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Xanten
Büderichs teurer Kampf gegen Krähen

Xanten. Die Krähenplage am Büdericher Markt war jahrelang Ortsgespräch. Auch in der Nachbarschaft des Polderdorfes. Seit einiger Zeit sind die schwarzen Vögel verschwunden. Das liegt, so Fachleute, nicht an der teuren Umsiedlung.

Es war eine teure Angelegenheit, die Saatkrähen dauerhaft vom Büdericher Marktplatz zu vertreiben. Gut 53. 000 Euro hat die Stadt Wesel dafür seit 2014 ausgegeben: Rund 8600 Euro kostete die wissenschaftliche Begleitung durch den niederländischen Verhaltensforscher Diederik van Liere, der Rest floß in die Arbeit des städtischen Betriebs ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen). Dessen Mitarbeiter sägten nicht nur die Nester aus den Platanen, um sie später in der Nähe von Fort Blücher wieder einzusetzen, sie schnitten in den Folgejahren zudem auch die Astgabeln aus den Bäumen, die den Vögeln als Basis für den Bau neuer Nester gedient hätten. Kleine Information am Rande: Den Alternativstandort am Fort haben die Krähen mittlerweile verlassen.

Jetzt liegt der Abschlussbericht zur Umsiedlung der Büdericher Saatkrähenkolonie vor, die als Pilotprojekt von 2013 bis 2016 lief - mit einem eher ernüchternden Ergebnis. Zwar sind die Saatkrähen, die nahezu jedes Ereignis auf dem Marktplatz wegen des Kots unmöglich machten, verschwunden. Doch dies soll hauptsächlich auf den relativ starken Rückschnitt der Platanen zurückzuführen sein. Fachmann van Liere hält eine erneute Ansiedlung der Krähenvögel nicht für wahrscheinlich. Aber eine Sicherheit gebe es auch nicht. Deshalb lautet seine Empfehlung: Jahr für Jahr ab Januar bis Mitte April zweimal wöchentlich prüfen, ob sich wieder Saatkrähen sammeln und Rückschnitte durchführen, falls dies der Fall ist.

Darüber hinaus sollen die alten Nester am Sudturm noch im Dezember entfernt und der Neubau in ganz Büderich verhindert werden. Möglicherweise müssten noch weitere Nester in den Birken an der Brauerstraße, der Pastor-Bergmann-Straße und auf dem Spielplatz weg. Ein Problem für die Tiere sieht van Liere nicht, zumal es direkt außerhalb von Büderich gute Alternativstandorte - auch mit Birken - gebe.

Die Stadt möchte dem Expertenrat folgen und von 2017 bis 2019 jährlich 18. 000 Euro für diese Maßnahmen bereitstellen. Dazu ist eine Verlängerung der Ausnahmegenehmigung nach dem Bundesartenschutzgesetz nötig, die der Kreis Wesel erteilen muss. Der stellt im Übrigen gleich klar, dass es ein ähnliches Vorgehen an anderen Krähennistplätzen nicht geben wird. Schließlich seien die Verhältnisse an Wesels Ringstraßen beispielsweise nicht mit denen in Büderich vergleichbar. Zudem seien die Beeinträchtigungen durch Kot hier weitgehend auf den Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen beschränkt. Wissenschaftliche Erkenntnisse, dass der Kot eine Gesundheitsgefährdung darstelle, gebe es nicht.

Ein Fünftel der nordrhein-westfälischen Saatkrähen leben im Kreis Wesel. Im Jahr 2012 gab es 59 Kolonien mit rund 2400 Brutpaaren - in Zukunft dürfte die Zahl wegen der angesprochenen Maßnahmen vermutlich sinken.

(P.H.)
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