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Stadt Willich
Geheimnisvolles Licht von einer auflösenden Kraft

Stadt Willich. Natascha Schmitten präsentiert ihre Werke in der Galerie Schloss Neersen. Der Untertitel der Ausstellung lautet "Bouillon".

Natascha Schmitten beschließt mit ihren Arbeiten in der Galerie Schloss Neersen die diesjährige Ausstellungsreihe "Modulationen". Ihre Bildwelten spielen auf faszinierende Weise mit Licht, Transparenz und Spiegelung.

"Bouillon" lautet der ungewöhnliche Untertitel der Präsentation. Kuratorin Jutta Saum erklärte ihn mit dem scheinbar Fließenden und Schwebenden, das die Künstlerin über ausgewaschen erscheinende Verläufe in Grafiken und Malerei erreicht. Zwischen den Fenstern der Längsseite zeigt Schmitten vier Großformate in Tusche und Öl auf Nylon, ergänzt um eine weitere große Arbeit an der gegenüberliegenden Wand. Auf den ersten Blick nehmen sich die wesentlich kleineren Unikate aus den Lithographieserien "Bouillon" und "Dümpelfelder" zunächst scheinbar zurück. Dadurch erreicht die Ausstellung eine hohe Konzentration, die zugleich einlädt, sich mit jedem Werk intensiv auseinander zu setzen. Die junge Künstlerin erschafft Bildräume, die Figürlichkeit andeuten, um diese sogleich wieder geheimnisvoll zurückzunehmen oder zu verrätseln. Durch die Großformate verläuft fast durchweg eine vertikale Schnittstelle, die sich allmählich als Spiegelung entpuppt, doch auch sonst sind Spiegelungen und ein geheimnisvoller Umgang mit Positiv und Negativ präsent, zuweilen im Kontrast, der wie eine Überbelichtung anmutet.

Ungewöhnlich ist die Präsentation: Die Gemälde hängen nicht an der Wand, sondern stehen jeweils auf einem Podest, "ganz so wie ein Altarbild in einer Kirche", bemerkte Saum in der Einführung. Der Gedanke sei nicht so weit weg, betonte die Kunsthistorikerin mit Blick auf die erst kürzlich vollendeten Arbeiten an der Fensterfront. Sie wurden inspiriert durch Diego Velazquez´ barockes Altarbild "Versuchung des heiligen Thomas von Aquin". Eine kleine Abbildung des Originals hilft den Besuchern Bezüge und deren Übersetzung in eine moderne Malerei zu erkennen. Schmitten assoziiert in verschiedenen Partien das dunkle Gewand des Heiligen, die Geste zwischen ihm und einen Engel, den Lichteinfall aus dem Bildhintergrund. Über den malerischen Gestus fängt sie den Faltenwurf ein, ohne auch nur in Ansätzen realistisch zu werden. Der Heilige wurde versucht durch eine Vision, und so bleibt in ihren Bildern durch den Umgang mit Licht und Verdichtungen alles schwebend, wie in sanfter Bewegung. Die Künstlerin greift zu relativ dünnflüssiger Farbe, um diese mit überbreiten Pinseln auf glattem Nylonstoff aufzutragen. Die Idee, auf Nylon zu malen, habe sich für sie ergeben, da sie den Untergrund bereits als Lasur nutzen wolle, sagt Schmitten. So schichtet sie halbtransparente Lasuren, erschafft Farbtöne durch Überlagerung, ohne zu vermischen. Zuweilen erreicht sie ein geheimnisvolles Licht, das durchscheinend wirkt, aber häufig auch wie von einer auflösenden Kraft. In den Lithographien scheinen malerische Strukturen zu schwingen, die Licht und Transparenz in feiner Schwingung verbinden.

Öffnungszeiten: Bis 13. Dezember mittwochs bis freitags von 17 bis 19 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr. die Ausstellung bleibt am 6.12. geschlossen.

(anw)
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