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Stadt Willich
Mit dem Strohballen zum Sieg

Stadt Willich: Mit dem Strohballen zum Sieg
Die Schüler Maximilian Lorberg und Niklas Lenteling zeigen ihren selbst entwickelten Kunststoff. Schulleiterin Ute Will-Nieding und Lehrer Alexander Rother freuen sich über das Engagement und den Erfolg der beiden. FOTO: Kaiser
Stadt Willich. Sie stecken mitten im Abitur, aber trotzdem haben Maximilian Lorberg und Niklas Lentelink erfolgreich geforscht. Die Gesamtschüler siegten beim Regionalwettbewerb von "Jugend forscht" und erhielten einen zusätzlichen Sonderpreis. Von Bianca Treffer

Einen Kunststoff herstellen, ohne auf Erdöl zurückzugreifen, das war schon in der Stufe zwölf die Idee von Maximilian Lorberg und Niklas Lentelink. Die beiden Schüler der Robert-Schuman-Europaschule in Willich wählten so für das Schuljahr 2015/2016 das Projektkursangebot "Umweltschutz voller Energie", das für Schüler der Stufe 13 an der Gesamtschule seit einigen Jahren angeboten wird. "Es geht um Ressourcenschonung, alternative Energie und das Einsparen von Energie generell, wobei experimentell gearbeitet wird. Das Angebot richtet sich an Hochbegabte", berichtet der betreuende Kursleiter Alexander Rother.

Kaum, dass der Kurs mit seinen zwei Wochenstunden angelaufen war, stellten Maximilian und Niklas ihren Projektwunsch vor. Rother gab sofort grünes Licht, und die beiden 19-Jährigen starteten mit ihren Forschungen zu "Kunststoff- Natürlich aus Stroh - Synthese des Biopolymeres Celluloseacetat", wie der Titel ihrer Arbeit lautete. "Wir haben zunächst einmal nach einem natürlichen Rohstoff gesucht, der infrage kommen könnte", berichtet Niklas. Da Cellulose die häufigste organische Verbindung ist, sollte es ein Stoff sein, der genau diese liefert, ohne allerdings in Konkurrenz zu Nahrung oder anders genutzten Rohstoffen zu stehen. So kamen die Abiturienten auf Stroh als Ausgangsmaterial.

Danach startete die Recherche, mit welchen Verfahren aus dem Stroh Cellulose gewonnen werden kann. "Das war sehr aufwendig. Wir wollten ein Verfahren nutzen, das umweltfreundlich ist und das auch in der Schule umsetzbar ist", erzählt Maximilian. Bei ihren Nachforschungen stießen sie auf ein Prinzip, das bislang in der Industrie noch nicht angewendet wird, aber ihre Kriterien erfüllte. Das Ganze läuft über Essigsäure, kombiniert mit Salzsäure als Katalysator. Es handelt sich um das sogenannte Acetosolv-Verfahren. Die beiden Schulstunden als auch die Möglichkeiten, ganze Schulblöcke zu nutzen, reichten Maximilian und Niklas bei Weitem nicht. In ihrer Freizeit zog es sie ebenfalls in die naturwissenschaftlichen Räume der Robert-Schuman-Europaschule.

"Ich leite den Projektkurs seit drei Jahren und habe schon viele Projekte begleitet. Von diesem Projekt war ich von der ersten Sekunde an überzeugt", sagt Lehrer Rother, der sich über das Engagement der beiden freut und ihnen den Zugang zum naturwissenschaftlichen Trakt auch über die Schulzeit hinaus ermöglichte.

Aus gewöhnlichem Einstreustroh für Kleintiere gewannen Niklas und Maximilian die benötigte Rohcellulose, die sie mit Wasserstoffperoxid bleichten. "In der Industrie wird Ozongas verwendet, aber so hohe Konzentrationen, wie man dafür benötigt, konnten wir in der Schule nicht erreichen", informiert Maximilian. Mit den gewonnenen Triacetaten und Zweieinhalb Acetaten setzen die Schüler die Kunststoffherstellung fort und produzierten das so vielfältig einsetzbare Produkt des Alltags, mit dem sie jetzt bei "Jugend forscht" überzeugten.

Mit dem Forschen ist aber noch nicht Schluss. Auch wenn die beiden aktuell Vorabiklausuren schreiben, sind sie auf der Suche nach einem Weichmacher auf natürlicher Basis für ihren Kunststoff. "Wir hoffen, dass wir bis zum Landeswettbewerb ein gutes Stück weitergekommen sind, um dort weitere Ergebnisse präsentierten zu können", sagt Niklas. Aber egal, wie es dort ausgehen wird: Rother und auch Schulleiterin Ute Will-Nieding sind mächtig stolz auf die beiden erfolgreichen Schüler, die nicht nur beim Regionalwettbewerb in "Jugend forscht" in der Sparte Chemie gewannen, sondern auch mit dem Sonderpreis für nachwachsende Rohstoffe, gestiftet von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, ausgezeichnet wurden.

Quelle: RP
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