulordnung für den Musikunterricht an der "Schola christiana et reformata" zu Wesel einzusehen. Entworfen hat es Johannes van Bergeijk, Bergeiche in deutscher Sprache, latinisiert Joannes Oridryus, der 1572 zum Rektor jener Schule berufen wurde. Die Schulordnung gibt Auskunft darüber, was ihrerzeit an Musik komponiert, aufgeführt, verbreitet sowie in Mode war und deswegen gelehrt wurde.

Höchstinteressant, weil dieser niederrheinisch-klevische Teil im großen Ganzen der europäischen Renaissance- und Reformationszeit mitspielt - auch in der Stadt Wesel. Darauf hinweisen möchte Guido Sold, pensionierter Kardiologe des Evangelischen Krankenhauses Wesel, gerade jetzt zum 775. Jubiläumsjahr der Stadterhebung mit dem Konzert am Sonntag, 10. April, ab 17 Uhr in der Aula der Musik- und Kunstschule. Der Titel: "Insonderheit Josquin, Gombert, Clemens und Crequillon - Musik an der Schola christiana et reformata zu Wesel um das Jahr 1557". Es spielt das Convivium musicale Wesel auf Instrumenten der damaligen Zeit, orientiert an jener Aufführungspraxis.

Das ist ein Ensemble aus engagierten Laienmusikern und einigen Professionellen, Ende der 1990er Jahre gegründet, seither geleitet von Guido Sold. Es singt der englische Tenor Mick Swithinbank, Gründungsmitglied und seit 1996 Direktor von The Art of Music, die sich der Aufführung von Renaissance-Musik gewidmet hat. Der mehrfach begabte Arzt Guido Sold arbeitet in jeder Disziplin überaus gründlich. Mit einer umfangreichen Vortragsreihe an der Volkshochschule hat er seit März seine zum Teil neuen Such-Ergebnisse zur Musik vom Ende des Mittelalters bis zum Barock am Niederrhein, damals eingeschlossen die niederdeutsch sprechenden Niederlande, vorgestellt. Davon wird in seiner Moderation zum Konzert Wichtiges zu hören sein. Somit bekommt jeder Hörer einen Überblick, auch falls er die Vortragsreihe nicht besucht hat.

Josquin des Préz ist bis heute noch sehr bekannt. Nicolaas Gombert, Jacobus Clemens non Papa und Thomas Crecquillon gehören ebenso zu den bedeutenden Vertretern der Renaissance-Musik. Zu Werken dieser Meister gesellen sich noch einige Kompositionen von deren Zeitgenossen. Das Gesamtprogramm wird instrumental oder vocal dargeboten.

Übrigens taucht jener Schul-Rektor Oridryus 1542 als Rektor der Lateinschule zu Amersfoort, gleich hinter der heutigen Grenze bei Emmerich, auf. Er musste 1550 des Glaubens wegen sein Amt aufgeben. Von 1552 bis 1572 lehrte er an einem Gymnasium in Düsseldorf, danach bis 1584 in Wesel. Er war also ein Glaubensflüchtling. Seine Lebensgeschichte spielt somit in die Weseler Reformationsgeschichte hinein.

Aus Liebe zum Niederrhein und zur Heimat gewordenen Stadt Wesel folgt der Arzt Guido Sold vielen, besonders musikhistorischen auf Entdeckung wartenden Entwicklungslinien. Dafür sei ihm gedankt. Der Eintritt zum Konzert am Sonntag ist frei. Bei Gefallen zu spenden, wäre willkommen.

Quelle: RP
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