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Stadt Willich
Eine Freundschaft als Lebensretter

Stadt Willich: Eine Freundschaft als Lebensretter
Schafbock "Süleyman" und Haflinger "Allegro" sind unzertrennlich. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Kaum ist das Klackern der Pferdehufe auf dem Asphalt zu hören, kommt Bewegung in den Schafbock auf der Wiese. Während die anderen Schafe uninteressiert weitergrasen, wendet "Süleyman" den Blick in Richtung Gatter und macht erste Schritte in diese Richtung. Von Bianca Treffer

"Er weiß genau, dass ,Allegro' und ,Nena' um diese Zeit auf die Wiese gebracht werden", sagt Theresa Leiders, die das Tor öffnet, um die beiden Haflinger auf die Weide zu lassen. Während "Nena" sofort den Kopf senkt und erste Grasbüschel frisst, hat "Allegro" anderes im Sinn: Erst einmal ist Begrüßen angesagt. Der Haflinger-Wallach und der Schafbock wandern aufeinander zu. Der Kleinere hebt den Kopf und stupst den Größeren unterm Maul an. Was der wiederum mit einem Prusten in die Wolle des anderen beantwortet. Ein weiteres kurzes Schubbeln von "Süleyman" an "Allegros" Bein, dann geht es Seite an Seite über die Wiese, um die beste Stelle zum Grasen zu finden. "Die beiden sind richtig dicke Freunde", berichtet die 24-Jährige.

Dabei fing die ungewöhnliche Freundschaft auf dem Anrather Bio-Hof nicht ganz so freundlich an. Schon immer gehen die 24-jährige "Nena" und der 17-jährige "Allegro" zusammen mit den Schafen auf die Weide. Jede Tierart bleibt dabei für sich. Man akzeptiert sich, aber mehr auch nicht. Als nun im vergangenen Jahr der Schafbock dazu kam, dem einer der Stautenhof-Mitarbeiter den Namen "Süleyman" gab, fand der auf dem Stautenhof geborene "Allegro" es nicht gut, wie dreist "Süleyman" in Sachen Heu vorging. "Wir füttern auf der Wiese Heu dazu. Bock und Haflinger haben sich darum gestritten", erinnert sich Leiders. "Süleyman" boxte "Allegro" in den Bauch, was dieser mit Schnappen und Austreten beantwortete. Auf diesen offensichtlichen Reibereien wurde aber nicht bitterer Ernst, sondern im Laufe der Zeit ein Spiel. Die beiden fingen an, sich gegenseitig über die Wiese zu jagen, um danach friedfertig zusammen zu fressen.

Der zweijährige Schafsbock, der von einem Bio-Landwirt aus Meerbusch stammt, war eigentlich als Schlachttier vorgesehen, doch dieser Plan ist längst ad acta gelegt. "Die Freundschaft zwischen den beiden ist wirklich etwas Einmaliges, und das wollen wir nicht zerstören", sagt die staatlich geprüfte Agarbetriebswirtin. Die anderen Schafe interessieren "Allegro" hingegen in keiner Weise. Umgekehrt ist "Süleyman" nur von dem Wallach fasziniert.

Wenn "Allegro" zu einem gemütlichen Ausritt von der Weide geholt wird, geht der Schafbock mit bis ans Tor und stellt sich danach an den Zaun, um Pferd und Reiter nachzusehen. Geht "Allegro" hingegen abends in den Stall, dann ist das für "Süleyman" völlig in Ordnung. "Wir lassen die Schafe nachts draußen. Wenn ,Süleyman' aber mit in den Stall wollte, würde ich ihn mitnehmen und zu ,Allegro' in die Box stellen", sagt Leiders. Im Sommer benutzt der Schafsbock den Haflinger gerne als Schattenspender. Der weiße Bock mit den schwarzen Flecken im Fell und seinen Riesenschlappohren grast dann im Schatten von "Allegro". Die Stammkunden vom Stautenhof kennen das ungleiche Paar bestens und haben schon oft lachend am Zaun gestanden.

Quelle: RP
 
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