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Schermbeck
Erinnerungen an den Dammer Bahnhof

Schermbeck: Erinnerungen an den Dammer Bahnhof
Nicht einmal 50 Jahre alt wurde der ehemalige Dammer Bahnhof. Kurz vor Weihnachten des Jahres 1954 wurde er abgerissen. FOTO: Scheffler
Schermbeck. Der Turmbauverein lädt für Sonntag, 2. Juli, 11 Uhr, zur Eröffnung einer Gedenkstätte an der Alten Landstraße ein. Von Helmut Scheffler

Vor 111 Jahren, am 1. Juli 1906, wurde an der Eisenbahnstrecke Haltern-Wesel-Venlo, ein Teilstück der Fernlinie Hamburg-Paris, eine Bahnhaltestelle namens "Damm/Lippe" eröffnet. An die Eröffnung dieses Bauwerkes, das die Dammer Bevölkerung seit jeher als "Bahnhof" bezeichnete, soll am Sonntag ab 11 Uhr erinnert werden. Dann treffen sich die Besucher an jener Stelle, wo der heutige Rad- und Wanderweg Schermbeck-Drevenack-Wesel die Alte Landstraße kreuzt und wo ein halbes Jahrhundert lang der Dammer Bahnhof stand.

Über die alte Bahnanlage ist im wahrsten Sinne des Wortes längst Gras gewachsen. Durch einen Zufall fand der Dammer Malermeister Heinz Neu, der in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs wohnt, einen alten Steinbrocken, der sich im Rahmen intensiver Nachforschungen als der alte Hektometerstein mit der Aufschrift 28,9 entpuppte. Dieser Stein stand etwa 50 Meter östlich des Dammer Bahnhofs.

Heinz Neu und Walter Prumbohm, die die Erinnerungsstätte geplant und baulich umgesetzt haben, laden mit dem Turmverein Damm zur feierlichen Eröffnung ein.

Eine Geschichtstafel erinnert an den Bau und die Entwicklung der Cöln-Mindener-Eisenbahnlinie, die auch durch Damm führte. Einen Nutzen hatten die Dammer aber lange Zeit überhaupt nicht von der Bahn, weil die Züge hier nicht hielten. Erst 1902 begannen die gemeinsamen Bemühungen der Dammer und Gartroper Gemeinderäte um einen Dammer Bahnhof. Ein jahrelanger Rechtsstreit verzögerte die Errichtung eines Bahnhofs.

Wie der Bahnhof aussah, schilderten in den 1980er-Jahren mehrere Dammer und Drevenacker Bürger einem Dammer Heimatforscher. Danach gab es in dem Fachwerkgebäude zwei Räume. Der eine Raum diente als Warteraum, der andere für die Fahrkartenausgabe.

Acht Jahre nach dem Bau des Bahnhofs erwarb die Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung in Münster die erforderlichen Grundstücke zur Anlage eines zweiten Gleises. Für 1,20 Mark pro Quadratmeter trat der Maurermeister August Bußmann am 20. April 1914 die erforderlichen Parzellen an die Bahnverwaltung ab, auf denen das zweite Gleis so zügig angelegt wurde, dass schon Ende 1914 die ersten Artilleriezüge ohne Beeinträchtigung durch den Gegenverkehr in Richtung Wesel rollen konnten, vorbei am Dammer Bahnhof, wo damals August Binnenhey den Fahrkartenverkauf und die Streckensicherung übernommen hatte.

Ein Bahnhof im Ort ermöglichte den Bauern einen besseren Milchtransport. Vor dem Bau der Dammer Molkerei wurde die Milch am späten Abend kannenweise in Milchwagen verladen, die dem Personenzug um kurz vor 22 Uhr angehängt wurden und den Weg zur Milchverarbeitungsstelle Oberhausen antraten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof nur vergleichsweise leicht beschädigt. Um so mehr wurden im Februar 1945 die benachbarten Bauernhöfe und Häuser von Wortelkamp, Prumbohm, Neu, Bußmann und Frieda Benninghoff in Mitleidenschaft gezogen. Ein halbes Jahrhundert hindurch hat der Bahnhof das Leben der Bewohner in guten und schlimmen Tagen geprägt; dann haben ihn technische Neuentwicklungen überrollt. Schon 1950 plante die Eisenbahndirektion Münster, den Zugverkehr auf der Strecke Wesel-Haltern aufzugeben. Die Schließung des Dammer Haltepunktes war ein erster Schritt auf dem Weg der Umverlegung des Personenverkehrs von der Schiene auf die Straße. Bis zum Sommer 1954 wurden noch Fahrkarten in Damm verkauft. Kurz vor Weihnachten wurde das Gebäude dann abgerissen.

Alle interessierten Bürger sind willkommen. Es kann auch gegessen und getrunken werden.

Quelle: RP
 
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