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Wesel
Heiße Debatte um Gästehaus am Auesee

Wesel: Heiße Debatte um Gästehaus am Auesee
Im Internet ist das Jugendgästehaus am Alten Lippehafen, das sich nach Angaben der SPD "großer Beliebtheit erfreut", nicht leicht zu finden. Demnächst will der Kanuverband NRW das Otto-Vorberg-Haus aufgeben. FOTO: ekkehart Malz
Wesel. CDU widerspricht SPD-Kritik und hat herausgefunden, dass Otto-Vorberg-Haus am Alten Lippehafen aufgegeben wird. Von Klaus Nikolei

Der Wunsch der CDU, mit Hilfe privater Investoren am Auesee ein Jugendgästehaus (nach Vorbild der Xantener Jugendherberge) zu errichten, spaltet die Weseler Politik wie schon lange kein Thema mehr. Hinter dem Vorschlag der Christdemokraten stehen die FDP sowie grundsätzlich auch die Fraktion WWW/Piraten, für die das Gästehaus Teil eines (pädagogischen) Gesamtkonzeptes inklusive Naturlehrpfad sein sollte. Der ablehnenden Haltung der SPD (RP berichtete) haben sich gestern die Grünen und auch die Linken angeschlossen.

Auf die harsche Kritik von Ludger Hovest an die Adresse "der lieben Kollegen der CDU" ("Ein weiteres Haus im Bereich des Auesees ist überflüssig, da wir ein Jugendgästehaus am Alten Lippehafen haben"), reagierte gestern CDU-Fraktionschef Jürgen Linz betont gelassen. In einem Schreiben an "den lieben Herrn Hovest" bringt er süffisant seine "Verwunderung" zum Ausdruck, dass der Weseler Chef-Genosse ganz offensichtlich von falschen Tatsachen ausgeht. "Nach Rücksprache mit dem Geschäftsführer des Kanuverbandes NRW wird das Jugendgästehaus am Alten Lippehafen in absehbarer Zeit aufgegeben. Das Otto-Vorberg-Haus wird als kostengünstige Übernachtungsmöglichkeit demnächst also nicht mehr zur Verfügung stehen", hat Linz herausgefunden.

Außerdem hat er festgestellt, dass bei Recherchen über bekannte Suchmaschinen im Internet unter Jugendgästehaus beziehungsweise Jugendherberge Wesel immer an erster Stelle die Jugendherberge in Xanten genannt wird. Selbst auf der Homepage von Wesel Marketing findet sich kein Hinweis auf Übernachtungsmöglichkeiten im Otto-Vorberg-Haus. Linz geht deshalb davon aus, dass der von Hovest suggerierte "große Zulauf eher nicht den Tatsachen entspricht. Investoren", so Linz, "muss man begeistern und nicht durch ,Hau-drauf-Methoden' verschrecken". Diskussionen im Keim zu ersticken, diene einer Stadtentwicklung nicht. "Wir machen uns große Sorgen, dass sich Wesel auch bei diesem Thema erst auf den Weg macht, wenn der Zug abgefahren ist."

Dieser Meinung schließt sich grundsätzlich auch FDP-Fraktionschef Bernd Reuther an. Wobei er sich nicht auf einen einen konkreten Standort im Bereich der Aue festlegen möchte. "Grundsätzlich bin ich aber überzeugt, dass es Interessenten aus der Privatwirtschaft gibt, so ein Projekt zu realisieren." Dass Hovest die Jugendgästehaus-Pläne attackiert, verwundert Reuther vor dem Hintergrund, dass die SPD im Herbst 2009 eine Aue-Vereinbarung mit den den Grünen, der FDP und der UWW unterzeichnet hatte, in dem es wörtlich heißt: " Die Einrichtung eines Jugendgästehauses wird initiiert."

Doch offensichtlich haben SPD und Grüne ihre Meinung geändert. Jedenfalls erklärte Hovest gestern, "dass das alles nur eine Scheindiskussion ist. Ein Jugendgästehaus ist dort nicht genehmigungsfähig." Und Ulrich Gorris von den Grünen, damals übrigens nicht im Rat, meint: "So ein Projekt am Auesee kann ich mir nicht vorstellen. Dafür gibt es dort einfach zu viele Restriktionen." Die Stadt könne doch nach Alternativen im Bereich des Sporthafens, an der alten Rheinbrücke oder an der Lippe suchen.

Auch die Linken haben grundsätzlich nichts gegen ein Jugendgästehaus. Nur eben nicht am Auesee. "Das ist mal wieder einer der vielen hilflosen Angriffe auf den Auesee, ihn in die kommerzielle Richtung zu bringen", beklagt sich Fraktionschef Manfred Segerath.

Die Verwaltung will übrigens erst aktiv werden, wenn sie demnächst im Stadtentwicklungsausschuss einen entsprechenden Auftrag von der Politik erhalten sollte.

Quelle: RP
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