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Stadt Willich
Schülerin berichtet über Azoren-Projekt

Stadt Willich: Schülerin berichtet über Azoren-Projekt
Das Bild der schwimmenden Delfin-Familie hat Roland Edler, einer der "Scouts" der Jugendgruppe, gemacht. Die Begegnung mit den Meeressäugern war eine besondere Erfahrung, meint Nathalie Zimmermann. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. Vom 19. Juni bis zum 1. Juli hat die Willicher Schülerin Nathalie Zimmermann an einer Forschungsexpedition des Instituts für Jugendmanagement.Stiftung teilgenommen. Ihre Erfahrungen möchte sie bei einem Vortrag weitergeben. Von Nadia Joppen

"Es war total gigantisch, eine ganz besondere Erfahrung" - der 16-jährigen Nathalie Zimmermann aus Willich ist die Begeisterung immer noch anzumerken. Die Schülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums hat sich über viel Eigeninitiative einen Traum erfüllt: Sie hat in diesem Sommer an einer Forschungsexpedition Meeresbiologie teilgenommen - im Rahmen der Master-MINT-Projekte zur Förderung der naturwissenschaftlichen Kenntnisse von Schülern.

Zwölf Tage war sie mit 21 Jugendlichen im Alter von 13 bis 17 Jahren auf Pico, der zweitgrößten Insel der Azoren. Dort konnte sie unter Anleitung von zwei Scouts aus Deutschland und dem vor Ort arbeitenden Forscherteam etwa 13 verschiedene Wal- und Delfinarten in ihrer natürlichen Umgebung beobachten - aber nicht nur das. Die jungen Leute haben fünf Oberthemen bearbeitet - neben den Meeressäugern die Bereiche Wirtschaft/Infrastruktur, Menschen/Kultur, Flora/Fauna und Vulkanismus/Klima. Zu jedem haben sie in Kleingruppen zu Beginn des Aufenthaltes selbst Ziele entwickelt und alles dokumentiert, damit die anderen Gruppen jederzeit auch damit arbeiten konnten.

In jedem Bereich haben sie eigene Erkenntnisse gewonnen. Beeindruckend waren natürlich die Beobachtungen der Wale und Delfine. So haben sie etwa die Fluken (Schwanzflossen) der verschiedenen Pottwale fotografiert und mit Aufnahmen aus früheren Expeditionen verglichen. "In einem Fall stimmte unsere Aufnahme mit einem Bild aus dem Jahr 2012 überein - es muss dasselbe Tier gewesen sein", erzählt Nathalie. Auch die Giganten des Ozeans, Blauwale, hat sie beobachtet. "Bei der zweiten Sichtung ist ein 22 Meter langer Blauwal unter dem Schiff durchgetaucht", ist sie beeindruckt.

Anders, anrührend und lehrreich die Kontakte zu den Delfinen: Einen Tag durften die jungen Forscher begleitend mit den Delfinen schwimmen und sehen, wie sie sich unter Wasser verhalten: "Ich habe fünf Risso-Delfine gesehen, ein Jungtier ist im Wasser auf mich zu geschwommen und war neugierig. Es ist aber schnell zurück zur Gruppe", erzählt sie. Bei einer anderen Delfin-Gruppe lebte ein Tier, dem die Finne (Rückenflosse) fehlte, "aber es war voll in die Gruppe integriert, trotz der Beeinträchtigung beim Schwimmverhalten. Daran sah man das starke Sozialverhalten der Tiere", so Nathalie.

Eine grundlegende Erfahrung habe der Tag gebracht, an dem die Gruppe auf den Pico - einen seit dem 18. Jahrhundert inaktiven Vulkan - gestiegen sei. "Dieser Tag hat mir meine Grenzen gezeigt, aber ich habe sie überwunden", berichtet sie: Der Berg war steiler als gedacht, dazu war sie im Geröll gestürzt. "Dann war es schwer weiterzugehen und die Angst zu verdrängen. Als ich oben war, war ich stolz auf mich, dass ich mich überwunden habe."

Zu den Exkursionen, Beobachtungen und Befragungen der Menschen auf Pico kam abends die gemeinsame Dokumentation und Auswertung der gewonnenen Erkenntnisse - manchmal war die nächtliche Schlafenszeit dann nur eine Stunde. "Aber so habe ich gelernt, unter größtem Druck und im Team zu arbeiten." Eine weitere Erfahrung: "Ich habe auch gelernt, zu sagen, wenn ich etwas nicht kann, und mich auf andere zu verlassen". Ihre Teilnahme an dem Forschungsprojekt hatte sich die Schülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums erarbeitet, weil sie die Grundanforderung - eine Finanzierung der Reisekosten über die Gewinnung von Sponsoren - erfüllt hatte. Nathalie hatte neun Sponsoren gefunden. Sie haben ihre 130 Seiten starke Dokumentation erhalten, dazu hat sie bei zwei Sponsoren Vorträge gehalten, zwei weitere folgen. "Alle waren begeistert, wie stark man sich als Jugendlicher entwickeln kann, und wünschen mir weiter viel Erfolg. Ich bin ihnen sehr dankbar für die Unterstützung", freut sie sich. Sie werde immer über diese zwölf Tage berichten, meint Nathalie - und für ihre berufliche Entwicklung hat sich ihr Interesse für naturwissenschaftliche Themen bestätigt - und es sind neue Perspektiven entstanden, die sie angehen möchte.

Quelle: RP
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