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Schermbeck
Stardirigent spricht über Management

Schermbeck: Stardirigent spricht über Management
Von den etwa 120 Teilnehmern des Benefiz-Konzerts, organisiert vom Rotary-Club Lippe-Issel, wurde Musikprofessor Justus Frantz (stehend) im Landhotel Voshövel herzlich begrüßt. FOTO: Helmut Scheffler
Schermbeck. Mehr als 10.000 Euro kamen bei einem Besuch des berühmten Dirigenten Justus Frantz für die Gagu-Zwergenhilfe zusammen. Von Helmut Scheffler

Es war eine reizvolle Konstellation: Justus Frantz, berühmter Dirigent, redet über den Vergleich von Manager und dem Leiter eines Orchesters. Wo kann der Manager vom Dirigenten lernen? Etwa 120 Gäste beteiligten sich am Mittwoch an der Benefizveranstaltung des Rotary-Clubs Lippe-Issel im Landhotel Voshövel.

Musikprofessor Justus Frantz (73), der am Piano wie am Dirigentenstab eine gute Figur macht, wurde bekannt, als er 1986 das Schleswig-Holstein-Festival gründete, dessen Intendant er bis 1994 war. Mit einer Fülle von Konzerten in Schlössern und anderen historisch bedeutsamen Gebäuden trug er dazu bei, der breiten Bevölkerung klassische Musik näherzubringen. Frantz war 1989 Mitbegründer der "Deutsch-sowjetischen jungen Philharmonie" und 1995 Gründer der "Philharmonie der Nationen". Die Fernsehzuschauer lernten ihn durch die ZDF-Sendung "Achtung -Klassik" kennen. "Dirigenten sind echte Manager", stellte er im Hinblick auf die Übersetzung der lateinischen Wörter "Manus" und "agere" mit "Hände führen" eingangs in Schermbeck fest. Beim Aufzeigen von Parallelen zwischen Manager und Dirigenten machte Frantz deutlich, dass beide eine Gruppe von Menschen leiten. Beide müssen eine solche Überzeugungskraft ausstrahlen, dass sie andere Menschen begeistern können.

"Ein guter Dirigent kann mit mittelmäßigen Musikern Höhenflüge machen und ein gesunder Betrieb kann durch einen schlechten Manager ruiniert werden", sagte Frantz.

Anhand eines Exkurses in die Geschichte des Dirigierens machte Frantz einen Wandel im Führungsstil deutlich. Vom Generalmusikdirektor des 19. Jahrhunderts, der - wie der italienische Dirigent Arturo Toscanini - keinerlei Widersprüche duldete, bis hin zu Dirigenten wie Leonard Bernstein, der das Leitbild der demokratischen Bürgergesellschaft auf die Führung eines Orchesters übertrug, reichten die Beispiele für den Führungsmodus eines Orchesters.

"Kreativität und der Mut zum Risiko gehören zu beiden Berufen", stellte Frantz ebenso als ein gemeinsames Merkmal heraus wie die Fähigkeit, aus jedem einzelnen Mitglied der anvertrauten Gruppe die optimale Leistung herauszuholen und alle zu einem leistungsfähigen Team zusammenzufügen. "Alle Beteiligten müssen miteinander kommunizieren", nannte Frantz eine wichtige Maßnahme zum Erreichen von Erfolgen.

"Der Manager kann eine falsche Entscheidung korrigieren, der Dirigent kann einen falschen Ton des Orchesters nicht mehr einfangen", stellte Frantz als den wichtigsten Unterschied zwischen einem Manager und einem Dirigenten heraus.

Seinen Festvortrag beendete Justus Frantz am Flügel mit einem musikalischen Vortrag von Chopins "Schmetterlings-Etüde" und zweier Sätze aus Mozarts A-Dur-Sonate.

Für Gudrun Gerwien, Gabi Schmidt und Dieter Schmidt war es wie eine vorgezogenes Weihnachtsfest. Den Mitgliedern des Schermbecker Vereins Gagu-Zwergenhilfe wurde am Ende der Benefizveranstaltung im Saal des Landhotels Voshövel vom Rotary-Club Lippe-Issel ein fünfstelliger Geldbetrag überreicht.

Es ist üblich, dass ein neuer Präsident die Mitglieder des Rotary-Clubs für ein soziales Projekt motiviert. Dem neuen Präsidenten Helmut Ackmann liegt das Projekt der Gagu-Zwergenhilfe besonders am Herzen.

Die 2016 gegründete Schermbecker Gruppe betreut in Sierra Leone ein Kinderheim, unterstützt den Bau einer Schulerweiterung, baut Häuser für Ebola-Waisen und hat ein Ausbildungszentrum mit einem Näh- und einem Backhaus geschaffen. "Wir möchten bedürftigen Menschen vor Ort helfen", begründete Helmut Ackmann die Auswahl des sozialen Projektes und bescheinigte den Gagus: "Das ist eine tolle Leistung." Gleichzeitig kündigte er an, dass die Rotarier das Projekt längerfristig unterstützen wollen.

Quelle: RP
 
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