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Wülfrath
Schlupkothen umjubelt Kabarettistin

Wülfrath: Schlupkothen umjubelt Kabarettistin
Die 49-Jährige Sia Korthaus schlüpfte in immer neue Rollen und Kostüme - die Zuschauer amüsierten sich. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. "Sorgen? Mache ich mir morgen!" heißt das Soloprogramm von Sia Korthaus, mit dem sie am Donnerstag zu Gast im Kommunikationscenter Schlupkothen war. Korthaus ist Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin und vereint bei ihrer Zeitreise all diese Elemente auf der Bühne. Von Rabea Gruber

"Zukunft ist ja auch nichts anderes als die Vergangenheit von übermorgen", findet der kleine Außerirdische und kann den Rummel um Zeitreisen gar nicht so richtig verstehen. Als intergalaktischer Chauffeur bringt er seine Kunden dennoch sicher durch die Epochen. Mit der Zeittouristin Sia Korthaus unternimmt er eine launige Reise durch Vergangenheit und Zukunft.

Mit dem Publikum und ihrem Taxifahrer Herr Olschewski reist sie zurück in die prüden fünfziger Jahre, in die Hippiezeit und in die Achtziger. War denn früher wirklich alles besser? Und wenn ja, welche Zeit war die beste? Die 49-Jährige schlüpft in immer neue Rollen und Kostüme und schafft es auch mit Leichtigkeit, eine Urlaubsfahrt im VW-Käfer ganz alleine darzustellen: Sie ist dann der Vater, die Mutter, der Großvater und die beiden Kinder gleichzeitig. Dass das gar nicht bemüht oder angestrengt wirkt, ist Korthaus' schnellen, feinen Wechseln zwischen den Rollen zu verdanken. Im ausverkauften Haus weckt die Geschichte jede Menge Erinnerungen an eigene Urlaube.

Ein wenig schärfer fallen die Erzählungen aus der Zukunft aus. Alkohol und andere gesundheitsschädigende Substanzen werden 2025 abgeschafft, der Google-Konzern übernimmt die Weltherrschaft und intelligente Technik bestimmt unser Leben. Bei aller Kritik, die Korthaus anbringt, lässt sie die Zukunft aber nie zur zynischen Dystopie verkommen: Ihre Gedankenexperimente sind aus kabarettistischer Sicht konsequent zu Ende gedacht, aber vor allem urkomisch. Stark ist die gebürtige Gevelsbergerin als Ruhrpott-Omma im Jahr 2054, die ihr intelligentes Smartphone zuhause vergisst und dadurch ein riesiges Chaos provoziert. Ein Szenario, das gar nicht so weit entfernt erscheint - schon jetzt organisieren wir doch einen Großteil unseres Alltags über das Smartphone. Und auch die handygesteuerte Haustechnik, an der die Omma verzweifelt, ist in ihren Grundzügen längst Realität.

Die Zeitreise ist Korthaus' fünftes Soloprogramm. Seit 1996 tritt sie mit ihrer Mischung aus Kabarett, Chanson und Schauspiel deutschlandweit auf. Zuvor studierte sie Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Theaterpädagogik, nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht. Ihre vielseitige Ausbildung und ihre Verwandlungsfähigkeit sind heute die wichtigsten Bestandteile ihrer Shows.

Am Ende des Abends sind Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen ironisch unter die Lupe genommen worden. Vielen Zuschauern haben besonders der Sprachwitz und die Situationskomik gefallen, einigen fehlte hier und dort die politische Schärfe. Zwei Zugaben gibt es am Ende, bevor sich Korthaus nach gut zwei Stunden Programm von der Bühne in der Kathedrale verabschiedet.

Quelle: RP
 
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