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Wesel
Der Daniel Düsentrieb von Wesel

Wesel: Der Daniel Düsentrieb von Wesel
Zülfikar Celik ist sich sicher: Mit seiner Erfindung vom Lautsprecher für die Herrentoilette wird der Gang aufs WC entspannter. FOTO: Ekkehart malz
Wesel. Zülfikar Celik ist Erfinder. Seine neuste Schöpfung ist ein Lautsprecher, der Wassergeräusche abspielt, und an öffentlichen Pissoirs befestigt wird. Damit soll Männern der Toilettengang erleichtert und Wasser gespart werden. Von Laura Ihme

Wenn Zülfikar Celik erst einmal begonnen hat, über seine Erfindungen zu sprechen, ist er fast nicht mehr zu bremsen. Immer wieder erläutert er dann, was er ausgetüftelt hat und wieso, wie seine Kreationen funktionieren und welche Probleme sie zu lösen vermögen.

Seit zehn Jahren ist der 46-Jährige freiberuflicher Erfinder, wie er sagt, hat schon mehrere Patente angemeldet und hofft damit, die Welt um ihn herum ein wenig einfacher zu machen - so wie mit seiner neusten Entwicklung: einem Lautsprecher für das Pissoir in öffentlichen Herren-Toiletten, das den Männern künftig den Gang aufs WC erleichtern soll.

"Es gibt da dieses eine Problem, das jeder Mann irgendwie kennt: Man steht vor dem Pissoir und weil noch andere Männer danebenstehen, will es nicht losgehen. Also geht man auf die normale Toilette und um die Blase in Gang zu bringen, betätigt man die Spülung, um das Wasser rauschen zu hören", sagt Celik. Genau das sei aber eine riesige Wasserverschwendung. "Wenn man davon ausgeht, dass es mindestens drei Millionen öffentliche Pissoirs gibt und dort mindestens einmal am Tag jemand aus diesem Grund völlig umsonst die Wasserspülung drückt, gehen täglich mehrere Millionen Liter verloren", überschlägt er.

Dieser Verschwendung und dem unbehaglichen Gefühl der Männer soll seine Erfindung ein Ende bereiten, indem das Wassergeräusch nun direkt ans Pissoir gebracht wird - und zwar per Lautsprecher. "Das soll immer das Wassergeräusch abspielen, wenn sich jemand vor die Toilette stellt", sagt Celik. Ausgelöst werden soll das Geräusch von einem Infrarot-Sensor, der gleichzeitig die normale Spülung auslöst. "Diese Sensoren, die die Toilette, ohne dass man sie berühren muss, spülen, gibt es ja schon seit einigen Jahren. Ein solcher Sensor für eine Toilette kostet mehr als 500 Euro. Meine Erfindung kostet etwa einen Euro. Wenn man also schon das Geld für einen Sensor ausgibt, kann man auch den Lautsprecher dazu noch anschaffen."

Celik zumindest ist von seiner Erfindung überzeugt. So sehr, dass er sie als Patent angemeldet hat. Unter der Nummer "DE 10 2014 002 400 A1" ist diese nun beim Deutschen Patent- und Markenamt gemeldet und keinem anderen als Celik ist es erlaubt, sie in dieser Form umzusetzen und zu vertreiben. 3000 Euro hat Celik dafür bezahlt, hinzu kommt eine Schutzgebühr, die er nun jedes Jahr zahlen muss. Der Toiletten-Lautsprecher ist bereits die dritte - etwas schräge - Erfindung, die Celik beim Patentamt angemeldet hat. Schon vor ein paar Jahren hat er ein Licht für die Autotür erfunden, das immer beim Öffnen der Tür blinken und somit vorbeifahrende Radfahrer warnen sollte.

"Für diese Erfindung kämpfe ich immer noch, denn da geht es schließlich um die Sicherheit, ja sogar um das Leben von Menschen", sagt der Weseler, der hauptberuflich als Taxifahrer arbeitet. Noch, berichtet er, habe er niemanden gefunden, der die Idee umsetzen wolle, "die Automobilindustrie und die Politik schicken mich hin und her", sagt er. So wollten Autohersteller seine Lampe erst dann einbauen, wenn die Politik es ihnen vorschreibe, die Politik dagegen verweise wiederum auf die Hersteller. "Ich bleibe da aber auf jeden Fall dran", sagt er und klingt kämpferisch.

Es ist eben nicht immer einfach, ein Erfinder zu sein. Vor ein paar Jahren hat Zülfikar Celik außerdem schon einmal eine Fernbedienung für einen Dämmerungsschalter für das Parklicht erfunden, um Unfälle zu vermeiden, wie er erklärt. Auch darauf hatte Celik ein Patent angemeldet, konnte aber irgendwann nicht mehr die Gebühr dafür bezahlen.

"Diese Erfindung habe ich sozusagen der Autoindustrie geschenkt", sagt er. Umgesetzt wurde seine Idee bislang allerdings nicht. Und auch für seine jüngste Erfindung hat sich noch kein Abnehmer gefunden. "Die großen Toilettenhersteller finden meine Idee zwar gut, sagen aber, dass sie nicht bekannt genug ist", sagt Celik. Er hofft nun, Hotel- und Gastronomieverbände für sein Anliegen gewinnen und die Idee vielleicht verkaufen zu können - auch wenn er über diesen Teil des Erfindens nicht so gerne spricht: "Denn es geht mir in erster Linie darum, den Alltag der Menschen zu verbessern."

Und so wird Zülfikar Celik wohl auch in Zukunft nicht aufhören zu tüfteln, nach der Arbeit über den Problemen des Alltags zu brüten, zu recherchieren und schließlich mit seinem Patentanwalt den Antrag für ein neues Patent auszufüllen. "Mein Anwalt kennt mich schon sehr gut. Wenn ich dorthin komme, freut er sich jedes Mal und bestätigt mich in meinen Ideen. Er findet es toll, dass ich für die Probleme des Alltags immer so einfache Lösungen finde", sagt Celik und ein bisschen Stolz schwingt in seiner Stimme mit.

Im Schnitt braucht er zwei bis drei Monate, um eine neue Idee zu entwickeln, derzeit tüftelt er an etwas Großem: Er sucht einen Weg, bei der Interaktion des Staates mit Hartz-IV-Empfängern Millionen zu sparen. "Jeder Empfänger bekommt zweimal im Jahr Post von der Arbeitsagentur. Das kostet gut drei Euro. Bei drei Millionen Arbeitslosen sind das fast zehn Millionen Euro, die man sparen und besser für sozialen Wohnungsbau ausgeben könnte", sagt er.

Celik hatte schon Kontakt mit dem Bund der Steuerzahler und will bald mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales über seine Idee sprechen. Und wer weiß, vielleicht wird die Idee ja umgesetzt. Oder die des Lautsprechers fürs WC. Oder die der Lampe fürs Auto. "Eines Tages zu sagen, dass etwas meine Erfindung ist, wäre das Größte", sagt Wesels Daniel Düsentrieb zum Abschied.

Quelle: RP
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