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Wie Geht's, Wesel?
Der Schulmurks von Wesel

Wesel. Eine Realschule und eine Hauptschule laufen aus. Jetzt muss in der Not eine zweite Realschule erweitert werden und Hauptschüler aufnehmen. Absurd! Niemand soll uns mehr was von Schulfrieden erzählen. Wer im Weseler Rat saß, der ahnt: Die Schulpolitik bleibt in Wesel ein Schlachtfeld der Ideologien.

Natürlich hatte jede Partei ein wenig Recht, und das ist ja das Verflixte an der Schuldebatte: Es gibt durchaus Argumente dafür, die Gesamtschule so auszubauen, dass sie wirklich die Universalschule ist. Das dreigliedrige Schulsystem mit einer auf den Beruf vorbereitenden Hauptschule hat sich andererseits auch mehr bewährt, als uns das die SPD jahrelang glauben lassen wollte. Im Weseler Rat kam es nun so, wie es kommen musste: Da prallten diese zwei Ideologiewelten aufeinander.

Man muss sich die Dramaturgie wirklich noch einmal im Zeitraffer vor Augen führen. 2014: Wesels Politik beschließt, beide Realschulen zweizügig laufen zu lassen. 2015 der nächste Beschluss: Eine Hauptschule und eine Realschule sollen auslaufen, die Gesamtschule wird gestärkt mit einem Standort in der Stadtmitte, als Konkurrenzveranstaltung zum Andreas-Vesalius-Gymnasium. Und jetzt das: In der gegenwärtigen Not - zu viele Schüler an der Realschule - muss nur zwei Jahre nach dem Auflösungsbeschluss viel Geld investiert werden, um die verbliebene Konrad-Duden-Realschule wieder auszubauen.

Die Weseler Politik befasst sich übrigens das ganze Jahr über mit so etwas wie Schulentwicklungsplanung. Die Schülerzahlen werden dabei mit den tatsächlichen Kapazitäten an den Schulen abgeglichen. Eine vorausschauende Planung scheinen die Politiker dort aber nicht zu üben, wenn für das Schuljahr 2018/2019, also in einem Jahr, schon wieder eine Behelfs-Pavillonlösung an der Konrad-Duden-Realschule reaktiviert werden muss. Etikettenschwindel ist es zudem, erst eine Hauptschule auslaufen zu lassen, um dann den Hauptschulabschluss doch möglich zu machen, nur eben an einer Realschule.

Am Ende ist es natürlich eine Geldfrage: Es ist eben ein Fehler, Schulen zu immer größeren Systemen zusammenzubasteln. Dieses Argument spricht übrigens auch gegen große Gesamtschulen. In kleinen Systemen lernt es sich besser. Das wissen Politiker, und handeln doch so oft wider besseres Wissens. Dorfgrundschulen werden nach und nach geschlossen, große weiterführende Schulapparate gebildet, weil es an Geld fehlt. Aber jede mittelgroße Kommune leistet sich den Luxus einer eigenen Verbraucherzentrale...

SPD-Politiker wie der Weseler Hilmar Schulz sprechen beim Ausbau der Gesamtschule gerne vom - Lieblingsvokabel der Schulpolitiker - "Elternwillen", der umgesetzt werden müsse. Mit Spannung darf man erwarten, wie Schulz diesen Elternwillen umzusetzen gedenkt, falls demnächst die Gymnasien wegen der Rückkehr zu G 9 an Zuspruch gewinnen. Auch CDU und FDP auf Landesebene verteidigen die Rückkehr zu G 9 ja mit dem Argument, dass man hier dem Elternwillen folge. Was haben die gleichen Parteien eigentlich gemacht, als sie in den Jahren 2004 und 2005 laut für die Einführung von G 8 in NRW plädierten? Den Elternwillen jedenfalls haben sie damals so explizit nicht abgefragt. Auch das lässt einen beim Thema Bildungspolitik resignieren: Dass CDU und FDP bisher zusammen noch nicht bewiesen haben, dass sie es besser hinbekommen. Wenn man in einem an der Schule sicher sein kann, dann darin, dass jeden Morgen die Große Pause kommt, irgendwann wieder eine Bildungsreform und kurz danach ein Ideologiestreit.

Der SPD-Politiker Hilmar Schulz war es übrigens, der im Weseler Rat in Richtung der CDU den Ideologievorwurf äußerte - kühl und sachlich, aber doch apodiktisch. Er selbst kann ja immerhin für sich in Anspruch nehmen, es mit den Ideologien nicht so genau zu nehmen, hat er doch schon mit vielen Parteien gekuschelt: seiner eigenen kleinen WWW-Splitterpartei, Piraten, Linken, jetzt mit der SPD. Die Grünen hatte er noch nicht - und dann bleibt eigentlich nur noch die CDU. Schulz für die CDU: Vielleicht wäre dann in Wesel endlich das hergestellt, was die Bildungslandschaft wirklich benötigt: Schulfrieden.

Noch eine Woche, dann wird endlich kommen, was im Moment sowohl dringender Schüler- als auch Elternwille ist: Große Ferien.

Haben Sie eine gute Zeit!

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Quelle: RP
 
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