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Stadt Willich
Ärztehäuser: Vermarktung ist schwierig

Stadt Willich: Ärztehäuser: Vermarktung ist schwierig
An dieser Stelle, zwischen der Halle 18 und dem Casino im Stahlwerk Becker, soll das "Ambulatorium" gebaut werden. Ob es in der geplanten Form realisiert wird, ist nun aber fraglich. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. In Willich und in Anrath sind Facharztzentren geplant, doch der Baubeginn verzögert sich. Das Interesse der Ärzte, sich dort niederzulassen, ist geringer als erhofft. Womöglich gibt es jeweils nur eine "kleine Lösung". Von Marc Schütz

Eigentlich sollte es in nicht allzu ferner Zukunft in Willich und in Anrath jeweils ein neues Facharzt-Zentrum geben - als Ersatz für das 2014 geschlossene Katharinen-Hospital gewissermaßen. Doch beide Projekte sind erheblich ins Stocken geraten, drohen sogar, ganz oder teilweise zu platzen. Zum Einen geht es um das "Ambulatorium" an der Anrather Straße im Stahlwerk Becker, zum Anderen um ein Gebäude an der Schageshofstraße in Anrath.

Willichs Erster Beigeordneter und zugleich GSG-Geschäftsführer Willy Kerbusch ist sauer: Ursprünglich war geplant, mit den Arbeiten für das Ambulatorium im zweiten Quartal dieses Jahres zu beginnen, doch daraus wird wohl nichts. Laut Kerbusch ziehen sich die Verhandlungen mit "ein oder zwei Ärzten wie nasses Holz". Statt sich an einen Tisch zu setzen und über strittige Vertragsinhalte zu sprechen, sei lange nur über Anwälte kommuniziert worden.

Kerbusch ist jetzt der Kragen geplatzt, weswegen er eine Frist gesetzt hat: "Wir schieben das Projekt seit Monaten vor uns her, aber bisher haben wir nicht mal Verträge unterzeichnet. Wenn es bis Ende des Monats keine Einigung gibt, gibt es halt eine kleine Lösung", sagt der Geschäftsführer der städtischen Grundstücksgesellschaft (GSG). Dann würde es an der Anrather Straße nur ein Gebäude für ein paar Wohnungen, den Notarzt sowie ein kleines "Beobachtungs-Krankenhaus" mit einer Handvoll Betten geben, für die die Verhandlungen mit dem Allgemeinen Krankenhaus Viersen bereits weit gediehen sind.

Für diese Lösung würde das Grundstück, das sich im Besitz der GSG befindet, ausreichen. Für die "große Lösung" mit zusätzlichen Facharzt-Praxen, einer Apotheke und einem Sanitätshaus bräuchte man jedoch die angrenzenden Grundstücke der Firma Paschertz, die als Investor Interesse angemeldet hat. Kerbuschs Kritik richtet sich jedoch nicht an diese Firma, sondern an die Ärzte, die derzeit den Baubeginn verzögern. Ob sein Machtwort Wirkung zeigen wird, will Kerbusch nicht prophezeien: "Ich habe kein Gefühl, wie es ausgeht. Aber sie sollen durchaus merken, dass es mir ernst ist."

Einen gewaltigen Dämpfer gibt es auch für die Pläne des Krefelder Investors David Rolef, der an der Schageshofstraße in Anrath ein bestehendes Ärztehaus erweitern möchte, in dem unter anderem seit Längerem eine Frauenärztin, ein Zahnarzt, ein Orthopäde und ein Physiotherapeut arbeiten. Das Haus ist in die Jahre gekommen und müsste dringend saniert werden, weswegen Rolef es in einem Zug gern um weitere Praxen erweitern würde. "Anfangs hieß es, dass es durch die Schließung des Krankenhauses einen großen Bedarf für ein solches Projekt gebe", sagt Rolef. "Aber nun ist die Nachfrage seitens der Ärzte doch sehr gering. Wir überlegen, ob wir das weiter so umsetzen wollen oder statt der zusätzlichen Praxen Wohnungen bauen werden." Verstimmt ist Rolef, weil er nun gewissermaßen in Konkurrenz zu dem "städtischen Projekt" im Stahlwerk Becker steht. "Man wirbt um die gleichen Kunden. Es ist unglücklich, dass ein zweites Ärztehaus parallel gebaut werden soll. Ich hätte mir gewünscht, dass Herr Kerbusch das offener kommuniziert hätte", sagt Rolef. Dann wäre er dieses Projekt gar nicht erst angegangen.

Um es doch noch zu verwirklichen, hätte Rolef gern mindestens zwei weitere Ärzte für das Haus. Dann würde er anfangen zu bauen. Ideal wären für ihn ein Kinderarzt und ein Allgemeinmediziner. Gesprochen hat er unter anderem mit dem Anrather Internisten Dr. Henning Huth, der seine Praxis am Kirchplatz hat. Doch Huth steht einem Umzug kritisch gegenüber und bemängelt einige "Denkfehler", was die Ärztehäuser angeht.

"Die Schließung des Krankenhauses kann nicht durch ambulante Praxen kompensiert werden. In einer Praxis in einem Ärztehaus kann ein Arzt auch nichts anderes machen als in einer gewöhnlichen Praxis", sagt Huth. Zudem könnten im Prinzip nur Ärzte aus Willich, Neersen, Anrath oder Schiefbahn in die Facharztzentren ziehen, da die Anzahl der Praxissitze durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein begrenzt ist. In der Tat: Laut KV ist bei der allgemeinen fachärztlichen Versorgung, zu der die grundversorgenden Fachärzte wie HNO, Augen, Gynäkologen oder Orthopäden zählen, derzeit im gesamten Kreis Viersen nur ein Sitz frei. Bei den Hausärzten gibt es in der Stadt Willich derzeit ebenfalls nur noch einen freien Sitz.

Für Ärzte aus der Stadt Willich könne es ein Risiko sein, den Praxissitz zu wechseln, da es sein könne, dass nicht alle Patienten "mitziehen", so Huth weiter. Hinzu kämen hohe Investitionskosten für die neue Einrichtung und - zumindest im Fall des Anrather Ärztehauses - recht hohe Mieten. "Dieses Investment müsste erst wieder erwirtschaftet werden. Und das ist angesichts der Budgetierung im Gesundheitssystem nicht einfach", sagt Huth.

Quelle: RP
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