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Martin Stroetzel
Ziegenkäse statt Schermbecker Endspiel

Martin Stroetzel: Ziegenkäse statt Schermbecker Endspiel
Martin Stroetzel FOTO: Büttner
Wesel. Der frühere Trainer des SV Schermbeck nennt Stärken und Schwächen von Westfalia Wickede, dem Gegner des SVS in der Entscheidungspartie um den Oberliga-Aufstieg. Einen Favoriten sieht Stroetzel nicht. "Die Chancen stehen fünfzig zu fünfzig."

Schermbeck (RP) Martin Stroetzel ist in diesen Tagen wieder ein gefragter Mann beim SV Schermbeck. Schließlich war der 49-Jährige, der den SVS einst von der Bezirks- bis in die Oberliga führte, in der vergangenen Saison Coach des DSC Wanne-Eickel. Und der DSC spielte in der Fußball-Westfalenliga in einer Gruppe mit Westfalia Wickede, das am Sonntag, 15 Uhr, in Recklinghausen der Gegner des SVS im Entscheidungsspiel um den Aufstieg in die Oberliga ist. Für Martin Stroetzel war es eine Selbstverständlichkeit, dass er dem aktuellen Schermbecker Trainer Christoph Schlebach, mit dem er seit Jahren gut befreundet ist, einige Tipps zu Stärken und Schwächen des Gegners gab.

Herr Stroetzel, wie geht es Ihnen so kurz nach dem Ende der Saison?

Martin Stroetzel Gut. Ich genieße die Ruhe nach der Saison und freue mich auf den Urlaub mit meiner Frau im Lechtal. Wandern, frische Kuhmilch trinken und Ziegenkäse essen.

War es ein komisches Gefühl, nach 15 Jahren in Schermbeck zu einem anderen Verein zum Training zu fahren?

Stroetzel Nein. Ich habe vor meiner Zeit in Schermbeck ja auch bei einigen anderen Vereinen gespielt.

Sie haben den DSC Wanne-Eickel vor zweieinhalb Jahren im Winter als Abstiegskandidaten in der Westfalenliga übernommen, mit 32 Punkten in der Rückrunde gerettet, einen Umbruch eingeleitet und die letzte Saison als Tabellenvierter abgeschlossen. Trotzdem wurde der Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen nicht verlängert. Warum?

Stroetzel Ein Verein braucht ein Ziel und einen klaren Weg dorthin. Diesen Weg muss man bis zu Ende gehen wollen. Zuletzt hatte ich nicht das Gefühl, dass das dort noch der Fall ist.

In der Meisterschaft haben sie zweimal gegen den Schermbecker Relegationsgegner Westfalia Wickede gespielt - zu Hause 1:0 gewonnen, auswärts 1:2 verloren. Was können sie über den SVS-Gegner sagen?

Stroetzel Sehr viel. Wickede ist eine gewachsene, ausgebuffte Mannschaft mit einer starken Offensive. Das Team hat in Tim Schrade einen großen, aber beweglichen Angreifer, der auch mit dem Ball umgehen kann. Wickede weiß um seine Möglichkeiten und entscheidet Spiele häufig erst sehr spät. Die Mannschaft hat ein gutes Flügelspiel und kann sehr schnelle Konter mit einstudierten Laufwegen fahren. Sie provoziert gerne Standards, weil sie auch dabei sehr gefährlich sind. Dazu zählen auch die sehr weiten Einwürfe.

Gibt es Schwächen?

Stroetzel Man muss die robuste Innenverteidigung in Bewegung bringen. Wenn sie einmal richtig steht, wird es schwer. Der SV Schermbeck hat aber mit seiner starken Offensive die Qualität, in den Rücken der Abwehr zu kommen.

Wickede spielt zu Hause ausschließlich und auswärts häufig auf Kunstrasen. Das Endspiel findet auf Naturrasen statt. Ist das ein Vorteil für den SVS?

Stroetzel Es sollte zumindest kein Nachteil sein.

Wie sehen sie die Chancen für den SVS?

Stroetzel Sie stehen fünfzig zu fünfzig.

Rechnen Sie in Recklinghausen mit vielen Zuschauern?

Stroetzel Am Sonntag gegen Coesfeld habe ich in Schermbeck schon wieder einige Leute im Trikot gesehen und auch im Ort merkt man, dass die Mannschaft wieder mehr angenommen wird. Wickede hat einen Fan-Club. Dort ist auch einiges los. Am Sonntag rechne ich deshalb mit 1500 bis 2000 Zuschauern.

Sie sind natürlich auch im Stadion, oder?

Stroetzel Leider nicht. Ich wandere dann schon in den Bergen. Aber ich drücke dem SV Schermbeck mit seinem Trainerteam natürlich die Daumen. Die Oberliga wäre für den Verein deutlich attraktiver als die Staffel eins der Westfalenliga. Ich denke, dass dort auch wieder mehr Zuschauer kommen würden.

Bei welchem Verein arbeiten Sie in der nächsten Saison?

Stroetzel Ich hatte zwei, drei Anfragen, doch es gibt nichts Konkretes. Ich habe es aber auch bei dem Thema nicht eilig.

Muss es für sie unbedingt Richtung Westfalen gehen?

Stroetzel Nein, das ist mir egal. Die Kinder sind erwachsen und ich bin mobil. Auch die Liga ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass alle im Club an einem Strang ziehen. Ich brauche in einem Verein Manpower - und dann gibt's Attacke.

Quelle: RP
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