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Wesel
Mandelring-Quartett begeistert mit drei Kostbarkeiten

Wesel. Die Musiker spielten mit Disziplin und schier unglaublicher emotionaler Hingabe ein fantastisches Konzert. Von Hanne Buschmann

Das Mandelring-Quartett, das in der ganzen Welt für seine Arbeit hochgeschätzte Streichquartett, war am Freitagabend zu Gast im Weseler Bühnenhaus. Es begeisterte die Hörer mit den drei Kostbarkeiten, die sie zum Ende der vorhergehenden Saison aus 30 Vorschlägen des Ensembles auswählen durften. Eine Idee der hochbegabten Interpreten. Sebastian Schmidt (1. Violine), Nanette Schmidt (2. Violine), Andreas Willwohl (Viola) und Bernhard Schmidt (Violoncello) - die drei Schmidt sind Geschwister - spielten mit einer dem Werk geschuldeten Disziplin, zudem mit einer emotionalen Hingabe, die mitriss.

Zu Beginn Mozarts Streichquartett B-Dur KV 458, das sogenannte "Jagdquartett". "Es ist eine der schönsten Kompositionen für Streicher, im ersten Satz entwickelt aus einem Hornsignal", erklärte Sebastian Schmidt. Dieser "Kopf" des Ensembles gab auch später zu jedem Werk einige Hinweise, die das Verstehen erleichterten und zugleich eine Basis von Vertrautheit schuf, die Kammerkonzerten eigen ist. Nun zu Mozart. Ein frisches Halali klang im Allegro vivace assai auf und bestimmte auch weiterhin ein lebensfrohes Treiben, bevor in höfischer Eleganz das Menuetto schritt. Aber dann wurde im Adagio, einem der gedankentiefsten Sätze Mozarts, die Tragik in jeglichem menschlichen Leben tröstlich zart gesungen. Danach nahm sich wieder die sprühende Lebensenergie ihr Recht im Allegro assai.

Ravels Streichquartett F-Dur, das einzige Werk dieses französischen Komponisten für diese Besetzung, schuf ein tiefes Erlebnis von Licht und Farben im Raum. Zunächst mochte es an die rasch wahrgenommenen und hingefetzten Farbnuancen in den Bildern der Impressionisten erinnern. Ravel hat seine emotionale Augenlust jedoch mit seiner Ratio geläutert und geradezu architektonisch strukturiert. Das Licht und dessen Kinder, die Farben, explodierten auch ihm, aber er zeichnete das mit grafischer Klarheit: jede kleine Bewegung darin, ganze Flächen davon im Allegro moderato. Es machte staunen. Im zweiten Satz, Assez vif, steigerte eine ganz eigene Rhythmik den nahezu magischen Tanz der Farbklänge, die dann im Très lent-Satz den sphärischen Raum erfüllten. Vif et agité hieß es zum Schluss. Im 5/8-Takt entfesselte sich jauchzend die sprunghaft quirlige Energie.

Ein etwas ruhigeres Genießen, weil von Wiedererkennen begleitet, bescherte Dvoráks Streichquartett F-Dur op. 96, das "Amerikanische Quartett". In drei Tagen hat der Tonkünstler, angeregt von der Ursprünglichkeit indianischer und "eingewanderter" volkstümlicher europäischer Musik, seine Erfahrungen in der Weite der Neuen Welt als Klangsprache artikuliert. Tastend begannen die ersten beiden Sätze; danach das Molto vivace sprach vom Angekommensein, im Finale rauschte, raste alles klingend daher. Auch die Musiker, es hielt sie kaum auf ihren Plätzen.

Wow, hallte es lautlos durch den Saal. Endlich ruhiger atmen und sich nun laut applaudierend freuen! Danach ein wunderbarer Nachklang mit Dvoráks Walzer A-Dur. Was der Musikverein, federführend, und die Stadt bieten, ist fantastisch.

Quelle: RP
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