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Sonsbeck
Kirchendach erhält Unterstützung

Sonsbeck: Kirchendach erhält Unterstützung
Die evangelische Kirche ist von innen komplett eingerüstet. Die Endstücke der hölzernen Dachkonstruktion sind morsch und müssen ersetzt werden. FOTO: Fischer Armin
Sonsbeck. Teile der Dachkonstruktion des evangelischen Gotteshauses in Sonsbeck sind morsch. Die Reparatur kostet 500.000 Euro. Von Heinz Kühnen

Die Außenwände sind eingerüstet. Den Innenraum durchziehen ebenfalls Gerüste, schwere Gerüste, die hohe Lasten tragen müssen. Ohne sie wären die Arbeiten an der evangelischen Kirche in Sonsbeck überhaupt nicht möglich. "Unsere Diagnose hat sich leider bestätigt", sagt Baukirchmeister Dr. Wolfgang Ebert. Die Endstücke der hölzernen Dachkonstruktion, die ihre Last auf die steinernen Pfeiler des Kirchgebäudes ableiten, sind alle morsch und müssen ersetzt werden. Mit allen Folgearbeiten, so schätzt der Kunsthistoriker, wird das richtig teuer. Eine gute halbe Million Euro wird das kosten.

Ohne Helm darf die Baustelle nicht betreten werden. Dafür sorgt schon Jürgen Klatt. Der Zimmerer und seine Mitarbeiter aus Rheurdt arbeiten hoch oben auf den Gerüsten, dort, wohin der Blick wegen der abgehängten Decke für die Besucher bislang versperrt war. Doch genau dort liegt die Ursache des Übels. Vor gut 250 Jahren, so schätzt Klatt, war der Dachstuhl der Kirche, in der 1660 der erste Gottesdienst gefeiert worden ist, schon einmal repariert worden. Aber richtig. Was offensichtlich in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht der Fall war.

"So ein Dachstuhl aus Eiche", erklärt Wolfgang Ebert, "der hält eigentlich 1000 Jahre." Die Eichenrundbögen tragen das Dach. Und nach außen hin enden sie auf den gemauerten Pfeilern. Die Last wird dann weiter in den Boden abgeleitet. In den Nachkriegsjahren aber wurden die hölzernen Enden eingemauert. Warum?

Der 64-jährige Pfarrerssohn aus Moers, der heute in Geldern-Kapellen wohnt und damit auch Mitglied der Sonsbecker Kirchengemeinde ist, zuckt die Achseln: In der Folge des Zweiten Weltkriegs sei viel Wissen verloren gegangen. Außerdem sei in den 50ern gutes Material schwer zu bekommen gewesen. Die Folgen des Eingriffs sind jedoch schwerwiegend. Ohne gute Belüftung zog sich nach und nach Feuchtigkeit durchs Mauerwerk. Die Enden der Balken begannen zu faulen. "Und als nun bei einer genauen Gebäudeanalyse vor gut eineinhalb Jahren die sichtbaren Risse im Mauerwerk analysiert wurden, war schon klar, dass sich das Dach gesenkt hatte und die äußeren Mauerteile immer mehr auseinanderdrückte", sagt Ebert, der Fachmann für Denkmalpflege ist und den Landschaftspark Duisburg-Nord maßgeblich aus der Taufe gehoben hat.

Nun werden die eichenen Endstücke entfernt. Ein Eichenbalken nach dem anderen wird gut drei bis vier Meter abgesägt. Die Binderbalken werden derweil durch die Schwerlastgerüste abgestützt. Klatt und seine Mannschaft ersetzen das fehlende Stück anschließend mit Lärchen-Stammholz - Klatt: "Eiche wäre heute viel zu teuer." Dann verbinden sie die Holzteile auf zwei Seiten mit gut 15 Zentimeter dicken Laschen.

Später muss die äußere Klinkerlage der Mauern dann entfernt werden, damit die Risse mithilfe langer Dübel und einem Edelstahlnetz entfernt werden können. Im Innenraum der Kirche muss der Putz entfernt und anschließend neu aufgetragen werden, sagt Baukirchmeister Ebert, Gründer und Vorstandsmitglied der "Europäischen Route der Industriekultur". Und dann soll noch eine völlig neue Lichtinszenierung her: "Ich hoffe, das war es dann auch."

Quelle: RP
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