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Wesel
Skalpell, Schere, Tupfer!

Wesel: Skalpell, Schere, Tupfer!
Im Abschiedsraum im Keller des Krankenhauses erklärt Bestatter Martin Biesemann (l.), dass heutzutage sogar pinkfarbene Särge möglich sind. FOTO: Malz, Ekkehart (ema)
Wesel. 1000 Schüler informieren sich im Marien-Hospital über Krankenhausberufe - auch über jene, die nicht unbedingt populär sind. Von Oliver Burwig

Etwa einen Zentimeter dick sind die weißen Schläuche, durch die Lea Helmes die gebogene Nadel treibt. Die 15-Jährige Schülerin aus Rees greift sie mit einer spitzen Zange und sticht mit einer Drehung des Handgelenks durch die künstliche Arterie, die sie mit einer anderen verbinden will - eine Trockenübung für Bypass-Operationen. Gemeinsam mit Lea haben gestern 1000 Schüler aus 14 Schulen in Wesel und Umgebung das Marien-Hospital besucht, um eine praktische Einführung in 30 verschiedene Berufsbilder einer Klinik zu bekommen.

Jürgen Hinkelmann, Chefarzt der Gefäßchirurgie, freut sich, den Schülern nicht nur erzählen, sondern auch zeigen zu können, worum es bei seinem Beruf geht. "Dadurch können sie einen Blick über den Tellerrand werfen. Die Schüler sehen so, dass es hier nicht so spektakulär wie bei ,Emergency Room' zugeht, der Beruf des Chirurgen aber trotzdem reizvoll ist." Zudem sei es wichtig, zu vermitteln, dass der Arztberuf keine Halbtagsstelle ist. "Ganz oder gar nicht", sagt Hinkelmann.

Das sieht Seloa Liebrecht von der Kinderambulanz genauso. Sie stellt den Beruf des Medizinischen Fachangestellten (ehemals "Arzthelfer") vor. "Ich glaube, dass man schon so etwas wie ein Helfersyndrom braucht, um diesen Job zu machen." Da der Umgang mit Menschen im Mittelpunkt stehe, dürfe man nicht zu schüchtern sein. Ob sie dafür geeignet sind, stellen laut Liebrecht die meisten Azubis in der viermonatigen Probezeit fest.

Neben verschiedenen Pflege- und Heilberufen, Köchen und vielen weiteren war auch Krankenhauspsychologin Silke Dahl mit einem Stand vertreten und konnte bei der mittlerweile neunten Infobörse des Marien-Hospitals mit Vorurteilen über Krankenhausberufe aufräumen: "Ich will den Schülern nahebringen, dass wir nicht erst tätig werden, wenn ein Patient eine psychische Störung hat." Ihre Arbeit im Krankenhaus sei vielfältig und umfasse auch die Betreuung von Krebspatienten und psychologische Hilfe für Schmerzpatienten.

Auch Bestatterin Margit Keunecke betont, dass ihr Beruf viele zwischenmenschliche Kompetenzen erfordert. Denn wenn sie und ihre Mitarbeiter das Marien-Hospital besuchen, geht es nicht nur darum, Verstorbene abzuholen und für die Bestattung vorzubereiten: "Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist es, die Familie der Verstorbenen zu begleiten." Für diesen Beruf gebe es unter den Schülern, die sich bei der vom Rotary-Club Dinslaken-Wesel organisierten Infobörse über ihren Beruf informieren, vielversprechende Interessenten. "In jeder Gruppe sind es immer ein paar", sagt Keunecke. So auch Diana Antonova (16), die sich gemeinsam mit Laura Kiwitt (15), Michel Wiehger (14) und Alicia Weber (16) bei ihr informierte. "Ich interessiere mich dafür, mit Toten zu arbeiten. Für mich kommt der Beruf schon in Frage, ich habe mich aber noch nicht entschieden", sagt die Büdericherin.

Quelle: RP
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