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Wülfrath
Grundschulkinder sollen schwimmen lernen

Wülfrath: Grundschulkinder sollen schwimmen lernen
Wolfgang Peetz bemüht sich mit dem Verein "Kinder in Not, dass die Grundschüler schwimmen lernen können. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Die Aktion "Wülfrather Kinder in Not" gibt es seit zehn Jahren. In den Ferien unterstützt sie Grundschulkids, die nicht schwimmen können. Von Christiane Bours

Fröhliches Lachen und Gekreische ist zu hören, Kinder springen ins Wasser, toben herum und spritzen sich gegenseitig nass. Mittendrin sind Sandy und Hossain, die übermütig mitplanschen und das Becken durchqueren. Wie man das macht, haben sie und ihre drei Mitstreiter in den vergangenen drei Wochen gelernt. Da haben sie nämlich bei Marlies Neumann schwimmen gelernt. Mit Erfolg: Alle fünf Kinder haben inzwischen das Pinguin-Abzeichen bei Marlies Neumann abgelegt, zwei von ihnen auch schon das Seepferdchen gemacht. "Das Pinguin-Abzeichen ist quasi die Zwischenstufe zum Seepferdchen, damit die Kinder motiviert bleiben", erklärt Neumann.

Dass die Grundschüler überhaupt ihren Schwimmkurs besuchen können, haben sie der Aktion "Wülfrather Kinder in Not" zu verdanken. Denn diese hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass alle Wülfrather Grundschulkinder schwimmen lernen sollen. Denn Ertrinken ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern. 13 Kinder sind es in diesen Sommerferien, sie besuchen jeweils drei Wochen lang den Schwimmunterricht in der Wasserwelt.

Auch wenn der Anlass eigentlich ein trauriger ist, so ist die Geschichte der "Wülfrather Kinder in Not" eine sehr erfolgreiche. Seit zehn Jahren gibt es die Aktion, seitdem wurden mehr als 300 000 Euro an Spenden gesammelt. Diese wurden in den vergangenen Jahren vor allem dafür eingesetzt, dass alle Kinder in Wülfrath mit Essen und Kleidung versorgt werden. Mehr als 500 Kinder der Stadt gelten offiziell als arm, 2005 waren es 215 Kinder, die jünger als 18 Jahre waren und von Sozialhilfe lebten.

"In Wülfrath lebt kein Kind in der Gosse oder muss Hunger leiden", betont Wolfgang Peetz, Mitgründer der Aktion. Aber arme Kinder seien von vielen Dingen ausgeschlossen, viele hätten noch nie Geburtstag gefeiert und werden deshalb auch nie eingeladen. Manche waren noch nie im Kino oder könnten nicht mit auf Klassenfahrt.

Aktuell unterstützt die Aktion 120 Kinder und bezahlt pro Kind 20 Euro im Monat für das Mittagessen in Kita oder Schule. "Denn das Mittagessen ist die Voraussetzung für die Nachmittagsbetreuung, also die Hilfe bei den Hausaufgaben", so Peetz, "wir investieren also in die Bildung der Kinder." Bildung sei der einzige Ausweg aus der Armut. Zudem versuche man, auch die Ursache zu bekämpfen, etwa durch die Zusammenarbeit mit der Schuldnerberatung. Den Kindern wird unbürokratisch geholfen, die Obergrenze liegt bei 300 Euro pro Kind. Dabei wird allerdings niemals Bargeld ausgezahlt, sondern direkt mit den Institutionen verrechnet. So soll sichergestellt werden, dass das Geld auch ankommt.

Quelle: RP
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