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Xanten
Immer in Bewegung: Alfred Melters

Xanten: Immer in Bewegung: Alfred Melters
Wir heute 85: Alfred Melters. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Der frühere Bürgermeister feiert heute seinen 85. Geburtstag. Mit seiner Meinung hält er nach wie vor nicht hinterm Berg. Von Heidrun Jasper

Man glaubt es kaum, wenn man ihn so locker die Stufen zu seinem 800 Quadratmeter großen Garten hinuntergehen sieht, den er noch immer selber beackert: Der Mann soll schon 85 Jahre alt sein? Ja, ist er, seit heute: Am 1. September 1940 erblickte Alfred Melters in Emmerich das Licht der Welt.

Heute dürften sich die Gratulanten an der Brunhildstraße 2 die Klinke in die Hand geben. Denn Alfred Melters kennt (fast) jeden, und (fast) jeder kennt den Mann, der bis heute ohne Stock, ohne Rollator, ohne Hörgerät auskommt. "Man muss immer in Bewegung sein, auch geistig", erzählt der ehemalige Bürgermeister von Xanten, der am Stiftsgymnasium Deutsch und Geschichte unterrichtet hat, viel liest (vor allem Bücher in französischer Sprache) und genauso viel und gerne erzählt. Der jeden Morgen mit Gattin Katharina Gymnastik macht, drei Mal in der Woche in aller Frühe sechs Kilometer um die Südsee herum "nordisch walkt", einmal im Jahr für mehrere Tage mit Rucksack und Gitarre mit seiner Alt-Herren-Wandertruppe unterwegs ist und jeden Tag mit dem Fahrrad fährt ("das Auto wird nur für den Einkauf aus der Garage geholt").

Seit 1969 ist Melters politisch aktiv; er saß von 1974 bis zur Kommunalwahl 2009 für die CDU im Rat der Stadt, war zehn Jahre lang Bürgermeister, weitere zehn Jahre stellvertretender Bürgermeister und hatte 16 Jahre lang den Vorsitz im Pfarrgemeinderat inne. Heute ist er "nur" noch Vorsitzender der Fördervereine St.-Josef-Hospital und Dom-Musikschule. Und er ist "Oberbürgermeister auf Lebenszeit in der Freien Republik Mörmter-Ursel-Willich".

Vier Söhne und eine Tochter hat Melters, der die Entwicklung von Xanten nach wie vor positiv-kritisch-interessiert verfolgt: "Wenn ich meine, zu Projekten meine Meinung sagen zu müssen, tue ich das auch". Zum Beispiel zu den Gestaltungsmöglichkeiten für den Luftkurort. "Die Stadt sollte den Wall rund um die Stadtmauer nicht zu einem künstlich gestalteten Kurpark umfunktionieren", findet der Christ und Christdemokrat, der in der innovativsten Phase Anfang der 70er Jahre nach der kommunalen Neuordnung ein Konzept für die Stadt mit entwickelte, das so nachhaltig war: Fünf Dörfer wurden Xanten "zugeschlagen"; die Herausforderung für den damaligen Stadtdirektor Heinz Trauten und die politischen Gremien war, die Römer, das Mittelalter, die Natur und die Dörfer unter ein Dach zu kriegen. Die Vision: Die drei Komponenten Geschichte und Kultur, Freizeit (mit den Baggerseen), Natur (Bislicher Insel) planerisch so miteinander verzahnen, dass sie in der Außenwirkung eine Einheit darstellen. Melters: "Wir hatten Glück, dass in der Politik Leute saßen, die unsere Visionen teilten und entsprechende Gelder locker gemacht haben".

Melters hat immer noch Visionen. "Xanten müsste die heimliche kulturelle Hauptstadt des Niederrheins werden", sagt er und bedauert, dass im städtischen Haushalt so wenig Geld für die Kultur locker gemacht wird. "Wir müssen die Räume, die man hier geschaffen hat (Theater, Musik), aus dem kleinformatigen provinziellen Modell rausholen und dürfen nicht auf dem Unterhaltungslevel stehenbleiben." Was er außerdem bedauert, sind die Querelen um das Nibelungenmuseum ("Dr. Trost hat das damals mit großem Einfühlungsvermögen installiert"), die Schließung des Nibelungenbades ("da hat sich die FZX nicht bewegt, als wir die Idee hatten, das Wellenbecken zu überdachen und ein weiteres Gebäude für ein Hallenbad anzubauen") und dass sich Walter Schürmann mit seinen Sommerfestspielen zurückgezogen hat. Den Ostwallpark zum neuen Spielort zu machen hält er nicht wegen der Qualität, sondern wegen der Fläche für entwicklungsbedürftig.

Zwei Wünsche hat Alfred Melters: Den Garten noch sehr lange bearbeiten und noch viel von der Welt sehen. Was er sich für seine eigene Zukunft wünscht? "Eine Wohnung zwischen Himmel und Erde. Oder zumindest über den Dächern der Stadt, damit ich die Entwicklung weiter verfolgen kann".

Quelle: RP
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