| 17.45 Uhr

Xanten
Das Wasserpoker

Xanten. Die Stadtwerke Kalkar wollen mehr Trinkwasser aus dem Xantener (Wasser-)Einzugsgebiet fördern. Das ist bei der Bezirksregierung beantragt. Die Erlaubnis stärkt Kalkars Position in laufenden Verhandlungen mit Xanten. Von Richard Lucas-Thomas

Sinnigerweise heißt die Wasserförderanlage am Kalkarer Stadtrand "Wassergewinnungsanlage Obermörmter". Hier darf nach geltendem Vertrag noch bis zum 31. Dezember dieses Jahre Trinkwasser aus zwei Brunnen gefördert werden. Die Erlaubnis wurde ab Dezember 2002 befristet erteilt – um Auswirkungen der Wasserentnahme auf das Grundwasser beurteilen zu können. Die längerfristige Absicherung der Wasserentnahme wird ebenfalls von der Bezirksregierung genehmigt. Xantens Stadtverwaltung bittet deshalb heute Abend den Fachausschuss Umwelt und Planung darum, bei der Bezirksregierung ein Veto gegen diese Vertragsverlängerung einzulegen.

Denn jetzt geht es um mehr. Zum Jahresende läuft nicht nur die Erlaubnis zur befristeten Wasserentnahme ab, sondern endet auch der Konzessionsvertrag, mit dem Kalkar Obermörmter, Vynen und Teile von Marienbaum mit Trinkwasser versorgt. Nach einem ersten Gespräch zwischen Xanten und den Stadtwerken wurde ein Gutachter beauftragt, konkrete Wertermittlungen zu treffen, um damit die Basis für die weiteren Verhandlungen zu sondieren. Das Gutachten wird Mai / Juni erwartet.

Geänderte Ausgangsparameter

Denn anders als 1997, als Xanten sich von 24 Prozent seiner Anteile an der Wassersparte der Stadtwerke Kalkar trennte, haben sich die Ausgangsparameter verändert. Xanten ist seit 2007 mit Rheinberg, Alpen und Sonsbeck Eigentümerin eines kommunalen Wasserwerkes. Da liegt die Überlegung nahe, die Wasserversorgung der nördlichen Stadtteile komplett zu übernehmen.

Unabhängig von dieser Überlegung möchte Xanten die Vertragsbedingungen für sich auch für den Fall, dass der Konzessionsvertrag mit Kalkar erneuert werden sollte, verbessert wissen. Dabei soll eine Scharte von 1997 ausgewetzt werden. Damals wurde der städtische Anteil am Leitungsnetz zum Ertragswert verkauft, der Rückkauf jedoch zum Substanzwert vereinbart. Der Ertragswert war niedrig angesetzt, weil damals zu Gunsten eines geringeren Wasserpreises auf Unternehmenserträge verzichtet wurde. Der Substanzwert (des Leitungsnetzes – Anm. d. Red.) hingegen gilt heute als hoch. Vom Gutachten werden jedoch auch Aussagen zum aktuellen Ertragswert erwartet,

Marktwert steigt

Die inzwischen als GmbH und Co. KG organisierten Kalkarer Stadtwerke (49 Prozent der Anteile bei Gelsenwasser) können mit der langfristig abgesicherten Wasserentnahme in der Anlage Obermörmter (zwei Vertikalbrunnen) nicht nur die aktuelle Verhandlungsposition mit Xanten stärken. Ein langfristig gesichertes Wassereinzugsgebiet steigert auch den Marktwert des Unternehmens.

Die Verlängerung des Konzessionsvertrages und die Genehmigung einer langfristigen Wasserentnahme durch die Bezirksregierung sind zwei unterschiedliche Verfahren. Heute entscheidet der Fachausschuss darüber, ob die Stadt ihre Zustimmung zur wasserrechtlichen Bewilligung durch die Bezirksregierung versagen soll. Die Sitzung beginnt um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

Quelle: RP
 
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