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Stadt Willich
Anrather Händler sehen Potenzial

Stadt Willich: Anrather Händler sehen Potenzial
FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Die Anrather Innenstadt ist belebt und beliebt. Doch drei Einzelhandels-Experten von IHK, Stadt und Werbering haben mögliche neue Käuferschichten ausgemacht: Pendler, die bisher am Ort vorbeifahren, und Hunderte Schüler. Von Marc Schütz

Viele Anrather identifizieren sich mit ihrem Heimatort. "Es ist auffällig, wie viele Autos einen Aufkleber mit der Anrather Silhouette auf dem Heck haben", sagt Andree Haack, Einzelhandelsexperte und Geschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Eine funktionierende "Dorfgemeinschaft" sei ideal für den Einzelhandel, sagt er. "Deswegen funktioniert's hier." Dem stimmen auch Citymanagerin Christel Holter und Thomas Helten, kommissarischer Vorsitzender der Anrather Werbegemeinschaft, zu. Die Händler in Anrath hätten recht wenig Grund zu jammern, sagen die Experten bei einem Rundgang mit der RP durch den belebten Ortskern.

Für Thomas Helten gibt es noch einen weiteren Faktor, der den Händlern zugutekommt: "Wir sind demografisch recht alt, wir haben also eine finanziell potente, nicht mehr so mobile Käuferschicht." Heißt: Ältere Menschen sind treue Kunden. Zwar sind nicht alle Geschäfte barrierefrei, doch draußen bleiben müssen Kunden mit Rollator oder Rollstuhl nicht: "Die Einzelhändler packen mit an", versichert Helten.

Der Ort biete aber durchaus noch einiges Potenzial, das die Händler abschöpfen könnten. Denn laut Thomas Helten fahren täglich rund 10.000 Autos an Anrath vorbei - aber die Wenigsten kommen zum Einkaufen in den Ort. "Diese Menschen müssen wir durch eine attraktive City anlocken." Entsprechende Schilder an den Straßen sollen dabei helfen. Um noch mehr Menschen nach Anrath zu ziehen, wäre laut Helten aber auch eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr nötig. "Viele aus den anderen Stadtteilen Willichs waren noch nie in Anrath", sagt Thomas Helten.

Der Werbering-Vorsitzende hat aber auch eine mögliche Käuferschicht ausgemacht, die schon vor Ort ist: "Durch Gesamtschule und Gymnasium haben wir fast täglich Hunderte junger Leute im Ort. Aber für die gibt es hier wenig Angebote. Das sind unsere Kunden von morgen, denen müssten wir eigentlich schon jetzt etwas bieten", sagt Helten. Ihm schweben Geschäfte vor, in denen es "hippe Klamotten" gibt und Cafés, in denen sich die jungen Leute gern aufhalten.

Städtebaulich habe Anrath durch die Umgestaltung des Kirchenumfelds enorm gewonnen, findet IHK-Geschäftsführer Haack. Als Eingang zur "Einkaufsmeile" Jakob-Krebs-Straße, die mit einigen Fachgeschäften mehr bediene als nur den täglichen Bedarf, biete die Pfarrkirche St. Johannes eine tolle Kulisse - auch abends, durch ihre dezente, aber schöne Beleuchtung. "Die Kirche liegt jetzt nicht mehr auf einer Insel, sondern ist endlich Teil des Geschehens", freut sich auch Citymanagerin Christel Holter. Mit seinen rund 11 300 Einwohnern sei Anrath gerade über der Schwelle der Einwohnerzahl, mit der Einzelhandel in Orten noch funktionieren könne, sagt Haack. In manchen Orten dieser Größe würden Fußgängerzonen zurückgebaut, um mehr Leben in die Stadt zu bekommen. Doch Helten stellt klar: "Die Fußgängerzone ist unser Heiligtum."

Die Jakob-Krebs-Straße, die von der Kirche zur Gietherstraße führt, funktioniert gut als Einkaufsstraße, allerdings lasse die Frequenz hinter der Sparkasse deutlich nach, so die Experten. Immerhin bringen der Lebensmitteldiscounter Netto und der Kaiser's-Markt in unmittelbarer Nähe zur Fußgängerzone zusätzliche Kunden in die Innenstadt. "Die Lage ist ideal, viel näher kriegt man solche Frequenzbringer an eine gewachsene Innenstadt nicht ran", lobt Haack. Ein bisschen Sorge bereiten ihm die mit jeweils rund 700 Quadratmetern relativ kleinen Verkaufsflächen der beiden Lebensmittelmärkte. Denn solche Geschäfte würden immer größer. Daher müsse man sich dringend fragen, wie man die Läden in der Innenstadt halten kann. Kostenloses Parken in den Willicher Innenstädten ist für Haack "zwingende Voraussetzung". "Wir führen keine Parkgebühren ein, und auch die Gebühren für Außengastronomie halten wir niedrig", versichert Christel Holter. Denn auch die Tische und Stühle der Lokale bringen Flair in die Jakob-Krebs-Straße.

So gemütlich die Fußgängerzone auch ist, so bringt die Enge aber auch Nachteile mit sich. "Wir stoßen an unsere Grenzen, wenn wir Stellflächen für unsere Feste planen", sagt Helten, dem hingegen auf dem Wochenmarkt mit seinen gerade mal drei bis fünf Ständen Anbieter fehlen. "Wir buhlen um weitere Marktstände, aber das ist sehr mühsam", so Helten, und Christel Holter gibt ihm Recht: "Der Wochenmarkt donnerstags ab 13 Uhr ist sehr ergänzungsbedürftig."

Leerstehende Ladenlokale gibt es an der Jakob-Krebs-Straße kaum, in der Umgebung haben es Gewerbeimmobilien hingegen schon schwerer, wie die noch gar nicht so alte Passage am Kirchplatz zeigt, die wie ausgestorben ist. Dabei gibt es am Hinterausgang, zur Sassengasse hin, einen echten Geheimtipp: "Hier ist ein großer Parkplatz, den kaum jemand kennt und auf dem man innenstadtnah parken kann", verrät Holter. Womöglich kommt aber mehr Leben auf den hinteren Teil des Kirchplatzes, wenn zwei Immobilien abgerissen und neu bebaut sind: An der Stelle, an der das ehemalige Bistro Flair steht, soll ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen, gegenüber soll ein Mehrfamilienhaus gebaut werden, so Holter.

Quelle: RP
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