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Wülfrath
Anita Lowitz hilft Menschen in den schwersten Stunden ihres Lebens

Wülfrath. Im vergangenen Jahr feierte das Trauercafé der Hospizgruppe Wülfrath fünfjähriges Bestehen. Trauerbegleiterin seit der ersten Stunde ist die 40-Jährige. "Angst vorm Tod hatte ich nie." Durch ihr ehrenamtliches Engagement hat sie "noch mehr Verständnis für andere" entwickelt. Von Valeska von Dolega

"Für mich ist die Aufgabe eine absolute Bereicherung", sagt Anita Lowitz über ihre Tätigkeit in der Hospizgruppe. "Anfangs haben wir uns natürlich Gedanken gemacht", erinnert sie sich an den Beginn im Jahr 2008.

Die Gedanken, die sie und die Kollegen sich machten, gingen aber schon damals nicht in Richtung "Pack' ich das?". "Das war irgendwie nie ein Thema", schließlich gebe es für den Zweifelsfall eine Supervision, die regelmäßig mindestens ein Mal monatlich stattfindet. "Wir fragten uns, was wir tun können, um Menschen in Trauer zu helfen." Dass der Tod zum Leben gehört, sei für die wenigsten selbstverständlich. "Wer denkt denn ans Ende, wenn er gerade mittendrin steckt und fröhlich ist?"

Offensichtlich haben die 40-Jährige und ihre beiden Kollegen, die als "eingespieltes Team" seit inzwischen mehr als fünf Jahren das Trauercafé betreuen, das richtige Konzept gefunden. Wenngleich das Besondere dieses Trauercafés ist, grundsätzlich und in allem offen zu sein. "Wir schaffen einen Rahmen, in dem sich Menschen austauschen können." Feste Riten gibt es, so werden Texte zum Einstieg und zur Verabschiedung gelesen. Mehr mag Anita Löwitz nicht erzählen, die Privatsphäre der Teilnehmenden zu wahren ist eine der wesentlichen Dinge dieses Trauercafés.

Das Spannungsfeld zwischen dem Weitermachen und dem Klammern an Erinnerungen, sei eine Kunst. Lange hat man davon gesprochen, dass nur loslassen hilft. Das ist wohl auch wichtig, aber bedeutet nicht, sich von Erinnerungen zu verabschieden. Loslassen bedeute nicht, dass Tote aus dem Gedächtnis, aus den Erinnerungen, aus den Leben der Hinterbliebenen verschwinden. "Höchst individuell" sei die Auseinandersetzung mit Trauer und Verlust. "Es gibt keine Regeln und keine Norm." Bei dem einen dauere es zwei Jahre, bis wieder Sonnenstrahlen am Horizont wahrgenommen werden, bei anderen länger. "Da lässt sich nichts verallgemeinern."

Mit Fingerspitzengefühl versucht die 40-Jährige, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Diese guten Sensoren zu haben, ist Voraussetzung. "Sonst könnte man das nicht machen" und auch nicht in ihrem Brotberuf tätig sein. Die diplomierte Pädagogin ist im Altenheim beschäftigt.

Bevor sie im Trauercafé als Ehrenamtlerin anfing, hat sie eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin absolviert. "Dank, für das was ich für andere Menschen tue, möchte ich nicht. Das Schönste ist für mich zu sehen, wie jemand, der unglücklich war, wieder Schritte zurück ins aktive Leben macht."

Diese "positiven Resonanzen" sind der gebürtigen Polin, die 1992 nach Deutschland kam, in Düsseldorf studierte und anschließend nach Wülfrath zog ("Eine Stadt mit Dorfcharakter, viel Natur und schnellem Zugang zu Großstädten"), das Wichtigste. Für andere da zu sein, ist für sie "selbstverständlich, weil ich das einfach normal finde. Letztlich fußt doch auch unsere Gesellschaft darauf."

Die Idee, die Politik könnte hier hilfreich eingreifen, hält sie für Illusion. Auch geldwerten Lohn will sie für die Arbeit im Trauercafé nicht. Ihr ehrenamtliches Engagement empfindet sie als ebenso "schön und bereichernd, wie tanzen oder wandern oder in einen der vielen interessanten Fremdsprachenkurse zu gehen".

Quelle: RP
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