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Wesel
Mahnmal am Kriegsgefangenenlager wieder komplett

Wesel. Seit Dienstag zieren wieder zwei Kreuze das Mahnmal für das Kriegsgefangenlager im Büdericher Meerfeld. Ganz genau weiß es heute keiner mehr, aber mindestens seit 1988 wurde eine Steinmetzarbeit in der Form eines Eisernen Kreuzes vermisst. Das zerstörte beziehungsweise gestohlene Stück ist jetzt vom Heimatverein Büderich mit Unterstützung der Niederrheinischen Sparkasse Rhein-Lippe ersetzt worden. Entstanden ist es in der Werkstatt der Büdericher Firma Grabmale Tepaß, erklärte Peter Schmidt vom Heimatverein. Die Aktion geht auf Anregungen zurück, die 2015 zum Gedenken der Einrichtung des Lagers vor 70 und der Einweihung des Mahnmals vor 50 Jahren aufgekommen waren.

Die Anlage besteht nunmehr wieder aus seinen ursprünglichen Teilen. Das Eiserne Kreuz, dessen Form der preußische Baumeister Karl Friedrich Schinkel 1813 schuf, sitzt rechts außen auf einem Steinblock und soll den Krieg symbolisieren. Das gemauerte Rechteck des Mahnmals steht für das Lager, der Steinblock mit Inschrift als Altar der Opfer und ein großes Kreuz für Frieden und Hoffnung. Die Ereignisse, an die das Mahnmal erinnert, gehören zu den schrecklichsten des Jahres 1945 am Niederrhein. Der Zweite Weltkrieg war zwar vorbei. Doch ging der Kampf ums Überleben unter anderen Vorzeichen weiter. Auf blankem Acker spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Das Meerfeld war von den US-Amerikanern mit primitivsten Mitteln zu einem Lager umfunktioniert worden. 80.000 deutsche Soldaten vegetierten über Wochen ohne ein Dach über dem Kopf auf freiem Feld hinter Stacheldraht dahin. Nicht alle überlebten das. Karl van Husen war einer der letzten Zeitzeugen. "Wer in schlechter Verfassung war, hatte es schwerer", sagte er einmal der RP. "Wir hatten einen verhältnismäßig warmen Mai. Wenn es geregnet hatte, mussten wir natürlich mit einer Konservendose unsere Erdlöcher ausschöpfen, um es wieder etwas trockener zu haben. So war das eben. Wir lagen in den Löchern und hatten Kohldampf." Van Husen war 19, als er an der Elbe in US-amerikanische Gefangenschaft geriet. Ausgerechnet am Rand seines Heimatdorfes kam er hinter Stacheldraht.

(fws)
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