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Hamminkeln
Mehrhoog sucht kleinen Ausreißer

Hamminkeln: Mehrhoog sucht kleinen Ausreißer
In die Lebendfalle ist bisher nur eine Katze gegangen.
Hamminkeln. Am Sonntag ist in Mehrhoog ein dreijähriger Pinscher ausgebüxt. Der kleine Kerl mit dem hellbraunen, glatten Fell war mit seinen "Pflegeeltern" zu Besuch und ist aus dem Auto gesprungen. Sein Herrchen (80) weiß nichts vom Verschwinden. Auf facebook fiebern viele mit. Von Bernfried Paus

"Ich glaub's nicht – Mehrhoog im Ausnahmezustand", postet Jennifer gestern Morgen auf der facebook-Seite "Der verlorene Pinscher". Der Internet-Gruppe im sozialen Netzwerk haben sich bis gestern 361 Leute angeschlossen. Alle fiebern mit und tauschen Hinweise aus, die irgendwie auf den Aufenthaltsort des kleinen Pinschers hindeuten. "Gesucht wird Bennie, männlich, drei Jahre alt, kastriert" – So steht's auf dem Steckbrief, der seit Anfang der Wochen an Bäumen rund um die Kirche Heilig Kreuz hängt. Obwohl die Anteilnahme im Dorf groß ist und sich vor allem Hundehalter in die Suche eingeschaltet haben, ist der quirlige Vierbeiner weiter verschwunden – auch wenn er bereits mehrfach gesehen worden ist.

"Zuletzt ist er am Friedhof gesehen worden. Da haben ihn Leute sogar gestreichelt", berichtet Frank Dettmer (50) aus Gelsenkirchen. Der pensionierte Bergmann parkt seit Montag seinen schwarzen Chrysler-Kombi am Kirchplatz und koordiniert die Suche nach seinem entflohenen "Pflegehund". Bennie gehört einem 80-jährigen, alleinstehenden Mann aus Gladbeck. Weil der ins Krankenhaus musste und er seinen Liebling in der Verwandtschaft nicht unterbringen konnte, hat Versicherungskauffrau Anja Dettmer Bennie aufgenommen. Der alte Mann ist ihr Kunde.

"Wir haben ihm noch nicht erzählt, dass sein Hund verschwunden ist", so Frank Dettmer. Als die Dettmers Sonntag Freunde in Mehrhoog nahe der B 8 besucht haben, ist Bennie ausgebüxt. "Er ist einfach zwischen den Sitzen durch vorne aus dem Auto gesprungen, und weg war er", so der 50-Jährige. "Damit konnte keiner rechnen. Bis dahin ist er mir nicht von der Seite gewichen."

Seither läuft die Suchaktion, die über facebook täglich an Fahrt gewinnt. Marion Nöcker hat an der Halderner Straße mitbekommen, dass nach Bennie gefahndet wird. Das Frauchen eines Maltesers ahnt, was der Verlust des Pinschers für den alten Mann bedeutet. Sie hat sich im Dunkeln mit Taschenlampe und ihrem Hund auf die Suche gemacht. "Dienstag hab' ich ihn gesehen und gerufen. Doch Bennie ist abgehauen", erzählt die Frau, während Frank Dettmer einer älteren Dame sein Kärtchen gibt. Sie hat ihm erzählt, dass sie am Dorfrand wohnt, an einer Ziegenwiese, wo häufig Hunde streunen.

Die Lebendfalle im Gebüsch gegenüber dem Blumenladen, die mit Fleischwurst lockt, hat nur bei einer Katze zugeschnappt. Gestern hat sich ein professionell arbeitender Suchtrupp auf Bennies Fährte gemacht. Die Tierschützer Heike Hertger und Andreas Oymann aus Hünxe sind im Internet auf die Notlage aufmerksam geworden und haben Hilfe angeboten. Sie haben ihre Spürnasen Pia, ein tauber Windhund, den Appenzeller Sennenhund Max und den spanischen Windhund Nino dabei. Die stecken ihre empfindsamen Näschen in Bennies Körbchen-Kissen. Genutzt hat es nichts.

"Wir können nur warten, dass Bennie auftaucht und wir ihn zu packen kriegen", sagt Dettmer. Er setzt darauf, dass die Fan-Gemeinde in facebook wächst und so die Chance steigt, dass der alte Mann seinen Freund wiedersieht.

(RP/rl)
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