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Stadt Kempen
Beobachtungen zum Beobachtet-Sein

Stadt Kempen: Beobachtungen zum Beobachtet-Sein
Lydia Paggen (links) und Christel Tarras fragten bei ihrer Kabarett-Einlage zur Eröffnung: "Heute schon gegoogelt?". FOTO: ACHIM HÜSKES
Stadt Kempen. In der aktuellen Ausstellung "beobachtet" des Kulturforums Franziskanerkloster setzen sich zwölf Künstler mit dem Thema von Überwachung und virtueller Datenwelt auseinander. Von Angela Wilms-Adrians

"beobachtet - be-Obacht-@" hat der Interessenkreis "FormArt Q93" wortspielerisch seine aktuelle Ausstellung im Städtischen Kramermuseum im Kulturforum Franziskanerkloster Kempen überschrieben. Zum Thema setzen sich die zwölf beteiligten Künstler den Temperamenten und Techniken entsprechend vielfältig mit der virtuellen Verfügbarkeit auseinander.

Der Ausstellungsbesucher fühlt sich nicht lange nur als Beobachter, sondern fragt sich vermutlich in den meisten Fällen rasch, wie weit sein Leben schon längst im Focus der Beobachtung steht. Zur Begrüßung bat Doris Morawietz in den Schreibweisen des Titels neben der beklemmenden Lesart des Beobachtet-Seins auch die Gewichtung des Obacht-Gebens und Beachtens zu bedenken. Schließlich bringe das Internet in die entlegensten Winkel Informationen.

"Heute schon gegoogelt?" fragten Lydia Paggen und Christel Tarras in ihrer Kabarett-Einlage. Auf amüsant ironische und nachdenklich stimmende Weise hinterfragten sie gängige Verhaltensweisen im Umgang mit Facebook, Navi und den anderen technischen Errungenschaften. In den Varianten von reiner Fotografie, Fotomontage und computerbearbeiteter Fotografie breitet Christel Tarras ergänzend zum kabarettistischen Beitrag das Thema in Anspielung auf Spionage, Computerüberwachung und Spinnennetz in beklemmender Dichte aus.

Reinhold Heik reiht Objekt und Gemälde, um Gefangensein im Netz und Unendlichkeit zu beleuchten. Einen quadratischen Würfel füllte er mit einem Gewirr von Linien, die ihr Pendant in dem dahinter ruhenden abstrakten Bild finden. Eine lebensgroße Figur schwebt im dreidimensionalen Netz. Die Arbeit ist passgenau zugeschnitten auf eine Nische im Ausstellungsraum, die zugleich als Begrenzung gesehen werden könnte. Das passt wiederum zu Heiks Gedanken: "Unendlichkeit ist relativ, wir sind trotzdem endlich", philosophiert der Künstler vor seiner Arbeit. Stephanie Lenders setzt in der Farbgebung ihrer kleinen und mittelgroßen Bilder auf Verhaltenheit, die Landschaften eher andeutet als ausformuliert. In jeder dieser Landschaften hat eine kleine Drahtfigur, meist mit Brille, Platz genommen. Sie ist Beobachter und wird zugleich vom Betrachter beobachtet. Bei jedem Windhauch bewegt sich sachte Jürgen Hemkemeyer Mobile "For your eyes only" aus schlicht umrissenen Augensilhouetten aus Holz. Anstelle einer Iris trägt jedes Auge eine kleine Figur, die für jedermann sichtbar ist und tatsächlich im Zentrum des angedeuteten Blicks steht. "Window 1.0" nennt Barbara Hermann-Lange in Anspielung auf die High-Tech-Sprache den vereinnahmten alten Fensterrahmen, der weder Ein- noch Ausblick erlaubt. Stattdessen bietet dieser die Plattform für grafische Aufbereitungen des Wortspiels zum Thema. In einer Gemeinschaftsarbeit legen Klaudia Hummen und Hanne Tesche die Welt verkabelter Menschen unter eine Glaskuppe, die als gläsernes Gefängnis alles offenlegt. Marguen Binzen verlässt sich auf die analoge Fotografie, um Begriffe und Assoziationen zu Netzwerk und Abhängigkeit zu symbolisieren.

Quelle: RP
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