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Stadt Willich
Seit 90 Jahren fallen die Kegel

Stadt Willich: Seit 90 Jahren fallen die Kegel
Alfred Bienert (von links), Peter Linsen, Bernd Jurascheck, Otto Strom und Hans-Gerd Segerath treffen sich alle 14 Tage in der Hausbrauerei Schmitz Mönk. Damit der Club fortbesteht, suchen sie Verstärkung. FOTO: Wolfgang Kaiser
Stadt Willich. "Lot 'em stohn" ist der älteste Kegelclub Anraths. 1992 fusionierte er mit "Alle neun". Alle 14 Tage gehen sechs Anrather zwischen 71 und 82 in der Hausbrauerei Schmitz Mönk ihrem Hobby nach. Von Bianca Treffer

Der Spaß am Kegeln und der damit einhergehenden Geselligkeit ist den Männern vom Anrather Kegelclub "Lot 'em stohn" anzusehen. Unter viel Gelächter und witzigen Bemerkungen rollen die Kugeln über die Bahn bei Schmitz Mönk - und das seit 90 Jahren. Somit handelt es sich um den ältesten Kegelclub Anraths. Wobei es am 1. Oktober 1926 aber noch nicht die heutige Adresse war und "natürlich keiner unserer jetzigen Kegler dabei war", meint Hans-Gerd Segerath mit einem Lächeln.

Acht junge Männer waren es damals, die sich nach dem Ersten Weltkrieg fragten: "Wenn w'r os kinn Freud' maake, wer dann sons?" Sie machten sich selbst eine Freude, gründeten den Kegelclub "Lot 'em stohn" und ließen die Kugeln fortan alle 14 Tage in der Kneipe von Buschers Hein an der Kirche rollen. 1936 wechselte der Club zu Schmitz Mönk hinüber, wobei der damalige Wirt Willi Schmitz es sich nicht nehmen ließ, selbst in den Kegelclub einzutreten.

In den Kriegsjahren ruhten die Kegel, aber nach dieser schweren Zeit ging es direkt wieder los. Willi Schmitz war es dann, der mit seinem Tod 1992 für eine Fusion zwischen den beiden Clubs "Lot 'em stohn" und "Alle neun" sorgte. "Willi hatte in beiden Clubs gekegelt. Bei seiner Beerdigungsfeier sprach mich Toni vom anderen Club an und meinte, jeder von uns habe einen Mann verloren, ob man sich nicht zusammentun sollte", erinnert sich Peter Linden, der von "Alle neun" kommt. Eine Idee, die von beiden Seiten angenommen wurde.

Vor dem Hintergrund der lange bestehenden Tradition von "Lot 'em stohn" entschied man sich bei der Fusion für diesen Namen. 13 Kegelbrüder waren es so, die sich alle 14 Tage trafen und die Kegel umwarfen - oder auch nicht. Heute bilden noch sechs Anrather den Club. "Wobei unser Nesthäkchen dazu kommt", scherzt Alfred Bienert und deutet lächelnd zu Bernd Jurascheck hinüber. Mit seinen 71 Jahren ist er der Jüngste der Gruppe und ein Nicht-Anrather. "Ich habe früher in Anrath gewohnt und seit 1977 mitgekegelt. Heute wohne ich in Krefeld, aber komme so oft es geht, zum Kegeln nach Anrath zurück", berichtet Jurascheck.

Anekdötchen haben sich im Laufe der Jahre reichlich angesammelt, und wenn die Männer erzählen, dann sind auch schon mal Lachtränchen zu sehen. Ob Kegelbruder Gottfried, der einst das Ablegen des Schiffes auf der Kegeltour am frühen Morgen verpasste, weil er sich noch eine Zeitung holen ging und mit dem Zug zur nächsten Anlegestation anreiste, oder das gemeinsame Musizieren nach einer Kegeltour auf dem Kölner Konrad-Adenauer-Damm, wobei 170 Mark zusammenkamen, die "wir in Getränke umgelegt haben", wie Segerath verrät - schöne Erinnerungen gibt es reichlich.

Einmal im Jahr geht es nach wie vor auf Kegeltour, und auch das Weihnachtskegeln, fast immer mit den Frauen, hat Tradition. Das große Jubiläum wird ebenfalls mit einem gemütlichen Kegelabend samt Abendessen, bei dem auch die Frauen dabei sein werden, gefeiert.

Verstärkung suchen die Männer im Alter zwischen 71 und 82 Jahren immer. "Gern auch etwas Jüngere, denn wir wünschen uns, dass der Kegelclub Bestand hat", sagt Otto Strom. Beim 100-jährigen Bestehen dabei zu sein, haben sich indes alle vorgenommen. Wer Lust hat, mit der fröhlichen Truppe, zu der noch Arno Berner und Günter Roggen gehören, zu kegeln, kann an einem der Mittwochabende einfach zu einem Gastkegeln bei Schmitz Mönk an der Jakob-Krebs-Straße 28 in Anrath einkehren. Gekegelt wird immer ab 19 Uhr.

Quelle: RP
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